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Illustration: Federico Delfrati

Hipster wollen individuell sein und sich vom Geschmack der Massen abheben – und genau das führt dazu, dass sie sich alle sehr ähnlich sehen. Das hat der Forscher Jonathan Touboul von der Brandeis University in Massachusetts herausgefunden. Der Mathematiker beschäftigt sich vor allem damit, wie Informationsfluss das Verhalten der Menschen in einer Gesellschaft beeinflusst.

Touboul teilt die Menschen in zwei Gruppen ein. Da ist der Mainstream auf der einen Seite, und die Hipster auf der anderen. Die Mainstream-Menschen orientieren sich an der sogenannten „Mainstream-Mode“ und sind zufrieden damit, Teil einer Masse zu sein. Die Hipster dagegen wollen unbedingt möglichst individuell sein. Laut Touboul ändern sie ihren Kleidungsstil, sobald zu viele Menschen die gleichen Sachen tragen wie sie.

Doch: Egal ob bestimmte Kleidungsstücke, Frisuren oder Tattoos, niemand ist allein mit ihnen. Das Ganze hat sogar einen Namen: Der „Hipster-Effekt“ beschreibt das Phänomen, dass sich Menschen ganz besondere Mühe geben, individuell zu sein – und scheitern. Ihre Jeans haben den gleichen Schnitt, aus ihren Kopfhörer kommt die gleiche Musik, ihre Turnschuhe sind von den gleichen Marken.

Toubouls These: Dadurch, dass sich die Hipster so sehr von der Masse abgrenzen wollen, werden sie sich wieder sehr ähnlich. Der Hipster-Effekt ist das unvermeidliche Ergebnis des Verhaltens einer großen Anzahl von Menschen. Der Mathematiker untersucht mit Hilfe eines Computermodells, unter welchen Umständen Hipster ihr Aussehen synchronisieren und wie sich diese Anpassung verändert, wenn man die Laufzeit des Projekts und die Anzahl der Hipster verändert. Das Modell simuliert, wie die Menschen reagieren, wenn einige der Mehrheit folgen und der Rest sich ihr widersetzt. Das Ergebnis: Auch die Hipster synchronisieren sich irgendwann, verhalten sich ähnlich, kleiden sich ähnlich. „Zum Beispiel, wenn eine Mehrheit der Individuen ihren Bart rasiert, dann werden die meisten Hipster einen Bart wachsen lassen wollen. Und wenn sich dieser Trend auf eine Mehrheit der Bevölkerung ausbreitet, wird es zu einem neuen, synchronisierten Wechsel zum Rasieren kommen", sagt Touboul.

soas