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Christian Huber hat in den 34 Jahren Lebenszeit schon ziemlich viel geschrieben. Ziemlich viel Witziges!

Foto: Joseph Strauch/Bearbeitung: jetzt

Christian „Pokerbeats“ Huber (34) kann man für vieles kennen: Er arbeitete lange im Musikgeschäft, wurde mit seinem Twitter-Account ein bisschen berühmt und ist inzwischen Autor bei Jan Böhmermanns „Neo Magazin Royale“. Er schreibt aber auch noch mehr: Gerade ist sein Weihnachtsbuch „Alle anderen können einpacken“ erschienen.

Es ist die Fortsetzung zu „7 Kilo in 3 Tagen“. Darin feiert der Protagonist Bastian Kollinger Weihnachten in der Heimat. Das neue Buch funktioniert aber auch für solche Leser, die den ersten Teil nicht kennen. Bastian feiert diesmal auch wo anders: bei seinen neuen Schwiegereltern. Wir haben mit Christian über Witz und Weihnachten zu Hause gesprochen – und dabei erfahren, wie man ein Weihnachtsbuch im Sommer schreibt.

Christian, dein Buch heißt „Alle anderen können einpacken“. Sitzt der Frust so tief?

Christian Huber: Voll! Ich kann es einfach nicht. Ich packe zwar mit wahnsinnig viel Liebe, aber eben mit noch mehr Tesafilm ein. Wenn die Geschenke der Familie dann versammelt unter dem Weihnachtsbaum liegen, erkennt man leider auch immer, welche von mir sind: die hässlichen.

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„Alle anderen können einpacken“ ist die Fortsetzung zu „7 Kilo in 3 Tagen“. Um den zweiten Teil gut zu finden, muss man den ersten aber nicht gelesen haben.

Deine Reihe heißt „Über Weihnachten nach Hause“ – ist das was Schönes für dich?

Es ist was sehr Schönes. Für mich ist Weihnachten die Stopptaste im Jahr, alle haben sich da irgendwie geeinigt, dass man mal durchschnauft. Ich lebe ja inzwischen in Köln, arbeite zu viel, sehe meine Eltern kaum – da freue ich mich, wenn ich mal wieder nach Bayern in die Heimat komme.

Bastians Vater erstellt eine Excel-Tabelle, wer wann ins Bad darf – und ähnelt damit Christians Mutter

Dein Protagonist Bastian ist da ein bisschen weniger euphorisch. Seine Familie ist zu Teilen ziemlich schrullig und eigen. Wie kamst du auf diese Charaktere?

Es gibt viele Parallelen zu meiner eigenen Familie. Gerade, wenn Bastians Vater eine Excel-Tabelle erstellt, wer wann ins Bad darf. Meine Mutter schickt gerade auch schon wieder Listen herum, in denen man eintragen kann, was man wann an den Feiertagen gerne essen würde. Also viele schrullige Eigenheiten sind schon ziemlich echt und nicht erfunden.

Du wohnst wie Bastian in Köln, bist in einer kreativen Branche, kommst aber aus dem bayerischen Dorf. Er denkt, wie du twitterst. Wie viel Christian steckt in Bastian?

Tatsächlich viel! Wie tollpatschig er ist oder dass er redet, bevor er denkt. Besonders wenn er Leute cool findet, kommen Worte raus wie „Correctamundo“ oder so ein Quatsch. Er ist aber auch anders als ich, zum Beispiel schüchtern und introvertiert. Und das finde ich so spannend. Wenn die Figur sich bei Entscheidungen anders verhält, als man sich selbst verhalten würde. Denn das gibt mir also Autor ja quasi die Möglichkeit, ein anderes Leben zu führen.

Bastian muss Weihnachten mit seinen ihm noch unbekannten Schwiegereltern feiern – kein Problem oder Worst-Case-Szenario?

Für ihn ist es auf jeden Fall übel, weil die Eltern seiner Freundin ihn ja nicht mögen. Man steht zwar beim ersten Treffen immer etwas unter Strom, weil man sich beweisen muss. Aber die Situation ist dann natürlich besonders anstrengend.

Die Cousine meiner Freundin öffnete die Tür mit den Worten: „Alle streiten und Mama speit“

Wie war das erste Weihnachten mit den Eltern deiner Freundin?

