So reagieren Europäer*innen auf den Brexit

Wie bei jeder Trennung gibt es Wut, Schadenfreude – und jede Menge Herzschmerz.
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Foto: Yves Herman / dpa; Screenshot: Twitter @dieGamon; Bearbeitung: jetzt

Da hilft jetzt nichts mehr. Keine Paartherapie, kein gemeinsames Besäufnis und kein Rosenkrieg: Großbritannien wird zum 1. Februar nach fast 50 gemeinsamen Jahren die EU verlassen. Am Mittwochabend hat das EU-Parlament dem Austrittsabkommen mit großer Mehrheit zugestimmt.

Und obwohl der Brexit nach fast vier Jahren Austrittsverhandlungen alles andere als überraschend kommt, kochen jetzt die Emotionen noch einmal hoch. Das hat man das erste Mal direkt gestern nach der Abstimmung sehen können. Dort kam es zu einem rührenden Moment, als die meisten EU-Abgeordneten aufstanden und begannen, das alte englische Volkslied „Auld Lang Syne“ – zu Deutsch: „Nehmt Abschied, Brüder“ – zu singen. Man hielt sich an den Händen, schunkelte, hatte Tränen in den Augen.

MEPs sing Auld Lang Syne after approving Brexit deal

Augenwischen, Rotz hochziehen. Nigel Farage und seine Bagage, die Kolleg*innen aus der Brexit Party, dankten für die Aktion übrigens, indem sie kleine Union Jack-Fähnchen herauszogen und damit wedelten. Ein letzter Akt der Rebellion, der Hausordnung zufolge ist das nämlich verboten. Farage wird daraufhin bei seiner letzten Rede im EU-Parlament prompt das Mikro abgedreht, wütend verlässt die Fraktion den Plenar-Saal.

Auch auf Twitter wurde es emotional. Ganz vorne mit dabei sind etwa die Twitter-User*innen, die „endlich Brexit“-Tweets in verschiedenen Formen und Aggressionsstufen absetzten oder darüber nachdachten, dass so ein EU-Austritt auch für das eigene Land eine gute Idee sein könnte. 

Dabei wundert es nicht, dass sich die Pro-Brexiteers nach jahrelangen Diskussionen über den finalen Schritt freuen. Auf der anderen Seite gab es auf Twitter trotz der hitzigen Diskussionen und verhärteten Fronten auch traurige Stimmen zum EU-Austritt Großbritanniens. Sogar die Betreiber*innen des Social-Media-Kanals des Auswärtigen Amtes zeigten sich bewegt:

Auch andere Menschen sind wohl betrübt über den Abgang. Schließlich wünscht man den Brit*innen nicht aus Prinzip Schlechtes.

Natürlich ist das Thema noch nicht durch – eigentlich geht es jetzt erst richtig los. Welche Ängste und Hoffnungen werden sich bewahrheiten? Wie geht es für die Schott*innen weiter? Was bedeutet der Schritt Großbritanniens für den Rest der EU-Länder? Es gibt noch viele Fragzeichen. Sicher ist nur, dass die EU-Bürger*innen wenigstens nicht alleine durch die kommenden Jahre der Unsicherheit müssen. Ganz im Gegensatz zu den Menschen in Großbritannien. Die haben jetzt nur noch sich selbst.

mpu

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