Künstlerin hängt Zusatzinfos zu Gauguin und Picasso ins MET

Abbildung: www.michellehartney.com

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Michelle Hartney ist eine Künstlerin aus Chicago, die sich vor allem auf das Themenspektrum Frauenrechte und Frauengesundheit konzentriert und mit verschiedenen Formaten und Materialien arbeitet. Am vergangenen Samstag hat sie ihre Performance SEPARATE THE ART FROM THE ARTIST nach New York gebracht. Im Metropolitan Museum of Art (MET) in New York hängte sie bei Gemälden von berühmten Malern neben der vom Museum aufgehängten Bildbeschreibung noch eine eigene dazu – und informierte die Besucher über sehr bestimmte Aspekte des Privatlebens der ausgestellten Künstler.

Bei dem Bild „Der Träumer“ von Pablo Picasso zitierte sie auf ihrem Zettel die Kunsthistorikerin und Comedian Hannah Gatsby, die in ihrem Standup-Auftritt „Nanette“ auch einiges über Picasso zu sagen hatte: „Picasso wird uns als dieses leidenschaftliche, virile, geplagte Genie, dieser Mann, dieser Hodensack verkauft, stimmt’s? Aber (...) er hatte eine psychische Erkrankung. Picasso war krank. Er litt schwer und es wurde immer schlimmer, je älter er wurde. Picasso litt an einer psychischen Erkrankung namens Misogynie. Ist Misogynie (Frauenfeindlichkeit) eine psychische Erkrankung? Ja! Natürlich ist sie das. Vor allem, wenn du ein heterosexueller Mann bist. Denn wenn du hasst, was du begehrst, weißt du, was das dann ist? Verdammt schräg! (...) Wenn du mir nicht glaubst, dass er krank war, dann lass mich dieses große Arschloch selbst zitieren: „Jedes Mal (...), wenn ich eine Frau verlasse, sollte ich sie verbrennen. Zerstörst du die Frau, dann zerstörst du auch die Vergangenheit, für die sie steht.“ Cooler Typ. (...)“

„Es ist nicht schwer, die Arbeiten von Sexualstraftätern und ärgerlichen Männern zu ignorieren“

Bei einem Bild des französischen Impressionisten Gauguin hängte sie eine Tafel auf, die ebenfalls ein Zitat der Autorin Roxane Gay trug: „Ich tue mich nicht länger schwer mit künstlerischen Vermächtnissen. Es ist nicht schwer, die Arbeiten von Sexualstraftätern und ärgerlichen Männern zu ignorieren. Denn wenn man über das Vermächtnis solcher Straftäter grübelt, bedeutet das, dass man bereit ist, Opfer dafür bezahlen zu lassen, um gute Kunst zu bekommen ist. Doch die Wahrheit ist: Keine halbe Stunde Fernsehen ist so exzellent, dass sie das Leiden von irgendjemanden rechtfertigen würde. Stattdessen erinnere ich mich daran, wie viele Karrieren von Frauen ruiniert wurden. Ich denke an die, die ihre Träume aufgegeben haben, weil irgendein „Genie“ beschloss, seine Gier nach Macht und Kontrolle sei bedeutsamer, als ihre Ambition und Würde. Ich denke an all die Jahrzehnte von erzwungenem Schweigen, Einschüchterung und Manipulation, die solchen schlechten Männern erlaubt hat, zu gedeihen.“

Hartney konzentrierte sich auf diese beiden Künstler, die zu den bekanntesten der Welt gehören und von deren fragwürdigen privaten Unternehmungen nur wenige wissen. Picasso hatte als erwachsener verheirateter Mann eine heimliche Affäre mit einer 17-Jährigen. Gauguin heiratete mehrere einheimische Mädchen, nachdem er nach Tahiti gezogen war, einige von ihnen waren erst 13 Jahre alt.

Hartney will ausdrücklich keine Zensur der Kunstwerke, sondern die Möglichkeit schaffen, die Werke in Kontext zu setzen für Museumsbesucher, die zum ersten Mal etwas über diese Künstler lernen. Denn das Museum sei, so Hartney im Gespräch mit der Website HyperAllergic, oft der erste und einzige Ort, an dem Menschen etwas über einen Künstler erfahren.

Diese Guerilla-Aktion ist nicht die erste Kunstaktion von Michelle Hartney, in der sie sich kritisch mit männlichen Künstlern auseinandergesetzt hatte. Anfang dieses Jahres nahm sie sich auf ähnliche Weise des Künstlers Balthus an, der bis 2001 lebte. Neben einem Bild von Althus, das im Art Institute of Chicago aufgehängt ist, platzierte sie ebenfalls eine Plakette, die fragte: „“Correcting Art History: How Many Crotch Shots of a Little Girl Does It Take to Make a Painting?“ Balthus war vor allem für seine figurativen und nicht selten anzüglichen Bilder von vorpubertären Mädchen in teilweise sehr expliziten Posen. Im Alter machte Balthus mit seiner Polaroid-Kamera nahezu 2000 Bilder eines achtjährigen Mädchens. Acht Jahre lang fotografierte er sie täglich in teilweise sehr anzüglichen Posen.

Bisher hat sich das MET zu der Performance noch nicht geäußert. Auch ist nicht bekannt, ob die Bemerungen immer noch vor Ort hängen.

chwa

 

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