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Wird Containern in Deutschland legal?

Einfach zugreifen: Stehlen für eine gute Sache.
Foto: Alessandra Schellnegger

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Bananen, Äpfel, Gurken, Joghurt, Brot – in Supermärkten liegt bergeweise Essen herum. So viel, dass man vieles davon am Ende des Tages wegwerfen muss – wegen der Mindesthaltbarkeitsdauer oder Druckstellen. Pro Jahr werden elf Millionen Tonnen Lebensmittel in Deutschland weggeworfen. Und so sammeln sich in den Mülltonnen hinter deutschen Supermärkten Lebensmittel, die man eigentlich noch essen könnte. Eine Metapher für unsere Wegwerfgesellschaft, den Überfluss, in dem wir leben – und schlicht eine krasse Lebensmittelverschwendung.

Vielleicht wird sich daran nächste Woche etwas ändern. Für das Treffen der Landesjustizminister am 5. und 6. Juni hat der Hamburger Justizsenator Till Steffen (Grüne) einen Antrag vorbereitet: In Zukunft soll Containern in Deutschland erlaubt sein, findet er.

Steffens hat noch einen Vorschlag, wie man gegen die Lebensmittelverschwendung vorgehen könnte

Containern bedeutet, seine Lebensmittel nicht normal im Supermarkt zu kaufen, sondern sich einfach an den Mülleimern dahinter zu bedienen – bevor die Lebensmittel darin auf der Müllhalde landen. Bisher gilt das jedoch als Diebstahl. Einige junge Menschen, Aktivisten und Obdachlose schleichen sich aber trotzdem nachts auf die Supermarktgrundstücke. Für sie ist es eine Win-Win-Situation: Geld sparen und Lebensmittel retten. Dabei drückten Ladenbesitzer und auch die Polizei schon mal ein Auge zu – aber eben nicht immer. In München wurden deshalb erst im Januar zwei Studentinnen wegen Diebstahls verurteilt.

Deshalb ist der Vorstoß der Hamburger Grünen wichtig: Gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung heißt es aus der Behörde, es könne nicht sein, dass hierzulande tonnenweise noch genießbare Lebensmittel weggeworfen werden, andererseits aber diejenigen bestraft würden, die gegen Lebensmittelverschwendung aktiv sind. Auch die Linken hatten schon gefordert, das Containern straffrei zu machen. Nach dem Antrag von Till Steffen muss sich nun die Bundesregierung mit dem Thema befassen.

Allerdings geht es nicht nur ums Containern. Steffens hat noch einen zweiten Vorschlag, wie man gegen die Lebensmittelverschwendung vorgehen könnte: ein Wegwerfverbot für Supermärkte. Reste müssten dann etwa an gemeinnützige Organisationen abgegeben werden – wie das etwa in Frankreich seit 2016 praktiziert wird.

mpu

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