Obwohl ich schon alle kannte, hatten wir da auch einen schlechten Start: Die kleine Cousine meiner Freundin öffnete nämlich die Tür mit den Worten: „Alle streiten und Mama speit.“ Da dachte ich mir auch erst: „Krass das wird ja lustig.“ Aber es ging dann doch sehr schön und friedlich aus, die Cousine hatte übertrieben.

Neben all den Gags im Buch, gibt es auch einen Charakter, der wirkt, als sei er politisch gemeint: der Ghanaer Eric wird durchweg positiv dargestellt. Wie kamst du auf die Figur und warum hast du ihr so viel Platz eingeräumt?

Eric gibt es wirklich. Er ist der Hausmeister im Haus, in dem ich lebe. Er hat unfassbar viel durchgemacht und erlebt – und ist trotzdem immer gut drauf und einfach lustig, ein Typ, mit dem man befreundet sein will. Ich fand ihn so beeindruckend, dass ich mir dachte, er würde gut in diesen Weihnachtskosmos passen. Ich wollte also kein politisches Statement setzen – das hat sich einfach so ergeben.

Wenn ich dir sage, dass Eric mein Lieblingscharakter ist – sagst du mir dann deine Lieblingsszene?

Klar. Das ist die, in der Bastian und der Vater seiner Freundin vor dem Fernseher sitzen, Pretty Woman läuft und die Sexszene losgeht. Das ist wirklich das Unangenehmste, was ich je geschrieben habe. Ich musste mir die Szene ja 50 mal anschauen, um diese lustvollen Geräusche und das Gestöhne von Julia Roberts und Richard Gere richtig aufzuschreiben. Ich habe danach sogar davon geträumt. So ist die Szene zwar witzig zu lesen, aber beim Schreiben habe ich echt gelitten.

Deine Bücher sind mit solchen Szenen ähnlich witzig wie deine Tweets oder die Gags für Böhmermann. Wie macht man das? Auf Knopfdruck lustig sein?

Das ist nicht anders als bei dir oder beim Bäcker. Ihr macht eure Arbeit ja auch unter Zeitdruck. Es ist einfach das einzige, was ich richtig gut kann, mein Talent: auf Druck kreativ arbeiten. Dafür kann ich kein Brot backen. Manchmal wünsche ich mir aber schon mehr Zeit, zum Beispiel bei diesem Buch. Ich musste das ja in zweieinhalb Monaten schreiben.

Über Weihnachten zu schreiben, ist schwer, wenn man zentimetertief im eigenen Schweiß sitzt

Und dann auch noch im Sommer! Fühlt sich das nicht komisch an, dann ein Weihnachtsbuch zu schreiben?

Total. Ich lebe ja auch noch in einer Dachgeschosswohnung, da hat es sicher mal bis zu 45 Grad. Sich zu überlegen wie Bastian seine Winterstiefel anzieht und der Schnee knirscht, ist gar nicht so leicht, wenn man gerade zentimetertief in seinem eigenen Schweiß sitzt. Ich habe dann teilweise nur noch nachts geschrieben – und irgendwann angefangen Weihnachtsmusik zu hören. Learning: „Driving Home for Christmas“ laut aufzudrehen, hilft.

Magst du denn Weihnachtslieder wenigstens oder war das eine Verzweiflungstat?

Ich liebe sie! Vom ersten bis zum 27. Dezember kann! es! mir! nicht! kitschig genug sein. Mir können nicht genug Sterne an den Fenstern kleben und nicht genügend Kerzen leuchten. Ich habe in der Zeit also auch einen Lieblingsweihnachtssender: ChristmasFM.

7 Kilo in drei Tagen war sehr nörgelig, die Fortsetzung haut vor allem gen Ende jede Menge Christmas-Spirit raus. Warum?

Ich war einfach in sehr romantischer Stimmung. Ich wollte ein Buch schreiben, das endet wie ein schöner Weihnachtsfilm. Ich wollte Kitsch!

Weißt du schon, wo Bastian sein nächstes Weihnachten feiert?

Ich weiß noch gar nicht, ob es ein nächstes Buch von Bastian und seiner Familie geben wird. Ich hätte auch mal Lust, was ganz anderes zu schreiben, einen Thriller vielleicht. Aber wenn, dann werden wohl Bastians und Karinas Familien zusammen irgendwo hinfahren. Das würde auf jeden Fall interessant!

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