Versace entschuldigt sich für T-Shirt, das Hongkong zum Staat erhebt

Zuvor gab es massive Kritik in chinesischen sozialen Netzwerken.

Die italienische Luxusmarke Versace hat in China Ärger wegen eines Shirts, das eine Reihe von Stadt-Land-Aufzählungen zeigt: „Mailand – Italien“, steht da zum Beispiel, „Berlin – Deutschland“, „Los Angeles – USA“, und dann: „Hong Kong – Hong Kong“ und „Macao – Macao“. Offenbar ein Affront für die Regierung in Peking. Denn Hongkong und Macao befinden sich auf chinesischem Staatsgebiet, es hätte also eigentlich „Hongkong – China“ und „Macao – China“ heißen müssen.

Hongkong und Macao sind souveräne Stadtstaaten. Die früheren europäischen Kolonien wurden Ende der 1990er Jahre an China zurückgegeben. Seitdem gelten sie als halbautonome Territorien, die nach Ansicht vieler eine eigene, von China unabhängige Identität haben. Für genau diese Identität kämpfen derzeit viele Menschen: In Hongkong gehen seit Monaten Hunderttausende Menschen auf die Straße und fordern mehr Demokratie. Ihnen geht es vor allem darum, sich vor zu viel Einmischung der Zentralregierung in Peking zu schützen.

China geht gegen diese Proteste entschieden vor. Und dürfte auch das T-Shirt von Versace alles andere als lustig finden. Denn die Zuordnungen suggerieren, dass Hongkong und Macao eigenständige Länder seien – immerhin stehen sie in einer Reihe mit Italien, Deutschland oder den USA. In den sozialen Medien gab es heftige Proteste, außerdem kündigte die chinesische Schauspielerin Yang Mi, ehemals Markenbotschafterin von Versace, ihren Vertrag mit dem Modehaus. Ihre Begründung: Die Kleidung könne Chinas Souveränität schaden. Das Studio, das Yang Mi vertritt, teilte auf der chinesischen Social-Media-Plattform „Weibo“ mit, es habe Versace kontaktiert, um die Verbindung zwischen der Schauspielerin und der Firma aufzulösen. „Die Souveränität und territoriale Integrität des Mutterlands sind heilig und unantastbar“, so das Studio.

Für Versace ist das Ganze ein Desaster. Chefdesignerin Donatella Versace hat sich persönlich auf Weibo und Instagram entschuldigt und betont, dass die T-Shirts nicht als politische Aussage gedacht waren. Sie habe Chinas nationaler Souveränität nicht zu nahe treten wollen, schrieb die 64-jährige Italienerin. „Es tut mir sehr leid, dass unserer Firma dieser unglückliche Fehler unterlaufen ist, der aktuell auf diversen Social-Media-Plattformen diskutiert wird. Es war nie meine Intention, die Souveränität Chinas anzuzweifeln. Deswegen möchte ich mich persönlich für unsere grobe Ungenauigkeit entschuldigen und für all den Ärger, den diese hervorgerufen hat.“

Versace teilte zudem mit, dass die T-Shirts bereits am 24. Juli aus dem Angebot genommen und zerstört worden seien. Recht viel anderes bleibt dem Unternehmen auch nicht übrig: China ist für die italienische Luxusmarke unverzichtbar. Erst im Januar sagte der Versace-Geschäftsführer Jonathan Akeroyd gegenüber der „Financial Times“, dass China einer der wichtigsten Märkte der Firma sei. Mit 46 Prozent stammt fast die Hälfte der Gesamteinnahmen von Versace vom asiatischen Markt.  

soas

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