Diese Illustrationen zeigen den Alltag mit vier Kindern während der Corona-Krise

Thaïs Vanderheyden will deutlich machen, wie die Pandemie das Leben vieler Familien verändert.
Von Sophie Aschenbrenner

Illustration: Thaïs Vanderheyden

Wenn man gerade aus der Dusche kommt und nackt vor dem Spiegel steht – und dann kommt die Tochter ganz begeistert ins Badezimmer: „Mama, schau mal, begrüß mal meinen Lehrer über Videochat!“ Der Sohn einem dringend etwas zeigen will, auch wenn man eigentlich gerade mit der Chefin telefonieren muss – solche Situationen dürften einige Eltern aus den vergangenen Wochen kennen. Denn viele Kinder haben wegen geschlossener Kitas und Schulen, wegen all der Ausgangsbeschränkungen sehr viel Zeit daheim verbracht. So geht es auch Thaïs Vanderheyden. Sie arbeitet als Illustratorin von Kinderbüchern und hat selbst vier Kinder. „Eigentlich wollte ich nur drei Kinder, aber die Natur hat mich mit Zwillingen ausgetrickst“,  sagt sie gegenüber jetzt. Gemeinsam mit ihrem Mann und ihren Kindern Bobb (12), Morris (10) und Pepa und Colette (beide 5) lebt sie in der Nähe von Antwerpen im flämischen Teil Belgiens.

Die 44-jährige Illustratorin versucht, ihren Corona-Alltag mit Humor zu sehen.

Foto: privat

Zwar arbeitete die Illustratorin auch vor der Corona-Krise schon von daheim aus, allerdings lag damals der Fokus wirklich auf der Arbeit, erzählt sie: „In meinem ruhigen Atelier habe ich von morgens bis abends mit einer Prise Jazz im Hintergrund an meinen Illustrationen gearbeitet. Das war himmlisch.“ Dann kam Corona – und ihre Kinder blieben daheim. „Jetzt jagen mich die vier liebenswerten, aber sehr anspruchsvollen Monster durchs Haus, sie wollen Kekse und schnoddern durch die Gegend, und im Hintergrund habe ich jetzt vor allem Geschrei.“ Eine Minute Zeit für sich zu finden – schwierig. 

Diesen neuen Alltag verarbeitet sie auch in ihren  Zeichnungen, und die haben mittlerweile viele Fans. „Ich habe das Tagebuch nur für mich selbst begonnen. Da ich mehr Zeit mit meinen Kindern verbringe als sonst, habe ich die Möglichkeit, sie besser zu beobachten. Ich beschloss, als Andenken an diese seltsamen, aber auch kostbaren Familientage eine Zeichnung pro Tag zu machen“, erzählt sie. Manche von ihnen teilt sie auf Instagram – und viele Menschen können sich wohl sehr gut mit dem identifizieren, was sie auf den Illustrationen sehen. Jetzt ist aus den Illustrationen sogar ein Buch entstanden.

„Am Anfang dachte ich, dass das der Horror werden könnte mit den Kindern und der Arbeit daheim. Aber es funktioniert irgendwie. Ich bin immer noch am Leben, auch wenn ich ein paar Pfund zugenommen habe und meine Haare in alle Richtungen abstehen“, sagt sie. Sie versuche einfach, alles so positiv wie möglich zu sehen – auch wenn ihre Bilder zeigen, dass das nicht immer einfach ist.

Auch ihr Partner arbeitet von daheim. „Wenn wir etwas wirklich Wichtiges arbeiten müssen, verstecken wir uns mit dem Computer irgendwo und hoffen, dass die Kinder uns nicht finden“, sagt die Illustratorin. Was sie und die Kinder am meisten vermissen? „Unsere Freunde.“

Hinter den niedlichen und lustigen Zeichnungen steckt aber auch ein Thema, das ernst ist: Viele Eltern und Kinder leiden massiv unter der Pandemie. Im Home-Office produktiv sein und gleichzeitig die Kinder betreuen, ist für viele fast unmöglich, viele stießen in den vergangenen Wochen an ihre Grenzen, im Internet formierte sich Protest. Unter dem Hashtag #CoronaEltern fordern viele Eltern, vor allem Mütter, mehr Unterstützung vom Staat zu bekommen, auch finanzieller Art, zum Beispiel in Form eines Corona-Elterngeldes. Und auch, wenn Schulen und Kitas jetzt wieder schrittweise aufmachen, wenn Spielplätze wieder geöffnet sind – wir alle werden noch lange mit vielen Einschränkungen leben müssen. Und das wird Familien und Kinder weiterhin hart treffen. Viele Eltern tröstet zumindest ein bisschen, dass sie mit ihrer Situation nicht alleine sind. Das zeigen auch viele Kommentare unter den Bildern von Thaïs Vanderheyden: „Ich liebe deine Illustrationen. Sie sind so witzig. Und so real“, schreibt da zum Beispiel eine Frau. Denn wenn man einander in der realen Welt nicht besuchen kann, muss man sich eben übers Internet verbünden. 

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