Brett Kavanaugh wurde am Samstag im Beisein seiner Frau und seiner beiden Töchter vom ehemaligen Obersten Richter Anthony M. Kennedy vereidigt.

Brett Kavanaugh wurde am Samstag im Beisein seiner Frau und seiner beiden Töchter vom ehemaligen Obersten Richter Anthony M. Kennedy vereidigt.

Foto: Fred Schilling / US Supreme Court / Reuters

50 zu 48 Stimmen: Mit dieser knappen Mehrheit wurde am gestrigen Samstag Brett Kavanaugh, der umstrittene Richter-Kandidat für den Supreme Court der USA, vom Senat bestätigt (ein ausführlicher Bericht dazu auf sz.de). Vor dem Kapitol und dem Obersten Gerichtshof wurde gegen die Entscheidung demonstriert. Der 53-Jährige, der nun auf Lebenszeit ernannt wurde, gilt als extrem konservativ. Vor allem bei Themen wie etwa Schwangerschaftsabbruch oder der gleichgeschlechtlichen Ehe könnte er den Kurs der USA nun auf Jahre in eine konservative Richtung bestimmen.

Beinahe wäre seine Kandidatur gescheitert, da ihm mehrere Frauen sexuelle Belästigung bis hin zur versuchten Vergewaltigung vorgeworfen hatten. Die Professorin Christine Blasey Ford hatte vor dem Justizausschuss des Senats gegen Kavanaugh ausgesagt, er stritt die Vorwürfe ab. Das Hearing wurde viel diskutiert, unter anderem wegen Kavanaughs emotionalem Verhalten während seiner Befragung, durch das ihn Kritiker als für das Richteramt ungeeignet bewerteten, und seiner Behauptung, die Demokraten planten einen Komplott gegen ihn. Gleichzeitig kam es immer wieder zu Protesten für Frauenrechte und dafür, Frauen, die aussagen, Opfer geworden zu sein, Glauben zu schenken. US-Präsident Donald Trump stand die ganze Zeit über zu seinem Wunsch-Kandidaten.

Die Bestätigung Kavanaughs hat wieder einmal deutlich gemacht, wie tief gespalten die USA sind. Das zeigte sich auch auf Twitter, wo kurz nach der Bestätigung der Hashtag #KavanaughConfirmation aufkam, unter dem die einen ihre große Freude und die anderen ihren tiefen Frust äußerten:

Das Bild von Kavanaughs Vereidigung sorgte bei manchen für düstere Assoziationen. Ein User etwa musste an „Gilead“ denken, den frauenfeindlichen Staat, zu dem die USA in Margaret Atwoods dystopischem Roman „Der Report der Magd“ geworden sind:

Andere dachten an Christine Blasey Fords Aussage:

Ein User spielte auf das Hearing an, in dem Ford ausgesagt hatte, Kavanaugh sei bei seinem Übergriff betrunken gewesen. Als es bei seiner Befragung um seinen Alkoholkonsum ging, sagte er wörtlich: „I still like beer“.

Mache äußerten auch ihre Wut auf die republikanische Senatorin Susan Collins aus Maine, die (wie zwei weitere Senatoren) lange unentschieden gewesen war, ob sie für oder gegen Kavanaugh stimmen würde. Am Freitag hatte sie sich schließlich für ihn ausgesprochen und hielt eine Rede, in der sie ihre Unterstützung für ihn erklärte.

Immerhin konnte diese Userin ihre Wut auch mit Humor verbinden:

Und „Saturday Night Live“ kann das eh immer – da hatte Susan Collins natürlich auch direkt einen Auftritt:

Eine Crowdfunding-Kampagne bekam während Collins’ Rede auf einmal sehr regen Zuspruch. Sie sammelt schon seit August Geld für Collins' demokratischen Gegner im Wahlkampf 2020, sollte die Senatorin für Kavanaugh stimmen. Als sie das nun tat, schossen die Spenden in die Höhe. Mittlerweile sind mehr als drei Millionen US-Dollar für zusammengekommen – dabei gibt es noch gar keinen Kandidaten.

Nicht nur die US-Gesellschaft ist gespalten, sondern auch die deutsche. Das konnte man ebenfalls an den Reaktionen auf Kavanaughs Berufung ablesen:

Viele sehen in der Bestätigung des neuen Richters vor allem einen Rückschlag für Frauenrechte sowie die Unterstützung von Opfern sexueller Gewalt:

Aber ein Thread zeigt, dass man den Blick nun auch wieder weiten sollte. Auf den Rest der Welt schauen sollte. Denn da gibt es ja mancherorts auch Hoffnung, weil Kämpfe für Frauenrechte gewonnen werden und es Menschen gibt, die nicht aufgeben:

Naja, und dann war da noch der Mensch, der gerade ganz andere Sorgen hat (und unter dessen Tweet sich auch ein lesenwerter Thread erstreckt):

nasch

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