AKK macht sich über intergeschlechtliche Menschen lustig

Für ihren Karnevals-Gag bekommt die CDU-Chefin viel Kritik.

Kramp-Karrenbauer bei ihrem Auftritt beim „Stockacher Narrengericht“.

Foto: Kai Pfaffenbach / Reuters

Am Donnerstag stand Annegret Kramp-Karrenbauer vor Gericht. Das Urteil hatte keine weiteren Konsequenzen, denn es war ein Spaßurteil eines Fastnachts-Gerichts. Richtig Ärger hat die CDU-Vorsitzende jetzt trotzdem. Man wirft ihr vor allem in den sozialen Medien vor, sich über intergeschlechtliche Menschen lustig zu machen und diese damit zu diskriminieren.

Doch von vorn: AKK musste sich vor dem „Stockacher Narrengericht“ verantworten. Das ist eine dieser Karnevalsveranstaltungen, die in einem Dritten Programm übertragen werden, um ein Publikum jenseits der 70 zu unterhalten und alle anderen in den Schlaf zu wiegen. Dort wird jedes Jahr eine Politikerin oder ein Politiker „angeklagt“ und muss sich dann „verteidigen“. AKK musste sich von ihren Narren-Anklägern vorwerfen lassen, eine saarländische Invasion der Bundesrepublik vorzubereiten. Und natürlich wurde auch viel darüber herrengewitzelt, dass schon wieder eine Frau CDU-Vorsitzende ist und jetzt wohl die Männer unterdrückt werden sollen. 

AKK konterte dann mit einigen nicht weiter erwähnenswertem Männer-Frauen-Klischeewitzen. Aufregung gibt es jetzt aber über eine Passage, die bald aus dem stundenlangen Gesamtvideo herausgeschnitten und – meist mit Kritik versehen – weitergetwittert wurde. 

Den Witz über vermeintlich verweichlichte Männer verstehen viele auch als diskriminierend gegenüber Intersexuellen. AKK bekommt allerlei Gegenwind von Privatpersonen oder mehr oder weniger bekannten Köpfen aus Kultur und Gesellschaft, aber auch aus der Politik: unter anderem von den Bundestagsabgeordneten Jens Brandenburg (FDP) und Sven Lehmann (Grüne), der später noch einen offen Brief an sie schreibt, sowie von Klaus Lederer, Bürgermeister und Kultur- und Europasenator von Berlin (Linke). 

Annegret Kramp-Karrenbauer gilt in Gender- und Gleichstellungsfrage als konservativer als zum Beispiel ihre Vorgängerin im Parteivorsitz, Angela Merkel. Als sie noch Ministerpräsidentin im Saarland war, kritisierte sie die Ehe für alle mit dem Argument, dass könnte dann auch dazu führen, dass das Konzept der Ehe weiter geöffnet werde und irgendwann „eine Heirat unter engen Verwandten oder von mehr als zwei Menschen“ möglich sein könnte. Kritiker warfen ihr damals vor, gleichgeschlechtliche Partnerschaften mit Inzucht und Polygamie gleichzusetzen.

Auch im Vorfeld ihrer Wahl zur CDU-Chefin betonte sie weiterhin, dass sie die Ehe für alle ablehnt. In einer Wahl des Aktionsnetzwerks „Enough is Enough“, das sich für die Rechte sexueller Minderheiten einsetzt, bekam Kramp-Karrenbauer 2018 den Titel der „Miss Homophobia“.

che

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