Boris Johnson kopiert „Love Actually“ als Wahlwerbung

Und vergisst dabei die goldene Regel des Internets.

Am Donnerstag wählt Großbritannien ein neues Parlament. Die Themen, über die dabei entschieden wird, sind besonders brisant. Es geht um Fortführung oder den Ausstieg aus dem Brexit, die Zukunft des Krankenkassensystems NHS, die grundsätzliche zukünftige Ausrichtung des Landes. Und natürlich über die Frage, ob Boris Johnson weitermachen wird wie bisher (wonach es laut Umfragen momentan aussieht) oder die Labour-Partei unter ihrem Chef Jeremy Corbyn die Mehrheit bekommt.

Weil so viel auf dem Spiel steht, ist die letzte, heiße Phase des Wahlkampfes auch besonders hart. Jede Partei versucht, auf allen Kanälen noch unentschiedene Wähler zu erreichen und für sich zu gewinnen. Gestern hat Boris Johnson ein vorerst letztes Wahlwerbe-Video veröffentlicht, in dem er eine sehr berühmte Szene aus dem Herzschmerz-Weihnachtsfilm „Love Actually“ kopiert. Im Original sieht die Szene mit Keira Knightley und Andrew Lincoln so aus:

Love Actually (6/10) Movie CLIP - Christmas Cards for Juliet (2003) HD

Bei Boris Johnson wird aus der Liebeserklärung eine dringende Bitte, seine Partei zu wählen. Denn sonst droht offenbar Unaussprechliches.

Viele Menschen teilten das Video, weil es ihnen gut gefiel. Ganz abgesehen von der Botschaft, fanden es viele offenbar erfrischend, einen Politiker zu sehen, der tatsächlich zu so etwas Ähnlichem wie Selbstironie fähig ist.

Doch Johnsons Gegner*innen (und von denen gibt es in Großbritannien viele), nutzten diesen viralen Werbespot zu ihren eigenen Zwecken. Denn Boris Johnson hatte in dem Video eine ganz wichtige, vielleicht die wichtigste Regel des Internets vergessen: Halte niemals ein Stück Papier in eine Kamera! Denn wie jeder weiß, führt so ein Stück Papier dazu, dass es den Menschen in den Fingern juckt.

Echten „Love Actually“-Fans fiel natürlich sofort auf, dass Johnson ein ganz wichtiges Zitat aus dem Film vergessen hatte.

Ein anderer User fand die Wahl der Filmszene angesichts von Johnsons privaten Turbulenzen geradezu pikant:

Hugh Grant, der in „Love Actually“ das gleiche Amt wie Boris Johnson innehat und im Verlauf des Films eine etwas komplizierte Liebesgeschichte mit seiner Assistentin erlebt, gehört zu den größten Kritikern der Tories. Und hatte auch etwas zu diesem Video zu sagen:

Statt des Original-Videos von Johnson teilte er eine Version von „Politics_Joe“, die schon 2017 mit einem Video von Jeremy Corbyn einen viralen Hit gelandet hatten. In dieser Version ist auf Johnsons Karten eine wenig schmeichelhafte Bilanz seiner Amtszeit zu lesen.

In einer anderen, ziemlich lustigen Version klingelt Donald Trump an Boris Johnsons Tür und erklärt ihm mithilfe der Karten ziemlich genau, wie es in der näheren Zukunft weitergehen soll mit der amerikanisch-britischen Freundschaft.

Als dann auch noch herauskam, dass Johnsons Kampagne die Idee, diese Szene für ein Wahlkampfvideo zu verwenden, einer Labour-Abgeordneten einfach mal ganz frech geklaut hatte, bekam das Johnson-Video doch einen ziemlich unguten Nachgeschmack.

Ob das virale Video den Tories helfen oder eher schaden wird, wird sich schon in wenigen Tagen zeigen, wenn die Stimmen ausgezählt sind und das amtliche Wahlergebnis feststeht.

chwae

  • teilen
  • schließen