Ein Kunstmuseum kauft 2020 nur noch Werke von Frauen

Um der Gleichberechtigung der Geschlechter ein kleines Stück näher zu kommen.

Im Baltimore Museum of Art sind 95 000 Kunstwerke ausgestellt. Aber nur vier Prozent davon sind von Frauen. Das ist leider kein Einzelfall – Künstlerinnen sind in Museen auf der ganzen Welt extrem unterrepräsentiert. Auch eine aktuelle Studie zeigt: Zwischen 2008 und 2018 waren gerade einmal elf Prozent der Kunstwerke, die die 26 wichtigsten Museen der USA erworben haben, von Frauen. Das soll sich zumindest in Baltimore jetzt Stück für Stück ändern: Das Museum, immerhin eines der wichtigsten Kunstmuseen der USA, wird 2020 für seine Dauerausstellung nur Kunstwerke erwerben, die von Frauen geschaffen wurden. Das hat die Museumsleitung bekanntgegeben.

Chefkuratorin Asma Naeem spricht davon, „den Kanon zu korrigieren“. Das Haus nehme die Initiative sehr ernst. Sie hoffe, anderen Museen ein Vorbild zu sein und eine Bewegung anstoßen zu können.

Die Sammlungen sind nicht nur im Baltimore Museum of Art männlich geprägt. Historisch hat diese Ungleichheit verschiedene Ursachen: Frauen wurde früher der Zutritt zur Kunstakademie verwehrt. Wer als Künstlerin trotzdem bekannt wurde, schaffte es mit den eigenen Werken dennoch nur selten in große Ausstellungen und Kataloge.

Das ist heute anders. Dennoch sind Frauen immer noch unterrepräsentiert – was nicht zuletzt auch daran liegt, dass die meisten Ausstellungshäuser eben noch immer von Direktoren geleitet werden und nicht von Direktorinnen. Doch auch das ändert sich. Kunsthistoriker*nnen entdecken fast vergessene Künstlerinnen neu. Und die Museen handeln: Schon vergangenes Jahr sorgte das Baltimore Museum of Art für Schlagzeilen, als es Werke von Andy Warhol und anderen weißen, männlichen Künstlern versteigerte – um mit dem Geld dann Kunst von Frauen und Künstler*innen zu kaufen, die einer Minderheit angehören.

soas

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