Warum viele Angela Merkel für ihr Statement zum Thema Integration feiern

Sie fragt niemand, wo sie eigentlich herkommt – andere schon.

Das Verhältnis der Deutschen zu ihrer Kanzlerin Angela Merkel ist ja irgendwie paradox: Jahrelang wird sie belächelt („Kohls Mädchen“, „Mutti Merkel“) oder sogar beschimpft („Teflon-Kanzlerin“, „Merkel muss weg“), gleichzeitig ist sie bei Umfragen zur Beliebtheit und Arbeit von Politiker*innen oft die Nummer eins. 

In diesem Kontext muss man wohl auch die Reaktionen auf ein aktuelles Video von Angela Merkel sehen, das derzeit auf Twitter kursiert. Die einen lieben es und wollen, dass diese Kanzlerin nie aufhört, die anderen beleidigen Merkel.

In dem von ihrem Regierungssprecher Steffen Seibert geteilten Clip sagt Merkel: „Es wird ja immer wieder gefragt: Wie lange müssen wir eigentlich Teil der Integration sein? Mein Urgroßvater war Pole. Ich bin jetzt (...) vierte Generation. Mich fragt natürlich keiner, ob ich jetzt noch irgendwie zu integrieren sei.“ Im Anschluss wendet sie sich an die neben ihr sitzende Vorsitzende des African Network of Germany, Sylvie Nantcha. „Muss jemand in Deutschland, der schwarz ist, immer beweisen, dass er integriert ist? Oder ist er per se nicht integriert, weil er zu einer Minderheit gehört in der Hautfarbe? Das ist natürlich etwas, das die Menschen umtreibt. Die erziehen hier ihre Kinder, (...) sprechen Deutsch, haben Karriere gemacht, die Kinder sind erfolgreich. Und immer ist die erste Frage: Wo kommst'n du eigentlich her? (...) Da wird gesagt: Aus Deutschland komm ich her.“

Der von Seibert geteilte Ausschnitt zeigt die Abschlussworte Merkels aus der Pressekonferenz des 11. Integrationsgipfels am vergangenen Dienstag im Kanzleramt (hier kann man die ganze Pressekonferenz sehen). Zuvor hatten die Teilnehmer*innen bereits über die Bedeutung der rassistischen Anschläge in Hanau gesprochen. Eine Journalistin fragte daraufhin, wie die Teilnehmenden die Forderungen nach einer Migrant*innen-Quote in Entscheidungsfunktionen bewerten würden, um stärker repräsentiert zu sein. Auf die Frage nach der Quote ging Merkel nicht konkret ein, dafür kam sie am Ende mit ihrem Statement nochmal auf den Wunsch nach Repräsentation zurück. 

Merkels Reflexion, dass Herkunft nichts mit der Hautfarbe zu tun hat, Rassismuserfahrungen aber schon, wird im Netz von vielen Menschen gefeiert. 

Anlässlich des Videos greifen viele Nutzer*innen auch einen Hashtag immer wieder auf, der vor ziemlich genau einem Jahr auf Alltagsrassismus aufmerksam gemacht hat: #vonhier. Darunter teilten damals viele Konversationen, die in etwa so abliefen:

Es gibt aber auch Kritik an dem Clip. So erinnern einige Nutzer*innen daran, dass Merkel selbst im Jahr 2010 „Multikulti für gescheitert“ erklärt habe. Was sie dabei auslassen: In der gleichen Rede hatte Merkel erklärt, dass der Islam sehr wohl zu Deutschland gehöre. Wiederum andere sind der Meinung, mit dem Clip solle von anderen, aus ihrer Sicht gravierenderen Problemen, wie der Eskalation an der türkisch-griechischen Grenze abgelenkt werden. Darüber, welchen Kurs die CDU bei einer erneuten Zunahme der Migrationsbewegungen nach Deutschland einschlagen möchte, herrscht in der Partei derzeit große Uneinigkeit. 

chha

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