So haben junge Menschen in Sachsen-Anhalt gewählt

Der 67-jährige CDU-Politiker Reiner Haseloff wird Sachsen-Anhalt weiterhin regieren. Bei jungen Wähler*innen schnitt seine Partei aber deutlich schlechter ab als insgesamt.
Foto: Jens Schlueter / Getty Images

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Die AfD war zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am Sonntag mit dem Ziel angetreten, zum ersten Mal in einem Bundesland die meisten Stimmen zu bekommen. Einige Umfragen hatten im Vorfeld der Wahl ein solches Szenario plausibel erscheinen lassen. An diesem Vorhaben scheiterte die rechte Partei deutlich – die CDU holte mit dem amtierenden Ministerpräsidenten Reiner Haseloff 37,1 Prozent, die AfD verlor im Vergleich zur vergangenen Landtagswahl sogar 3,5 Prozentpunkte und wurde von 20,8 Prozent der Wahlberechtigten gewählt. Hätten nur Menschen unter 30 Jahren gewählt, wäre die Partei allerdings die stärkste Kraft im Landtag geworden. Und das, obwohl Anfang des Jahres bekannt geworden war, dass der AfD-Landesverband in Sachsen-Anhalt aufgrund rechtsextremer Tendenzen seit längerem vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Wir haben uns angeschaut, wie die jungen Menschen in Sachsen-Anhalt insgesamt abgestimmt haben.

  • Den größten Unterschied zum Gesamtergebnis gibt es bei der CDU. Die Partei des amtierenden Ministerpräsidenten Reiner Haseloff geht als klare Gewinnerin aus der Landtagswahl. Doch gerade Menschen, die jünger als 30 Jahre alt sind, konnten die Konservativen nicht überzeugen. Nur 17 Prozent und somit 20 Prozentpunkte weniger als im Gesamtergebnis bekamen die Christdemokraten. Damit sind sie bei den 18- bis 29-Jährigen nur zweitstärkste Kraft. 

  • Obwohl die AfD bei jungen Wähler*innen mit 20 Prozent auf deutlich weniger Stimmanteile kommt als bei der Wahl 2016, wo sie noch 29 Prozent der Stimmen bekam, ist sie in dieser Altersgruppe die stärkste Kraft. Auch bei den jungen Menschen wählten deutlich mehr Männer als Frauen die AfD. Während jeder dritte Mann zwischen 25 und 34 Jahren die rechte Partei wählte, war es bei den Frauen derselben Altersgruppe jede Vierte. 

  • Obwohl sie nur 6,4 Prozent Gesamtstimmen bekam, ist die FDP eine der Gewinnerinnen der Wahl. Die Liberalen ziehen nach fünf Jahren Abstinenz wieder in den Landtag von Sachsen-Anhalts ein. Einen großen Anteil an diesem Erfolg haben die jungen Wähler*innen. 13 Prozent der Unter-30-Jährigen wählten die FDP. 

  • Auch die Grünen kommen bei den jungen Wähler*innen mit 13 Prozent auf ihr stärkstes Ergebnis in allen Altersgruppen. Besonders junge Frauen konnte die Partei überzeugen. 19 Prozent der 18- bis 24-jährigen Wählerinnen machten ihr Kreuz bei den Grünen – damit ist die Partei gemeinsam mit der CDU die stärkste Partei in dieser Bevölkerungsgruppe.

  • Für die SPD ist die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ein herber Dämpfer. Sie musste eines der schlechtesten Ergebnisse ihrer Parteigeschichte hinnehmen und muss sich wohl auch Sorgen um die Zukunft machen: Die höchsten Anteile bekam sie bei Menschen über 60 Jahren. Nur sieben Prozent der Unter-30-Jährigen wählten die Sozialdemokraten. 

  • Auch die Linke kann mit ihrem Wahlergebnis nicht zufrieden sein. Sie verlor mehr als fünf Prozentpunkte im Vergleich zur Wahl 2016. Auch bei den Unter-30-Jährigen sanken die Stimmanteile von 13 auf zehn Prozent. 

  • Wie schon 2016 wählte ein großer Anteil der jungen Menschen in Sachsen-Anhalt keine der sechs größten Parteien. Jede*r Fünfte entschied sich für eine kleinere Partei

Würde nur das Ergebnis der 18- bis 29-jährigen Wähler*innen zählen, würde sich die CDU sehr schwertun, eine Regierung zu bilden. Nur eine Koalition aus CDU, SPD, Grünen und FDP käme auf mehr als 50 Prozent der Stimmen, wenn man berücksichtigt, dass die CDU eine Koalition mit der AfD ausschließt – was sie im Vorhinein mehrfach versicherte. Somit würden die sonstigen Parteien eine große Rolle bei der Regierungsbildung spielen. 

Mit den Stimmen aller Wähler*innen gibt es nun verschiedene Optionen unter der Führung der CDU: eine Fortsetzung der Zusammenarbeit mit Grünen und SPD, eine Koalition mit SPD und FDP oder eine Koalition mit FDP und Grünen. Auch ein Zweier-Bündnis aus CDU und SPD wäre möglich.

rawe

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