Schreib mir bei Whatsapp, wenn du neben mir sitzt!

Foto: inkje / photocase.de

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Ich rate jedem, das mal auszuprobieren. Wenn du jemandem gegenübersitzt und derjenige irgendwas mit seinem Handy macht (und das passiert, wie wir alle wissen, ziemlich oft), dann nimm dein eigenes Handy und schreib ihm eine Nachricht. Irgendeine. Das Emoji, das auf dem Kopf steht, zum Beispiel, oder „HIER SPIELT DIE MUSIK“, egal. Der andere wird in jedem Fall reagieren, wenn die Nachricht bei ihm aufploppt. Und er wird mindestens grinsen, wenn nicht sogar lachen. Ich schwöre, das funktioniert immer!

Alle loben immer, wie toll es ist, dass wir mit unseren Smartphones kontinuierlich Kontakt halten können, auch, wenn wir weit voneinander entfernt sind. Weit verstreute Familien schicken sich Urlaubsgrüße, übers Land verteilte Freunde diskutieren Sorgen im Job und Fernbeziehungspaare simulieren einen gemeinsamen Alltag. Klar, ist auch toll. Aber niemand hat bisher gelobt, wie toll es ist, sich Nachrichten zu schreiben, wenn man sich im gleichen Raum oder nah beieinander aufhält.

„Bin da!“ zu schreiben, kurz bevor man die Wohnungstür aufschließt, ist natürlich absolut sinnlos. Ein Herzchen vom Wohnzimmer in die Küche zu schicken auch. Denn es ist sinnlos, sich zu schreiben, wenn man sich sowieso sieht, wenn man sich also wirklich so überhaupt gar nicht schreiben muss. Aber genau darum sollte man es unbedingt ab und zu machen. Genau darum ist es ganz besonders zauberhaft.

Die Nachricht aus der Nähe bietet ganz neue Möglichkeiten, einen Witz zu machen

Das Handy ist ein Kommunikationsmittel, das erfunden wurde, um große Distanzen zu überbrücken. Wenn man es benutzt, um eine winzige Distanz zu überbrücken, macht es noch viel deutlicher, wie nah man sich gerade ist. Und wie weit man voneinander entfernt sein könnte, wenn man nicht das Glück hätte, gerade jetzt hier zu sein. Es ist ein Spiel mit Nähe und Distanz. Und ein Spiel mit Kommunikation. Es fügt der mündlichen eine weitere hinzu, wenn die mündliche eigentlich ausreichen würde. Eine, die ein bisschen geheimer und verstohlener wirkt und fast auch ein bisschen bedeutender. Wie damals in der Schule, als man sich Nachrichten auf einen Block geschrieben und den hin- und hergeschoben hat, statt zu tuscheln. Oder wie wenn man einen netten Notizzettel auf den Küchentisch legt, obwohl man nur mal eben einkaufen ist.

Mit dem Block und dem Notizzettel hat das Nachrichten-aus-der-Nähe-Schreiben auch gemeinsam, dass die Nachricht bleibt. Zettel kann man aufheben, wenn man möchte. Die Nachricht hebt man automatisch auf. Sie ist ja im Handy und da wird sie auch noch sein, wenn man an einem Tag mit schlechter Laune und ohne Konzentration alte Nachrichtenverläufe liest. Und dann wird man sich beim Lesen der Nachricht nicht daran erinnern, wie man selbst im Büro und der andere bei der Familie im Schwarzwald war, sondern wie man zusammen in der Küche saß und lachen musste.

Apropos Lachen: Die Nachricht aus der Nähe bietet auch ganz neue Möglichkeiten, einen Witz zu machen. Zum Beispiel, wie am Anfang beschrieben, wenn man dem anderen in seine digitale Kommunikation fährt, indem man ganz analog dasitzt und trotzdem digital kommuniziert. Oder wenn man sich in der WG von einem Zimmer ins andere übertrieben leidend schreibt, wie arg der Kater ist, so sehr halt, dass man nicht aufstehen kann und es deswegen schreiben muss. Oder jemandem, der nebenan laut Musik hört, in Großbuchstaben den Refrain des Songs schickt, als würde man ihn aus vollem Hals mitsingen.

Aber das Beste an den Nachrichten aus der Nähe ist natürlich, dass man nicht auf sie angewiesen ist. Dass man sofort wieder damit aufhören kann. Weil der andere nur eine Tür oder eine Armlänge weit weg ist. Zum Glück.

Noch mehr Handykram? Aber gerne doch:

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