„Hier ist für Rassismus kein Platz“

Nach dem Angriff in Hanau finden sich in München Menschen zu einer Mahnwache zusammen.
Von Caroline Kunz
mahnwache odeonsplatz cover

Foto: Peter Kneffel / dpa

„Der rechte Terror nimmt zu und darf nicht weiter hingenommen werden“, sagt  Johnny. Er ist zur Mahnwache gekommen, weil es ihm wichtig sei, eine Nachricht zu vermitteln. Der Anschlag sei ein Angriff auf People of Color wie ihn gewesen. „Mit antifaschistischen Aktionen müssen wir den Faschist*innen das Leben schwer machen“, sagt er bestimmt. 

Laut Polizei sind es etwa 700 Menschen, die an diesem Abend Seite an Seite am Odeonsplatz in der Kälte stehen. Sie haben sich zu einer Mahnwache zusammengefunden, um der Opfer des rechtsterroristischen Anschlags im hessischen Hanau zu gedenken. Viele von ihnen sind jung, viele von ihnen sind People of Color. Mehr als 50 Kundgebungen gab es einen Tag nach dem Anschlag in Hanau in ganz Deutschland – von München bis Kiel.

Der mutmaßliche Täter Tobias R. hat Donnerstagnacht bei aufeinanderfolgenden Angriffen auf drei Hanauer Lokale mindestens neun Menschen erschossen. Mehrere Menschen wurden verletzt. Einige Stunden nach dem Angriff fand die Polizei seine Leiche in seiner Wohnung, es wird von einem Suizid ausgegangen. Seine Tat war rassistisch motiviert.

Jede*r Einzelne kann etwas gegen Rechts bewegen

Bei der Mahnwache in München spricht auch Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter, er nimmt Bezug auf die rechtsextreme Terrorzelle, die am Wochenende hochgenommen wurde: „Es gibt in München eine spürbare Verunsicherung von muslimischen Menschen“, sagt er. Und das dürfe nicht sein. „Hier ist für Rassismus kein Platz.“ Eine rote Antifa-Fahne weht über den Köpfen der Menge. 

Die 23-jährige Dominique steht am Rand der Menschenmenge. „Ich finde es extrem schade, dass Menschen mit Migrationshintergrund hier in Deutschland langsam Angst haben müssen, auf die Straße zu gehen“, sagt sie. Ihr Mutter habe immer wieder Sorge um sie, wenn sie zu Veranstaltungen gehe. Ihre Freundin Aaliyah erklärt, warum die beiden hier sind: Jeder Einzelne könne etwas bewegen. „Auch wenn man nicht auf der Bühne steht und eine Rede hält“, fügt sie hinzu.

„Alle zusammen gegen rechten Terror“

„Bekämpft den Faschismus in all seinen Facetten. Nie wieder Faschismus! Dafür braucht es einen Schulterschluss durch die ganze Gesellschaft“, schallt es von der Bühne und es wird zum ersten Mal richtig laut. Die Menschen klatschen, pfeifen, schreien. Danach stimmen einige eine Parole an. „Alle zusammen gegen rechten Terror“, rufen sie mehrere Male. Immer wieder kommen Menschen hinzu, begrüßen sich mit Umarmungen. Passant*innen bleiben stehen und stellen sich dazu. Auf einem Transparent steht „Kein Platz für Rechte in unserer Stadt“.

Nach anderthalb Stunden löst sich die Versammlung auf. Mitten in der Menschenmenge stellen die Menschen ein Bild aus Kerzenlichtern zusammen. „Hanau“ kann man lesen. Auch nach dem Ende der Reden bleiben noch Menschen hier, um Kerzen anzuzünden und Fotos zu machen. Mit den Protesten ist es nach diesem Abend noch nicht vorbei: Für Samstag wird bundesweit zu einer Demonstration in Hanau aufgerufen. 

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