Der Hashtag #WirhabenPlatz spaltet das Netz

Eigentlich steht er für Solidarität mit den Geflüchteten an der griechischen Grenze, doch auch Flüchtlingsgegner*innen nutzen den Hashtag für ihre Kritik.

Screenshot: Twitter @SeebrueckeMuc

Am Freitag hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan angekündigt, Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa nicht mehr aufzuhalten. Damit bricht er den „Flüchtlingspakt“ von 2016. Er begründet dies mit fehlender Unterstützung durch Europa bei der Versorgung der Flüchtlinge und dem Kampf in Syrien. In der Türkei halten sich laut UN-Flüchtlingswerk 3,6 Millionen Geflüchtete aus Syrien auf. Seit dem Wochenende versuchten Tausende Menschen, die Grenze zu Griechenland zu überqueren. Die Lage eskalierte: Die Grenzpolizei setzte Tränengas ein, auf Lesbos kam es zu Übergriffen auf Geflüchtete und ein Erstaufnahmelager brannte. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen reiste am heutligen Dienstag nach Griechenland, um sich mit dem griechischen Ministerpräsidenten Kyriakos Mitsotakis vor Ort zu besprechen.

Auf Twitter diskutieren nun viele Nutzer*innen das mögliche weitere Vorgehen von Deutschland und der EU. Unter dem Hashtag #WirhabenPlatz solidarisieren sich viele Menschen und Organisationen mit den Geflüchteten und sprechen sich für eine Aufnahme von Flüchtlingen aus.

Die Gewalt gegen Geflüchtete an der Grenze wird verurteilt, vor allem weil unter ihnen auch Kinder sind. Die Nutzer*innen bekunden ihre Solidarität und fordern die Achtung der Menschenrechte. Und der Protest endet nicht im Netz: Unter dem Leitsatz „Grenze auf, Leben retten“ finden heute Demonstrationen und Kundgebungen in mehreren deutschen Städten statt.

Unter dem Hashtag #WirhabenPlatz finden sich aber nicht nur Solidaritätsbekundungen. Auch Flüchtlingsgegner*innen nutzen ihn, um ihre Meinung zu verbreiten. Diese lautet: Deutschland soll keine Flüchtlinge aufnehmen, denn man habe genug eigene Probleme.

Schaut man sich auf Twitter eine Weile um, kann der Eindruck entstehen, die Hälfte der Nutzer*innen teile diese Meinung. Dabei sollte man sich jedoch bewusst machen, wie leicht sich dieses Bild beeinflussen lässt. Die Studie „Hass auf Knopfdruck“ zeigt, wie rechte Trolle durch verschiedenen Identitäten und erhöhtes Liken und Kommentieren ihre Hetze verbreiten. Eine kleine Gruppe kann bereits große Macht ausüben und eine Mehrheitsmeinung suggerieren, die nicht der Realität entspricht.

Bisher haben sich über 150 deutsche Kommunen bereiterklärt, Geflüchtete aufzunehmen. Während auch die SPD sich dafür ausgesprochen hat, droht die Spitze der Unionsfraktion im Bundestag dagegen mit einer Schließung der deutschen Grenzen.

kste

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