Camille Magnan zeichnet ihre engsten Freund*innen mit Schutzmaske

Ihr Projekt soll auch deutlich machen, dass wir zusammen stärker sind.
Von Sophie Aschenbrenner

Illustration: Camille Magnan

Schutzmasken sind in den vergangenen Wochen feste Begleiterinnen unseres Alltags geworden. Denn derzeit ist es in Deutschland Pflicht, zumindest im öffentlichen Nahverkehr und beim Einkaufen einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Die Masken sollen dabei helfen, die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen und uns selbst und unsere Mitmenschen schützen.

Da professionelle Schutzmasken vor allem zu Beginn der Pandemie schwer zu bekommen waren, haben viele Menschen begonnen, sich selbst Masken zu nähen – oder bunte Exemplare im Internet zu bestellen. Tatsache ist: Der Mund-Nasen-Schutz wird uns noch lange an diese Pandemie erinnern, für viele ist er ein Symbol der aktuellen Lage geworden. Auch im Leben von Camille Magnan spielt die Maske derzeit eine große Rolle.

Foto: privat

Camille ist Illustratorin und Designerin. Derzeit lebt die Französin in London. Dort hat sie ihr Projekt „Friends in Quarantaine“ begonnen. Die Pandemie hat auch ihr Leben ziemlich umgeworfen: „Ich bin jemand, der sozial sehr aktiv ist, ich treffe normalerweise ständig andere Menschen. as geht jetzt alles nicht mehr“, schreibt die 27-Jährige in einer Mail gegenüber jetzt.

„Es ist in diesen Zeiten erleichternd, zu sehen, wie viel stärker wir gemeinsam sind“

Da ihre Freund*innen in ihrem Leben eine große Rolle spielen und sie sie sehr vermisste, begann Camille sie zu zeichnen, als Ersatz quasi. „Ich habe sie gebeten, Selfies mit ihren Masken aufzunehmen und mir diese Bilder zu schicken“, beschreibt Camille ihr Vorgehen. Sie nutzt zum Zeichnen einen einfachen Kugelschreiber. „Ich liebe die Maserungen, die dadurch in den Zeichnungen entstehen und den Glanz, den er auf dem Papier hat.“

Dazu schicken ihr ihre Freund*innen ein Wort oder einen Satz. Diese Worte sollen beschreiben, was sie mit den aktuellen Situation verbinden. „Das kann von ihren sehr persönlichen Gefühlen bis hin zu motivierenden Botschaften alles sein“, sagt Camille. „PROUD“ steht dann zum Beispiel hinter der Zeichnung, die ihren Freund Charlie zeigt, denn er ist stolz auf seinen Vater, der nach einer Covid-19-Infektion wieder gesund ist und auf seine Mutter, die als Krankenschwester arbeitet. Auf ihrem Instagram-Account schreibt Camille zu jeder Zeichnung einige Worte, außerdem vermerkt sie, an welchem Tag der Isolation sich der jeweilige Mensch befindet.

Shan lebt in Irland. Für ihn besonders wichtig: Luft.

Illustration: Camille Magnan

Priya kommt aus Neuseeland. Der Satz „Kia Kaha“ ist Maori und bedeutet „Bleibt stark“.

Illustration: Camille Magnan

Carlos lebt in Spanien. Sein Wort der Quarantäne: „Morgen“.

Illustration: Camille Magnan

Camilles Freundin Lara. امید bedeutet auf Persisch „Hoffnung“.

Illustration: Camille Magnan

Joel hat Camille die Worte „Wi aguh mek it“ geschickt. Das bedeutet „Wir schaffen es schon irgendwie“.

Illustration: Camille Magnan

Laras Freund James aus New York hofft auf genug Kraft während der Pandemie.

Illustration: Camille Magnan

Caroline lebt in China. 动力’ bedeutet „Motivation“.

Illustration: Camille Magnan

Hinter ihrem Projekt steht aber nicht nur die Sehnsucht nach Berührungen, gemeinsamen Abenden und Nähe, sondern auch die Verarbeitung der Kontaktbeschränkungen und der Selbstisolation: „Ich möchte darstellen, dass jeder Mensch diese Pandemie auf eine eigene Art und Weise erlebt. Ich habe meinen Freundinnen und Freunden keine Regeln gegeben, was die Selfies betrifft. Alles soll möglichst ungeschliffen und natürlich sein“, sagt Camille. Durch ihre Bilder wolle sie vor allem die Persönlichkeit der Gezeichneten darstellen.

Da sie Menschen auf der ganzen Welt kennt, zeigt das Projekt auch, wie sehr die ganze Welt von der Corona-Pandemie betroffen ist – und was die Menschen dort bewegt. Zum Beispiel der Wunsch, viel an der frischen Luft sein zu können, oder die Hoffnung, dass Freund*innen und Familie sicher durch die Krise kommen.

Camille freut sich, dass das Projekt in ihrem Umfeld so gut ankommt: „Alle meine Freunde waren total begeistert und haben sich sehr gefreut, am Projekt teilzunehmen.“ Ihr selbst helfe das Projekt: „Es ist in diesen Zeiten erleichternd zu sehen, wie viel stärker wir gemeinsam sind.“

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