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Wird aus dem Berliner Flughafen Tegel ein Clubgelände?

Die Stadt will das im Mai prüfen. Aber selbst die Clubszene ist bei dem Thema gespalten.
Sieht schon fast nach einem Rave aus. Aber in dieser Oktobernacht 2017 warteten nur Schaulustige auf die Landung der letzten Air-Berlin-Maschine.

Sieht schon fast nach einem Rave aus. Aber in dieser Oktobernacht 2017 warteten nur Schaulustige auf die Landung der letzten Air-Berlin-Maschine.

Foto: Soeren Stache / dpa

Geht es nach dem Berliner Senat, könnte es am Flughafen Tegel auch nach dessen möglicher Schließung laut bleiben: Gemeinsam mit der Berliner „Clubcomission“ und der „Tegel Projekt Gmbh“ will Kultursenator Klaus Lederer (Die Linke) noch im Mai prüfen, ob und welche Flächen des Flughafens für Techno-Festivals oder auch einen dauerhaften Clubbetrieb geeignet wären. 

Bereits im vergangenen August hatten Lederer und der Projekt-Tegel-Chef Philipp Bouteiller sich nach einem Treffen optimistisch zu einem Kulturbetrieb auf dem Gelände geäußert: „Für eine temporäre kulturelle Zwischennutzung in den Bestandsgebäuden und gegebenenfalls auch dauerhafte Einrichtungen für Atelierräume und Clubs bietet das Areal in Tegel beste Bedingungen“, hieß es damals in einem Statement.

Locationtechnisch hätte der Flughafen einiges zu bieten: Laut Tagesspiegel hält Clubcomission-Chef Lutz Leichsenring zum Beispiel den Tower für „optisch interessant“. Mit seinem Verein, einem Zusammenschluss von Club-, Party- und Kulturveranstaltern, sucht er schon länger nach neuen Räumen für die durch Gentrifizierung und lärmsensible Anwohner in Not geratene Clubkultur.

„Eine Art Club-Ghetto zu schaffen am Arsch der Welt, ist nicht mehr attraktiv“

Auch wenn die mögliche Umsetzung der Tegel-Club-Ideen noch in weiter Ferne liegt, steht in der Diskussion um das Berliner Clubsterben nun eine neue Lösung im Raum: Die Bündelung des Nachtlebens an einem Ort mit weitläufigen Flächen ohne direkte Nachbarn. Dadurch würden Clubs aber eben auch an den Rand gedrängt und zusammengepfercht. 

Einige Clubbetreiber äußerten sich im Gespräch mit dem rbb nicht unbedingt begeistert von den Vorschlägen. „Einerseits finde ich es gut, dass sich die Politik Gedanken macht, wie das Clubsterben kompensiert werden kann. Andererseits denke ich halt: Notlösung. Ich meine, so eine Art Club-Ghetto zu schaffen am Arsch der Welt, ist nicht mehr attraktiv für normale Konzertgänger“, sagt Norbert Jackschenties, Betreiber des Kreuzberger Privatclub. Er muss 2022 schließen, da sein Mietvertrag nicht verlängert wird. „Ich denke, dass viele schnell vergessen, dass so ein Club natürlich wachsen muss. So etwas künstlerisch, stadtplanerisch und strategisch am Reißbrett zu entwerfen – das ist ja eine Art Kultursozialismus – das geht doch nach hinten los“, sagt Don Rogall, Booker des bald Bassy, eine der letzten Live-Bühnen in Prenzlauer Berg, die ebenfalls bald schließen wird.

Tatsächlich muss sich die Stadt fragen, ob der auch nach außen beworbene Ruf als Partyhauptstadt sich über eine Verlagerung der Clubs in die Halbperipherie tatsächlich erhalten lässt. Und auch, ob die Zeit dafür überhaupt ausreicht: Frühestens nach der Eröffnung des BER könnten ernsthafte Schritte zur Umnutzung von Tegel gemacht werden. Das Clubsterben aber ist für dessen Betreiber keine Zukunftsmusik, sondern traurige Gegenwart.

qli

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