Eine katholische US-Schule verbannt „Harry Potter“ aus ihrer Bibliothek

Denn wer die Bücher liest, könne angeblich böse Geister heraufbeschwören.

Könnten die Harry-Potter-Bücher tatsächlich böse Geister beschwören?

Foto: dpa/Frank May

Die Harry-Potter-Bücher sind ursprünglich für Kinder geschrieben worden. Zugegeben, teilweise sind sie vielleicht spannender und dramatischer geschrieben, als so manches Kind angstfrei verträgt. Wenn Hogwarts-Schulleiter Dumbledore getötet wird zum Beispiel, oder als Voldemort wieder einen Körper bekommt. Aber so richtig gefährlich wird J.K. Rowlings Werk für Kinder eigentlich nicht, oder?

Doch, behauptet die St.-Edward-Schule in Nashville. Laut der Zeitung Tennessean hat sie die Bücherreihe aus der Schulbibliothek verbannt. Die Begründung: „Die Zaubersprüche und Flüche in den Büchern sind durchaus echt.“ Wer die Bücher liest, könnte demnach böse Geister heraufbeschwören. Das schrieb zumindest der Schulgeistliche Reverand Dan Reehil in einer Rundmail, nachdem sich ein Elternteil über den Verbleib der Bücher erkundigt hatte. Außerdem erklärte der Pastor in der Mail: „Diese Bücher stellen Magie sowohl gut als auch böse dar. Das ist nicht wahr, sondern nur eine clevere Tarnung.“

Weil der Pastor selbst nicht für den Tennessean erreichbar war, bestätigte das Rebecca Hammel, die Schulaufseherin der zuständigen Diözese von Nashville. Reehil habe zu diesem Thema mehrere Exorzisten aus den USA und dem Vatikan konsultiert. Die hätten ihm daraufhin empfohlen, die Bücher unbedingt aus der Bücherei zu entfernen. Es läge außerdem durchaus in der Macht des Schulgeistlichen, diese Entscheidung zu treffen. Sie sagte außerdem: „Wir zensieren bei unserer Auswahl nicht, sondern wollen nur sicherstellen, dass die Materialien, die wir zur Verfügung stellen, altersangemessen für Klassenräume sind.“

Der Schulaufseherin zufolge habe der Pastor die Bücher bisher allerdings nur an der St.-Edward-Schule aus den Regalen verbannt, da dort eine neue Bibliothek eröffnet worden war. In den Regalen anderer Schulen der Gemeinde könnten Schüler*innen die Bücher nach wie vor finden.

Die Überzeugung, dass „Harry Potter“ eine Bedrohung sei, ist übrigens keine neue. Weltweit sind viele Gläubige überzeugt, dass die magische Welt des Zauberschülers junge Menschen dazu verführen könnte, okkulte Praktiken auszuführen und ihrem bisherigen Glauben abzuschwören. In der The American Library Association's list stand „Harry Potter“ in den Jahren 2001 bis 2003 daher ganz oben. Das bedeutet, dass die Bücher zu denen gehörten, von denen am häufigsten gefordert wurde, dass sie aus Schulbüchereien entfernt werden sollten.

lath

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