Hongkonger Protest-Kuchen wurde von Wettbewerb ausgeschlossen

Ein Fall von Dessert-Zensur?

Proteste profitieren oft davon, wenn sie besonders kreativ sind: Ob sie sich in lustigen Pappschildern oder wilden Aktionen ausdrücken, ist egal. Diese Mal dreht sich alles um einen Kuchen – genauer gesagt um das Design eines Kuchens, das auf einem internationalen Kuchendekorations-Wettbewerb im englischen Birmingham ausgestellt wurde.

Eine große Guy-Fawkes-Maske, bunte Regenschirme und sogar Tränengas waren darauf abgebildet – kurz: die Hongkonger Proteste in Kuchenform. Das Werk wurde von einer Hongkonger Bäckerei eingereicht, dem „3rd Space cafe“, einem hippen Laden, dessen Menü auf einer „postkolonialen soziolinguistischen Theorie“ beruht. Weit kamen sie mit ihrem Kuchen-Design auf dem Wettbewerb aber nicht, der Kuchen wurde disqualifiziert. Einer Email zufolge, die die Café-Betreiber von den Veranstaltern als Begründung bekommen haben sollen und die sie auf Twitter veröffentlichten, war der Grund „die dahinterstehende Botschaft“, die  als „beleidigend angesehen“ wurde und dazu geführt habe, dass sich „Teilnehmer*innen beschwert“ hätten. In den Kommentarspalten der sozialen Medien wurde das wiederholt als „politische Zensur“ bezeichnet.

Allerdings hatten sich die Wettbewerbsausrichter „Cake International“ auf Facebook mit einer anderen Begründung zur Wort gemeldet. Ja, es habe Beschwerden über den Kuchen gegeben, sogar Drohungen, dass der Kuchen kaputt gemacht werde. Das sei aber nicht der Grund gewesen, dass das Werk am Ende disqualifiziert worden sei: Stattdessen habe ein Regelverstoß vorgelegen. Eine kleine Ecke eines Schirms habe zu weit herausgestanden, das Design sei daher zu groß gewesen. Und: „Cake International ist eine inklusive Gemeinschaft (...). Der Wettbewerbsteilnehmer wurde nicht aus politischen Gründen entfernt.“

Dabei heißt es inzwischen sogar, dass das nicht der einzige Kuchen gewesen sei, der sich mit den Hongkonger Protesten befasst hat und ausgeschlossen worden ist. Ein Werk, auf dem eine Protestierende mit einem abgedeckten Auge zu sehen ist – ein weiteres Symbol für die Pro-Demokratie-Bewegung in Hongkong –, soll ebenfalls disqualifiziert worden sein. Offiziell bestätigt wurde das bisher noch nicht. Eine weitere politische Dekoration, die den US-Präsidenten Donald Trump und den nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un als Babys darstellt, wurde dagegen wohl nicht belangt.

Ob sich dahinter tatsächlich eine zielgerichtete politische Zensur steckt – man weiß es nicht. Klar ist jedoch, dass das Kuchendesign – und somit auch die Pro-Demokratie-Botschaft des Desserts – durch seine Disqualifizierung inzwischen mehr Öffentlichkeit bekommen hat, als das ohne je der Fall gewesen wäre. Wie sagt man so schön: Rache ist süß.

mpu

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