Wenn nur noch ein Streik die Liebsten dazu bringt, im Haushalt zu helfen

Die Twitter-Userin „Miss Potkin" war es leid, die ganze Hausarbeit zu machen und streikte für drei Tage.
Foto: user18526052/freepik / Collage: jetzt

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Im 21. Jahrhundert könnte man meinen, dass die Hausarbeit bei vielen Familien mittlerweile gerecht aufgeteilt ist und sich alle Familienmitglieder um die Wäsche, das Geschirr oder den Müll kümmern. Doch laut dem Gleichstellungsbericht der Bundesregierung wenden Frauen pro Tag etwa 52 Prozent mehr Zeit für Haushalt und Kindererziehung auf als Männer. Und längst nicht alle Frauen entscheiden sich bewusst und freiwillig dafür, diese unbezahlte Sorgearbeit zu übernehmen, die oft als selbstverständlich angesehen wird. 

Um den Liebsten zu zeigen, dass sich „das bisschen Haushalt“ eben nicht von alleine macht, streikte die Twitter-Userin „Miss Potkin“. Sie beschloss, drei Tage lang nicht mehr alles im Haushalt zu übernehmen und startete damit, nach dem Kochen nicht mehr das Geschirr abzuspülen. „Das ist eine Lektion, die zeigen soll, dass ich gehört und respektiert werden will“, schreibt sie dazu auf Twitter.  

Auf Twitter hielt sie ihre Follower*innen darüber auf dem Laufenden, wie sich das Chaos im Haus immer weiter ausbreitete und wie ihre Familie darauf reagierte.

1. Phase: Das Geschirr wird langsam knapp

Nach drei Tagen, in denen sich niemand sonst bereit erklärt hatte, den Geschirrspüler einzuräumen und anzumachen, gingen die sauberen Schüsseln und Löffel aus. „Wer wird zuerst blinzeln?“, schrieb „Miss Potkin“. „Ich nicht!“ Einen Kommentar habe keines der Familienmitglieder zu der wachsenden Unordnung abgegeben. Aber immerhin: Der Müll wurde „nach 965 Tagen“ runtergebracht. Doch auf die erste Euphorie folgte direkt die Ernüchterung: Ein Familienmitglied – offenbar der Vater – griff lieber zum Baby-Löffel, als einen Kaffeelöffel abzuspülen.

Auch die schmutzige Pfanne, in der eine Bratwurst vergammelte, wurde gekonnt ignoriert. Zusätzlich sammelten sich immer mehr Schmutzwäsche-Berge an, da sich kein anderes Familienmitglied dafür zuständig fühlte, die Wäsche zu machen. Auch das

Toilettenpapier ging zur Neige:

2. Phase: Fortschritt ist in Sicht

Noch am gleichen Tag schien dem Rest der Familie endlich aufzufallen, dass es keine gute Idee ist, das dreckige Geschirr einfach stehen zu lassen: Jemand sah sich gezwungen, steinharte Müsli-Reste aus einer Schüssel zu kratzen – und räumte sogar die Spülmaschine ein.

3. Phase: Die Enttäuschung

Oberflächlich betrachtet sah die Küche wenig später wieder ordentlich aus, doch in einem Video zeigte „Miss Potkin“, dass der Schein trog. In der Spüle stapelte sich weiterhin Geschirr in dreckigem, grau-braunem Wasser. Die Bratwurst war zwar entsorgt worden, aber die Pfanne stand immer noch auf dem Herd und sauberes Geschirr gab es auch nicht, da niemand die Spülmaschine angestellt hatte.

4. Phase: Der Streik zeigt Wirkung

Etwas später schien die Lektion endlich gefruchtet zu haben. Nachdem alle Badezimmer mit neuem Toilettenpapier ausgestattet worden waren, wurde auch endlich der Geschirrspüler eingeschaltet und die Wäscheberge verschwanden. Und „Miss Potkin“ war standhaft geblieben.

Ihr Fazit nach drei Tagen ohne Waschen, Aufräumen und Putzen lautete dennoch: „Das mache ich nie wieder.“

Die Reaktionen zu ihrem Twitter-Thread zeigen, dass sie mit ihrer Aktion vielen Frauen aus der Seele spricht. Zahlreiche Nutzerinnen solidarisierten sich in den Kommentaren mit „Miss Potkin“ und berichteten von ähnlichen Haushalts-Streiks.

Die hatten allerdings nicht immer das erhoffte Ergebnis. Die Tennis-Trainerin Yaz Clark etwa berichtet, ihr Partner habe sich einfach neue Klamotten gekauft, nachdem sie sich eine Weile geweigert hatte, sie zu waschen:

Ein anderer Lebensgefährte war offenbar so stolz darauf, dass er das Badezimmer geputzt hatte, dass er das seiner Partnerin in mehreren Textnachrichten mitteilte:

Viele Frauen teilen auch Tipps, wie man die Liebsten dazu bewegen kann, mitzuhelfen. Die Nutzerin „Sunny Shade“ hat etwa die Regel aufgestellt, dass sie nicht in einer dreckigen Küche kocht und niemand schlafen geht, solange die Küche nicht sauber ist:

Eine andere Nutzerin ärgert sich vor allem darüber, dass all diese Männer in der Regel alleine klargekommen sind, solange sie noch Single waren und alleine gelebt haben. Sobald sie in einer Beziehung sind, scheinen diese Fähigkeiten vergessen zu sein.

Natürlich treffen all diese Aussagen nicht auf alle Männer zu und nicht alle Männer sind per se unordentlich oder faul. In vielen Hetero-Beziehungen wird die Hausarbeit bereits gerecht aufgeteilt – und es gibt auch Frauen, die den Haushalt links liegen lassen und sich auf den Partner verlassen. Am besten ist es doch, wenn sich beide absprechen, welche Aufgaben sie „gerne“ erledigen und welche nicht und einen entsprechenden Plan aufstellen. Der Thread dürfte auf jeden Fall manchen Personen die Augen dafür öffnen, was die Partnerin oder der Partner jeden Tag leistet, und sie dazu bringen, den eigenen Beitrag im Haushalt zu hinterfragen.

lko

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