Das ist: Ali Milani, der gegen Boris Johnson antritt

Der 25-Jährige fordert den Premierminister in dessen Wahlkreis heraus. Und seine Chancen stehen nicht schlecht.
Von Markus Kollberg

Foto: Cathrin Kahlweit

Das ist …

… Ali Milani. Der 25-Jährige tritt im Dezember für die Labour-Partei bei der Wahl zum britischen Unterhaus an – und das ausgerechnet im Londoner Vorort Uxbridge and South Ruislip.  Sein Gegenkandidat ist demnach der aktuelle britische Premierminister Boris Johnson. Obwohl Ali in einer jüngst veröffentlichten Umfrage hinter Boris Johnson liegt, scheint ein Überraschungserfolg nicht unmöglich. Denn bei der vergangenen Wahl vor zwei Jahren hatte Johnson in seinem Wahlkreis mit nur etwa 5000 Stimmen Vorsprung gewonnen – kein besonders gutes Ergebnis für einen der prominentesten Politiker des Landes. Gelingt es Ali in den verbleibenden zwei Wochen bis zur Wahl ausreichend Wählerinnen und Wähler zu mobilisieren, würde Premierminister Johnson automatisch aus dem Parlament ausscheiden. Zwar könnte er theoretisch trotzdem noch zum Premierminister gewählt werden, doch seine Position wäre deutlich geschwächt.

 

Der kommt …

… von ganz unten. Geboren im iranischen Teheran, wuchs Ali Milani in einer Sozialwohnung im Londoner Stadtteil Wembley auf.  Dass seine Eltern arm waren, habe er allerdings nie bemerkt, sagt er heute in Interviews. Schließlich seien alle seine Freunde in einer ähnlichen Situation gewesen. Wirklich realisiert, was Armut bedeutet, habe er erst an der Universität. Dort habe es Kommilitonen gegeben, die ein Pferd oder ein Auto besaßen. An der Universität wurde Ali auch politisiert: Er trat der sozialdemokratischen Labour-Partei bei und begann sich in der „Momentum“-Bewegung von Labour-Parteichef Jeremy Corbyn zu engagieren, die Studiengebühren abschaffen, ehemals öffentliche Unternehmen wieder verstaatlichen, gegen den Klimawandel kämpfen und die Gesundheitsversorgung verbessern will.

Nur Google weiß …

…, dass sich Ali Milani in der Vergangenheit antisemitisch geäußert hat. Mehrfach veröffentlichte er in seiner Teenagerzeit antisemitische Sprüche und Kommentare auf Twitter. Ali schrieb unter anderem, dass der Staat Israel kein Existenzrecht besäße und auf „ethnischen Säuberungen und Kolonialismus“ aufgebaut sei. Außerdem gab er 2015 einem umstrittenen iranischen Nachrichtensender ein Interview, in dem er die anti-israelische Boykottbewegung „BDS“ verteidigte. Für die Tweets und Kommentare hat sich Ali mittlerweile entschuldigt und sie als „Jugendsünden“ erklärt. Dennoch werfen diese Vorfälle ein schlechtes Licht auf ihn. Insbesondere weil Alis Labour-Partei seit mehreren Monaten in eine ganze Reihe von Antisemitismus-Skandalen verwickelt ist.

Der geht …

… auf die Straße, zu seinen potenziellen Wählern. Ali ist täglich in seinem Wahlkreis unterwegs, um an Türen zu klopfen, Flugblätter zu verteilen und den Menschen zuzuhören. Dabei setzt er insbesondere auf die Unterstützung von zahlreichen jugendlichen Freiwilligen. Denn natürlich kann Ali mit dem Wahlkampfbudget seines prominenten Widersachers Boris Johnson nicht mithalten. Es bilden sich auch keine Menschentrauben und es gibt kein Blitzlichtgewitter, wenn er aus einem Auto aussteigt. Teure Werbematerialien, Social-Media-Werbung und ein professionelles Kampagnenteam kann er sich nicht leisten.

Der kann …

… dafür mit seiner Nahbarkeit punkten. Inzwischen spricht er auch auf öffentlichen Veranstaltungen. Seine Graswurzel-Kampagne kann dabei erste Erfolge verbuchen: Die Parteizentrale der britischen Konservativen hat jüngst entschieden, den Wahlkreis nicht mehr als einen „sicheren“ sondern als einen „umkämpften Sitz“ zu zählen. Kurzzeitig ging sogar das Gerücht um, Boris Johnson würde aufgrund von Alis Wahlkampfstrategie erwägen, in einem anderen Wahlkreis anzutreten. Mittlerweile ist aber bestätigt, dass er in Uxbridge antreten wird.

Daraus lernen wir ...

..., dass man nur einen guten Plan braucht, und Alis Plan ist folgender: Er will diejenigen begeistern, die Boris Johnson mit seinen teils fremdenfeindlichen und EU-kritischen Aussagen verschreckt hat. Dabei kommt ihm zu Gute, dass jeder dritte Wähler in seinem Wahlkreis einer ethnischen Minderheit angehört und mehrere Tausend Studierende auf dem Campus der örtlichen Universität leben. Gelingt es Ali, diese zwei Wählergruppen für sich zu begeistern, könnte das für die benötigte Mehrheit ausreichen.

  • teilen
  • schließen