Jungs, warum verlasst ihr euch beim Schenken so oft auf uns?

Habt ihr kein schlechtes Gewissen, wenn ihr uns wie kleine Weihnachtswichtel beauftragt?
Von Patricia Friedek und Raphael Weiss

Foto: unsplash/kira-auf-der-heide Bearbeitung: jetzt

Liebe Jungs,

Weihnachtszeit ist Geschenkezeit. Für viele von uns bedeutet das, dass wir nicht nur für Eltern, Großeltern oder Geschwister Geschenke suchen, sondern auch noch eure Bescherung planen. Und damit meine ich nicht nur, euch zu beschenken. Sondern vor allem, dass wir oft die

Geschenke kaufen, die ihr dann stolz eurer Mama oder eurem kleinen Bruder überreicht. Zugegeben, das ist ein Klischee, das bestimmt nicht auf alle von euch zutrifft, und auch nicht auf alle von uns. Aber kommt schon: Der Großteil der schönen und kreativen Präsente unterm Weihnachtsbaum oder auf dem Geburtstagstisch kommt eher von der weiblichen Seite.

Habt ihr kein schlechtes Gewissen, wenn ihr uns wie kleine Weihnachtswichtel beauftragt?

Und das ist nicht nur in der Familie so, wenn Väter und Brüder auf uns zukommen und ganz unauffällig fragen, ob wir denn schon eine Idee für ein Geschenk für Mama oder Großtante Helga hätten. „Willst du was besorgen? Ich beteilige mich“, heißt es dann von euch. Auch im Freundeskreis beobachten wir das: Wir sind diejenigen, die die Whatsapp-Gruppen vor einer Geburtstagsparty nicht nur eröffnen, sondern auch mit Vorschlägen füllen, dann durch die Stadt hetzen, das Internet auf den Kopf stellen und das Ergebnis am Ende auch noch mit Schleifchen und schönem Geschenkpapier verpacken. Als hätten wir im Gegensatz zu euch Zeit dafür. Am Ende gebt ihr einfach einen Zehner dazu, setzt euren Namen unter die von uns liebevoll ausgesuchte und beschriebene Karte und seid fein raus. Wenn ihr überhaupt von selbst daran denkt und wir nicht auch noch hinter dem Geld herlaufen müssen.

Woran liegt das? Haben euch eure eigenen Väter schon vorgelebt, dass es ziemlich einfach ist, sich beim Schenken auf die Frauen zu verlassen? Seid ihr einfach nur zu faul, euch Gedanken zu machen? Habt ihr eigentlich keine Lust auf Geschenke und wollt vielleicht selbst gar nicht erst beschenkt werden? Und: Habt ihr kein schlechtes Gewissen, wenn ihr uns wie kleine Weihnachtswichtel oder Geburtstagsfeen beauftragt und am Ende auch noch davon profitiert, weil die beschenkten Personen sich über „eure“ Geschenke freuen? Ihr könnt uns glauben, dass es für uns auch nicht immer spaßig ist, nicht nur Geld, sondern auch viel Zeit in die Bescherung zu stecken.

Also, erzählt doch bitte mal.

Eure Mädchen

Die Jungsantwort:

Liebe Mädchen, 

erst gestern habe ich mit meiner Schwester telefoniert, um über Weihnachtsgeschenke zu reden. Seit es nicht mehr okay ist, seinen Verwandten voller Stolz ein Buntstift-Gekrakel oder ein selbstgebasteltes … Etwas ... zu überreichen, haben wir die Abmachung, dass wir alles zusammen verschenken. Leider muss ich gestehen, dass bislang der Großteil der Ideen von meiner Schwester kam. Auch in diesem Jahr. Für Weihnachten brauchen wir sieben Geschenke. Fünf haben wir schon, vier Ideen kamen von ihr, eine von mir. Bei unserem gestrigen Telefonat war mein einzig brauchbarer Vorschlag einer, den meine Schwester vor gut einer Woche schon mal selbst geäußert hatte. 

Und auch bei Gruppengeschenken kann ich die Erfahrung bestätigen, dass es meistens Frauen sind, die die „Geschenk für XY“-Whatsapp-Gruppe gründen und gute Ideen liefern. Die Männer sind unterdessen eher damit beschäftigt, sich möglichst schlechte Gag-Geschenke auszudenken. 

Für einen Erklärungsversuch reise ich mal zurück in vergangene Teenager-Jahre, als mein Freundeskreis eigentlich ausschließlich männlich war. Gefeiert wurde viel, geschenkt umso weniger. Falls es doch mal etwas gab, dann hatte es irgendetwas mit Fußball zu tun. Erste, tatsächlich durchdachte Geschenke, zum Beispiel für die erste feste Freundin, wurden von den anderen Jungs meistens mit Häme bedacht. 

Wir sind fein damit, nicht die ausgefallensten Geschenke zu bekommen

Auch wenn Letzteres zum Glück nicht mehr so ist, der Umgang mit Geschenken innerhalb unseres männlichen Freundeskreises hat sich bis heute erhalten. Eigentlich gibt es am Geburtstag nichts und wenn dann doch mal etwas verschenkt wird, ist das nicht unbedingt von Kreativität geprägt: Fußballtrikot, Fußballtrikot, Schnaps, Playstation-Spiel, Fußballtrikot und, nicht zu vergessen, Fußballtrikot. 

Aber wir sind fein damit, nicht die ausgefallensten Geschenke zu bekommen. Deswegen treibt es uns auch heutzutage nicht die Schamesröte ins Gesicht, mit offensichtlich an der Tanke gekauften Last-Minute-Blumen bei einer Geburtstagsfeier aufzutauchen.

Trotzdem wissen wir natürlich mittlerweile, dass es egoistisch und nervig ist, wenn wir euch das Geschenkekaufen überlassen. Und wir wissen auch, dass sich niemand gerne in der Vorweihnachtszeit durch fremde, Grippe-geschüttelte Körper zwängt, um den ultra-ulkigen Eierschalensollbruchstellenverursacher für Tante Gitti zu besorgen. Ich denke, dass Männer gerne Dinge vor sich herschieben, lästige Aufgaben (zu denen Geschenke besorgen, wenn wir ehrlich sind, meistens zählt) erst auf den letzten Drücker machen. Das Wissen, dass ihr meistens eh rechtzeitig und mit einer deutlich besseren Idee, um die Ecke kommt, verstärkt diese Tendenz natürlich. Und schwups, steht Weihnachten vor der Tür und ihr habt ihr plötzlich doch wieder alle Geschenke gekauft.

Vielleicht spendet es ja zumindest ein Fünkchen Trost, dass der oder die Beschenkte genau weiß, wer sich ein Geschenk ausgedacht hat und wer einfach schnell noch seinen Namen darunter gekritzelt hat. Ich zumindest mache mir keine Illusion, dass meine Tante im vergangenen Jahr ernsthaft geglaubt hat, dass die Idee für die super-cuten Socken mit Spitze am Bund von mir kam. Und sollten doch mal Zweifel bestehen, helft ihr ja auch oft nochmal ganz unauffällig nach, indem ihr genauestens erklärt, was „ich, äh, WIR uns mit dem Geschenk gedacht haben“. Aber das ist mehr als verständlich.

Und letzten Endes kommt es doch eh nur darauf an, dass man beisammen ist, oder?

Eure Jungs

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