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Kann man gleich gut mit einem Freund und dessen Freundin befreundet sein? Einfach ist es jedenfalls nicht.

Foto: katdoubleve / photocase.de; Illustration: Katharina Bitzl

Freundschaften wurden schon auf alle möglichen Aspekte soziologisch und psychologisch untersucht. Darauf, ob gleichgeschlechtliche Freundschaften funktionieren können, zum Beispiel (können sie), darauf, ob Freundschaften eine Familie ersetzen können (möglich), darauf, ob Qualität wichtiger ist als Quantität (meistens). Kaum Forschungsergebnisse findet man dagegen über die Freundschaft einer Einzelperson mit einem Paar – was daran liegen könnte, dass diese Konstellation wirklich kaum funktioniert. Und meistens schmerzhaft endet.

Die Schwierigkeiten der Freundschaft zwischen dem Einzelnen und einem Paar gehen schon bei den Gesprächen los. Wenn man zum Beispiel eine tolle Neuigkeit hat, und sich darauf freut, sie einer Freundin zu erzählen, kann es sein, dass sie schon Bescheid weiß – von deinem guten Freund, der ihr Partner ist. Weiter schlimm ist das allerdings nicht, so funktionieren Beziehungen eben; und böse sein kann man da auch wirklich niemandem. Auch der umgekeherte Fall – dass man Dinge also zweimal erzählen muss – ist halb so wild, schließlich hat das befreundete Paar im besten Fall noch andere Gesprächsthemen als deine Job- oder Beziehungsnews. Richtig beschissen wird es allerdings, wenn dich einer der beiden in eine Vertrauenssache mit reinzieht.

Richtig beschissen wird es, wenn einer fremdgeht – und du davon erfährst

Zum Beispiel, wenn einer der beiden fremdgeht oder sich in jemand anderen verliebt, und dir davon erzählt. Das ist ein ganz klarer Vertrauensmissbrauch – nicht nur zwischen den Partnern. Auch dein Vertrauen als Bezugsperson wird ausgenutzt, weil du dann unwillkürlich vor der Frage stehst, wo deine Loyalitäten liegen.

Ein Bekannter erzählte mir von einer Urlaubsreise mit seinem besten Kumpel. Der Kumpel hatte auch seine Affäre mitgenommen. Es sei die einzige Gelegenheit für die beiden gewesen, sich länger zu sehen, ohne dass die Partnerin zu Hause etwas mitbekommen hätte. Mein Bekannter war der einzige Mitwisser dieser Affäre. Das Problem: Er, der Mitwisser, ist selbst ziemlich gut mit der Betrogenen befreundet. Wo soll er also seine Loyalitäten setzen?

Ganz schön schwierig, denn der Kumpel ist sein ältester und bester Freund. Und auch, wenn er dessen Freundin anrufen würde, und ihr alles erzählen, ist recht unwahrscheinlich, dass sie mit einem „Cool, danke dir, wir sehen uns Dienstag“, reagiert. Sie würde fragen, wie lange er es schon weiß, warum er es ihr nicht erzählt hat. Im schlimmsten Fall würde er nicht nur sie, eine gute Freundin, sondern auch seinen besten Freund verlieren.

Bevor mein bester Freund wusste, dass er betrogen wird, wusste ich davon

Und auch aus eigener Erfahrung kann ich sagen – diese Vertrauensbrüche unter Freunden passieren gar nicht so selten. Vor einigen Jahren hatte eine Freundin von mir eine Affäre. Die beiden haben das als Paar irgendwie überlebt – aber unsere Freundschaft nicht. Denn bevor ihr Freund irgendetwas von ihrer Affäre wusste, wusste ich, seine ehemals beste Freundin, davon. Ich sah diesen Freund in dieser Zeit zwar nicht so häufig (was bestimmt auch daran lag, dass ich ihm nicht mehr in die Augen hätte schauen können) aber ich fühlte mich gleichzeitig wahnsinnig betrügerisch – und selbst betrogen. Das Vertrauen, das ich der Freundin gegeben hatte, hat sie ausgenutzt. Dabei war ihr das vielleicht gar nicht bewusst, schließlich ehrte sie mich sozusagen mit dem Vertrauen, dass sie in mich hatte – ich würde es ja nicht ihrem Partner weitererzählen. Erst viel später kam ich darauf, dass es keine Ehre war, die mir zuteil wurde, sondern einfach eine linke Masche. Ich reagierte darauf, wie ich es damals nicht anders konnte – wir sahen uns einfach immer weniger, schon gar nicht zu dritt. Letztlich führte dieses Erlebnis dazu, dass ich zu beiden keinen Kontakt mehr habe.

Tatsächlich habe ich mir nach diesem Vorfall geschworen, nicht mehr mit einem Paar befreundet zu sein. Aber mit Schwüren ist es halt so eine Sache, die funktionieren in der Realität nicht so gut, vor allem, wenn man beide Menschen sehr gern hat. Das Hineingezogenwerden in Beziehungsprobleme eines Paares geht jedenfalls meistens nicht gut aus. Und sei es nur, dass man sich selbst von dem Paar entfernt, weil der Umgang mit der Situation so nervt, dass man sich die Frage stellt, ob von der Freundschaft eigentlich noch viel übrig ist. Das bedeutet nicht, dass man mit Freunden nicht mehr über Stress in der Beziehung oder Sinnkrisen sprechen kann. Aber die Verantwortung liegt dann nicht bei dir als Einzelperson, sondern tatsächlich beim Paar: Das sollte sich gut überlegen, welche Freunde es damit belasten kann, und welche dadurch in eine Zwickmühle geraten.

Funktionieren kann es nur, wenn keiner der beiden dich absolut für sich beansprucht

Während ich diesen Text schreibe, fällt mir auf, dass es auch in meinem Freundeskreis ein Paar gibt, mit dem die Freundschaft überhaupt kein Problem ist – so unkompliziert sogar, dass ich an die beiden überhaupt nicht gedacht habe. Wir sehen uns einzeln, zu dritt, manchmal sogar bei diesen sonst ja immer etwas gestelzt wirkenden Paar-Abenden zu viert. Unsere Freundschaft steht nie in Frage und ich muss auch bei keinem der beiden überlegen, was ich erzähle und was nicht; und auch, als sie es in ihrer Beziehung mal schwer hatten, konnte ich für beide da sein und musste nicht Partei ergreifen.

Warum das bei diesen beiden anders ist, weiß ich nicht. Vielleicht sind sie sich der Situation einfach bewusster, dass wir ein Dreier-Freundes-Gespann sind, und haben mich deswegen nie in Konflikte hineingezogen, die für mich selbst problematisch werden könnten. Keiner der beiden hat mich absolut für sich beansprucht, obwohl sie mir durchaus Dinge anvertraut haben. Sie haben eine unsichtbare Grenze gewahrt. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar. Ich glaube aber, dass sie eine absolute Ausnahme bilden.

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