horrordate nachspiel
Illustration: Katharina Bitzl

Dating-Situation: mehrere Treffen mit Party-Bekanntschaft – und ein Nachspiel

Geschlecht und Alter des Dates: männlich, 36 Jahre

Horror Stufe: 8 von 10

Auf einer WG-Party lernte ich einen netten jungen Mann kennen. Wir flachsten den ganzen Abend und die halbe Nacht in der Küche herum und tauschten Kontaktdaten aus. Schon am nächsten Tag hatte ich eine Freundschaftsanfrage samt Nachricht auf Facebook von ihm. 

Ein paar Tage lang chatteten wir und machten dann ein Date fürs Wochenende aus. Weil ich wissen wollte, auf wen ich mich da einlasse, habe ich sein Profil durchstöbert. Die Fotos waren vielversprechend: er am Strand beim Surfen, er beim Paragliding, er mit Freunden am Lagerfeuer. Und auch ansonsten erschien er als grundsolider, einfach sympathischer Kerl. Aber ich hatte mich zu früh über den anscheinenden Jackpot gefreut. Denn da stand doch tatsächlich „Beziehungsstatus: vergeben“. Da schrillten das erste Mal die Alarmglocken bei mir. 

Darauf angesprochen erklärte der gute Mann mir, dass er erst seit zwei Wochen wieder Single sei, seine Verflossene aber arge psychische Probleme habe, mit der Trennung nicht klar käme und er Angst habe, sie vollends aus dem Gleichgewicht zu bringen, wenn er nun den Beziehungsstatus ändern würde. Aber er schwöre bei allem was ihm heilig sei: Die Beziehung sei beendet! Vielleicht war ich naiv, aber ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass jemand bei diesem Thema lügen könnte.

Wir gingen in den kommenden Wochen ein paar Mal miteinander aus. Irgendwann merkte ich, dass die anfängliche Begeisterung meinerseits abflaute. Es gab einfach immer weitere Ungereimtheiten. Mal hatte er tagelang keine Zeit für ein Treffen, mal drückte er mich am Telefon weg, mal ignorierte er Textnachrichten. Dafür blieb sein Beziehungsstatus unverändert auf „vergeben“.

Drei Monate später erhielt ich über Facebook eine Nachricht von seiner „Ex“ 

Bevor die Sache richtig ernst werden konnte, zog ich mich zurück und erklärte ihm, dass wir zwar gerne locker befreundet bleiben könnten, ich aber kein Interesse an einer Beziehung hätte. Er meinte dann trocken, dass er das nicht wolle. Er habe genügend Freunde und es sei ihm eh schon auf den Keks gegangen, dass hier kein Sex für ihn rausspränge. Unter diesen Umständen wolle er keinen Kontakt mehr mit mir. Es kommt selten vor, dass ich sprachlos bin, aber das war einer dieser Momente.

Drei Monate später erhielt ich über Facebook eine Nachricht. Sie war von seiner „Ex“ – die mir unverhohlen mit Gewalt drohte, sollte ich mich ihm noch einmal nähern. Ich hatte immer noch im Hinterkopf, dass die Ärmste ja labil war und das Ende der Beziehung nicht verarbeitet hatte. Daher schrieb ich ihr sehr freundlich, dass ich ihn seit Monaten nicht gesehen hätte und daran auch nichts ändern möchte. Anstatt sie damit zu beruhigen, bekam ich weitere Hasstiraden ins Postfach gespült, in denen sie mir vorwarf, ihr den Freund ausspannen zu wollen, sie seien nie getrennt gewesen, sie sei sogar auf der Party gewesen, auf der wir uns kennengelernt hatten (da hätten sie sich aber kurz zuvor gestritten und nicht miteinander gesprochen). Sie hatte offenbar sein Handy durchsucht und unseren Chat gefunden. 

Im Verlauf ihrer Nachrichten an mich lernte ich Kraftausdrücke, die ich hier nicht wiedergeben kann. Da hatten sich ja zwei gesucht und gefunden: eine kontrollsüchtige, zur Gewalt neigende Furie und ein notorischer Lügner, dem es nur ums Vögeln ging. Bevor ich beide auf allen sozialen Medien gesperrt habe, habe ich ihnen viel Glück für eine gemeinsame Zukunft gewünscht. Sie haben sie sich verdient.

Dieser Text stammt von einer jetzt-Leserin. Sie hat darum gebeten, anonym bleiben zu dürfen. Ihr Name ist der Redaktion aber bekannt.

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