In Alaska wurde der dickste Bär gekürt

Der Schönheitswettbewerb zeigt, dass der fetteste Bär nicht immer der dickste sein muss.
Von Magdalena Pulz

Screenshots: Facebook/Katmai National Park & Preserve Bearbeitung: jetzt

„Absolut umwerfend“, „so schön!“, „wirklich dick und prächtig“. So feiern Dutzende Menschen im Internet Holly: eine dicke, fette Bärin. Ein titanischer Fell-Blob. Holly ist so dick, dass sie dem Sternbild „Großer Bär“ alle Ehre macht. Ja, sie ist so dick, dass sie einen Preis dafür gewonnen hat: Sie ist der Champion der „Fat Bear Week 2019“, das wurde am Dienstag offiziell verkündet. Sie ist also der fetteste Braunbär von allen. Dazu gratulierte sogar das US-Innenministerium der Bärin in einem Tweet. 

Was nach fiesem Bear Shaming klingt, ist genial. Jährlich lässt der alaskische Katmai National Park auf Facebook darüber abstimmen, welcher Bär am dicksten ist. Die Aktion ist lustig, weil einem erst durch den Bildbeweis klar wird, dass ein Bär vor dem Winterschlaf wie ein wuscheliger Jabba the Hutt aussieht. Die Aktion ist aber auch relevant: Hier wird Body Positivity richtig gemacht. 

Das soll natürlich nicht heißen: Je adipöser, desto besser. Auch wenn man dem Bären-Lifestyle – den ganzen Sommer damit zu verbringen, sich richtig was auf die Rippen zu fressen – sicher etwas abgewinnen kann, ist das keine gesamtgesellschafts-taugliche Lösung. Aber das ist auch nicht der Punkt der „Fat Bear Week“. Würde man wirklich den dicksten Bären auszeichnen wollen, würden die Veranstalter einen Bärengewicht-Experten befragen. Aber nein, man lässt irgendwelche uninformierten Leute abstimmen. Und die machen es intuitiv richtig: Sie wählen den Bären, den sie am fettesten finden, am krassesten, am besten. Und das muss eben nicht immer der Dickste sein – sondern kann auch einer sein, der sich durch andere, mindestens genauso schöne Attribute auszeichnet. 

So war es auch bei Holly, der neuen Queen of the North: Sie hat eine unverwechselbare fast blonde Fellfarbe und, so ihre Bären-Bio des Nationalparks, große Ohren. 2014 wurde die Bärin aber wegen etwas anderem zu einer kleinen Berühmtheit: Sie adoptierte ein Bärenjunges einer anderen Bärin – ungewöhnlich für die Spezies, die eigentlich als sehr egoistisch beschrieben wird. Diese Geschichte berührte die Menschen und brachte wohl einige dazu, ihre Stimme für Holly abzugeben. Und so wurde Holly von über 18 000 Menschen zum Champion gewählt. Obwohl es faktisch gesehen unwahrscheinlich ist, dass sie tatsächlich der fetteste Bär im Katmai National Park ist. Weibliche Bären werden im Schnitt nur um die 270 Kilogramm schwer, männliche an die 400 Kilogramm.

Bärin Holly ist ein echtes „Roll“-Model

Und das ist, was Body Positivity bedeutet: Wir lieben die besonderen Merkmale, das, was jemanden abhebt. Die Lebensgeschichte, die großen Ohren, die Art, mit der sich das Fett an den Hüften ansetzt (oder nicht) und, ja cheesy, den Charakter. Es geht nicht darum, einen Schönheitsstandard durch einen anderen zu ersetzen, dünn durch dick, oder unsportlich durch trainiert oder kleine Hintern durch große. Sondern darum anzuerkennen, dass unser Konzept von Schönheit eh schon viel diffiziler und vielschichtiger ist, als wir das selbst zugeben. Wir müssen nicht alles schön finden, aber wir finden auch nicht nur eine Sache attraktiv. Dafür ist die Bärin Holly ein echtes „Roll“-Model. 

Die Macher der „Fat Bear Week“ haben das erkannt. Keiner erwartet, dass die Menschen wirklich für den voluminösesten Bären stimmen, bestätigt Mike Fitz, einer der Park Ranger, die 2014 die Idee hatten. Die Wahl sei etwas „total Subjektives“. Das heißt man kann seine Stimme abgeben, wie und warum immer man will. „Du kannst einbeziehen, wie sehr ein Bär innerhalb des Jahres gewachsen ist, etwa Bärenjunge oder Teenage-Bär. Vielleicht beziehst du andere Faktoren wie besondere Herausforderungen mit ein, etwa bei Mutterbärinnen, die ihre Jungen aufziehen müssen, oder ältere Bären, die es schwerer haben.“ Am Ende zählt nur die Liebe zum Bären.

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