Lukas Eitel (l.) und Lukas Ott wollen nicht aufs Podium.

Lukas Eitel (l.) und Lukas Ott wollen nicht aufs Podium.

Fotos: privat

Es ist Wahlkampf in Bayern. Am 14. Oktober wird gewählt und normalerweise wollen Politiker jetzt jeden Termin wahrnehmen, den sie kriegen können. Präsenz zeigen, Wähler umgarnen, Reden halten – da klingt es ungewöhnlich, wenn zwei junge Landtagskandidaten freiwillig auf einen publikumswirksamen Auftritt verzichten.

Die Nürnberger Nachrichten wollten am Donnerstag, 27.09., in Erlangen ein Jungwählerforum unter dem Titel „Politikverdrossenheit – von wegen!“ veranstalten. Eingeladen wurden die jüngsten Kandidaten der sieben Parteien, die laut Umfragen die größten Chancen haben, in den Landtag einzuzeihen. Zudem sollte auch Ministerpräsident Söder kommen. Doch Lukas Eitel, 20, Landtagskandidat der Linken, und Lukas Ott, 18, SPD-Landtagskandidat, haben ihre Teilnahme an dieser Veranstaltung abgesagt. Der Grund: Auf dem Podium hätten nur Männer gesessen, Frauen standen nicht auf der Teilnehmerliste.

„Als wir erfahren haben, dass unsere Mitstreiter auf der Veranstaltung ebenfalls alle Männer sind, mussten wir erstmal schlucken“, erklären Eitel und Ott in einer gemeinsamen Pressemitteilung. „Wir wundern uns ehrlicherweise wenig über die Politikverdrossenheit junger Menschen, wenn wir in einer fortschrittlichen Gesellschaft immer noch zulassen, dass eine reine Männerrunde über Politik spricht“, heißt es weiter. Dass das Podium in der Geschlechterfrage nicht ausgeglichen ist, sei „rückschrittlich“.

Im Gespräch mit jetzt präzisierte Lukas Eitel von der Linkspartei, die Nürnberger Nachrichten als Veranstalter hätten „bemerken müssen, dass nur Männer eingeladen sind und daraufhin die Kriterien ändern müssen.“ So aber sei die Zusammensetzung „inakzeptabel“.

Die Nürnberger Nachrichten haben die Veranstaltung inzwischen endgültig gecancelt. „Wir wollten allen sieben Parteien eine Plattform bieten. Jetzt haben zwei Tage vorher zwei Parteien abgesagt – also geht das Forum in der Form, wie wir uns das vorgestellt haben, nicht mehr auf“, erklärte Annika Peißker von den Nürnberger Nachrichten. Sie kann den Grund für die Absage der beiden jungen Kadidaten von SPD und Linkspartei nicht nachvollziehen.

„Wir haben um die jüngsten Kandidaten gebeten, aber wir haben den Parteien nicht vorgeschrieben, wen sie schicken sollen. Dass die Zusammensetzung der Runde für die beiden ein Grund zur Absage sein könnte, haben sie uns nicht gesagt,“ so Peißker.

Für Lukas Ott war das aber der „einzig logische Schritt“. Wenn Frauen die Hälfte der Bevölkerung darstellen, warum sollten sie dann nicht paritätisch an Diskussionsrunden teilnehmen? Er bedauert, dass die Entscheidung zur Absage erst so spät getroffen wurde, aber es sei die einzige Möglichkeit, in dieser Frage Haltung zu zeigen.

csö

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