Donald Trump schreibt sich „große und unübertroffene Weisheit“ zu

Seither überschlagen sich die Reaktionen im Netz.

Dem privaten Twitter-Account von Donald Trump folgen über 65 Millionen Menschen.

Foto: Reuters

US-Präsident Donald Trump werden viele Eigenschaften zugeschrieben, doch Demut und Bescheidenheit sind keine davon. Insofern ist seine neueste Selbsteinschätzung theoretisch zumindest nicht untypisch für ihn. Und doch: Dieses Mal hat Trump sich selbst getoppt. Am Montag reagierte er nämlich auf parteiübergreifende Kritik an seinen politischen Entscheidungen – mit einem Tweet, in dem er behauptete, „große und unübertroffene Weisheit“ zu besitzen.

Diese Aussage hat in ihrer Extreme dann doch noch Tausende Twitter-Nutzer*innen überrascht. Viele dachten zu Beginn, es handele sich hier vielleicht um einen Scherz eines Fake-Accounts.

Schnell wurde vielen aber klar, dass dem nicht so ist. Schon am Dienstagvormittag trendete daher in Deutschland das Wort „Weisheit“. Weltweit verbreitet sich der Hashtag #GreatUnmatchedWisdom. Darunter spekulieren viele Menschen unter anderem darüber, was Donald Trump wohl unter Weisheit versteht: Wie man richtig aus einer Flasche trinkt zum Beispiel.

Trumps Wisdom-Tweet hat bei all den Scherzen aber einen durchaus ernsten Hintergrund: Nach einem Telefonat mit dem türkischen Präsidenten Recep Erdoğan hatte Trump bekanntgegeben, die militärische Unterstützung für die Kurden zurückzuziehen. Der politische Kontext ist hier, dass die Türkei die syrische Kurdenmiliz als Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und damit als Terrororganisation betrachtet. Die Kurden haben bislang jedoch als wichtige Verbündete der USA den IS bekämpft. Die Entscheidung, den Kurden die Unterstützung zu entziehen, wird daher in den USA parteiübergreifend heftig kritisiert und von vielen als Verrat empfunden.

Der US-Präsident habe sich „immerhin das Schlimmste für zuletzt aufgehoben“

Auch die US-Late-Night-Show-Moderatoren waren baff von Trumps unverhohlener Selbstbeweihräucherung und griffen den Wisdom-Tweet in ihren Shows auf. In der „The Late Show with Steven Colbert“ schlägt der 55-jährige Comedian Steven Colbert direkt vor, Trump einfach sein Telefon wegzunehmen – da er damit eh nur Schlimmes anrichte. Stattdessen könnte er doch ein Kinderspielzeug-Telefon bekommen. Eines müsse man Trump aber lassen: Der US-Präsident habe sich „immerhin das Schlimmste für zuletzt aufgehoben“. „Trump macht einen auf allmächtigen Gott. ‚Ich bin es, Donald der Große, von unvergleichlicher Weisheit und unendlichen Ehefrauen, Zerstörer von Casinos.‘“  

Trevor Noah fragte dagegen in seiner Daily Show: „Wenn du die größte Krise deiner Präsidentschaft gegenüber stündest – wie würdest du damit umgehen?“ Daraufhin vermutete er, das man sich wohl bedeckt halten und versuchen würden, die Situation wieder unter Kontrolle zu bekommen. „Aber du bist eben nicht Donald Trump. Wenn du Donald Trump wärst, würdest du einfach losziehen und ein neues Feuer legen.“

Bevor man sich jetzt über den Tweet lustig mache, meint Noah, müsse man Trump aber zugestehen, dass er „technisch gesehen im Recht ist“: „Es gibt niemanden, der mit Trumps Weisheit mithalten kann. Niemand sonst hat die Weisheit, direkt in eine Sonnenfinsternis zu starren“.

Vielleicht war der Wisdom-Tweet ein Ablenkungsmanöver, vielleicht war es aber auch nur schlechtes Timing. Auf jeden Fall hat sich Trump gerade noch ein weiteres Problem geschaffen. Der US-Präsident hat dabei sicherlich schon entspanntere Zeiten in seiner Präsidentschaft erlebt als die jetzigen: Neben dem anlaufenden Wahlkampf und etwaigen innen- und außenpolitischen Brandherden – man denke nur an den Irankonflikt oder die vorerst gescheiterten Atomgespräche mit Nordkorea – muss er sich noch gegen das Impeachment-Verfahren wehren, Whistleblower inklusive. 

mpu

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