Rezo kritisiert in neuem Video die geplanten Schulöffnungen

Damit spricht er vielen Schüler*innen und Lehrkräften aus dem Herzen, zeigt aber auch, wie schwierig die Situation ist.
buzz rezo schulboykott cover

Foto: Kay Nietfeld / dpa / screenshot youtube

Rezo ist zurück: In einem neuen, knapp 20-minütigen Video nimmt der Informatiker und Youtuber, der durch sein Video „Die Zerstörung der CDU“ im Mai vergangenen Jahres bekannt geworden ist, die geplanten Schulöffnungen auseinander. Er habe in den vergangenen Tagen unheimlich viele Nachrichten zum Thema bekommen – und deswegen jetzt ein Video gemacht. Auch in seiner letzten Kolumne in der Zeit forderte der Youtuber mit knapp 1,3 Millionen Abonnent*innen in Hinblick auf Corona: „Vorerst aber muss das heißen: keine Abi-Prüfungen im April und Mai 2020. Mindestens.“ Der Youtuber ist gemeinsam mit Christian Drosten und anderen Formaten für den diesjährigen Grimme-Online-Award nominiert.

Wie Politiker momentan auf Schüler scheißen...

Rezo führt im Video vor allem die Argumente an, die viele Gegner*innen der Schulöffnungen schon seit einiger Zeit wiederholen. Sie lassen sich kurz zusammenfassen mit der Frage: Wie, zur Hölle, sollen in einer Schule Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden?

Ein weiterer Punkt des Youtubers: die psychische Belastung, die die Krise mit sich bringe und auch vor den Schüler*innen nicht Halt mache. Vielen Schüler*innen fehle außerdem all das, was einen Schulabschluss zusätzlich ausmache: die Aussicht auf eine Zeugnisvergabe, ein Abiball, gemeinsames Feiern.

Zudem sei es Rezo zufolge auch belastend, dass die prüfungsvorbereitenden Kurse zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen freiwillig sind. So hätten die Schüler*innen selbst die Verantwortung: Gehe ich in die Schule oder nicht? Viele hätten Angst davor, sich in der Schule mit dem Coronavirus zu infizieren und dann unwissentlich Eltern oder Großeltern anzustecken. Und müssten sich dann zwischen Gesundheit und idealer Prüfungsvorbereitung entscheiden. Das sei nicht einfach und setze die Schüler*innen unter Druck. „Lehrkräfte haben diese Angst natürlich genauso“, sagt Rezo weiter.

Rezo wird von vielen Menschen gerade als prominentes Sprachrohr für das betrachtet, was viele junge Menschen bewegt. Auf Twitter trendete #Rezo am Donnerstagmorgen genauso wie #SchulboykottDE:

Einige ziehen Parallelen zu Rezos Video zum Boykott der CDU vor der Europawahl im Mai 2019, das auch politisch einige Wellen schlug:

Rezo belegt die Inhalte seiner Videos gründlich. Wie üblich hängt er auch in diesem Fall seinem Clip ein mehrseitiges Dokument mit seinen Quellen an, dazu zählen vor allem verschiedene große Medien. Außerdem hat er für sein Video nach eigenen Angaben mit NRW-Ministerpräsident Armin Laschet telefoniert. Der habe ihm gesagt, er wolle verhindern, dass Schüler*innen aus NRW von einer Universität in einem anderen Bundesland abgelehnt werden könnten, weil sie ihr Abitur ohne Prüfungen erhalten hätten. Nach einem von Rezo zitierten Juristen seien diese Bedenken jedoch unbegründet.

Manche seiner Ausführungen sind allerdings verkürzt oder aus dem Kontext gerissen, was ihm auch im Hinblick auf seine früheren Videos von Kritiker*innen vorgeworfen wurde. Zum Beispiel eine Äußerung der Bildungsministerin von Nordrhein-Westfalen, Yvonne Gebauer (FDP), die in einem Interview sagte: „Es wird Schülerinnen und Schüler geben, die Erfahrungen von Isolation, innerfamiliären Konflikten oder auch Gewalt mit in die Schule bringen.“ Schulgemeinschaften hätten auch den Tod von Lehrkräften oder Familienangehörigen zu verkraften. Daher werde es für die Schulen Angebote geben, etwa Hilfe durch Schulpsycholog*innen. Rezo schließt daraus, dass die Politik durch die Schulöffnungen verursachte Todesfälle wissentlich in Kauf nehme. Das ist aber nicht, was Gebauer in dem Interview sagte.

Am Ende kommt auch Rezo nicht zu einem wirklichen Ergebnis: Er wisse auch nicht, was man am besten tun solle, sagt er am Ende des Videos in die Kamera: „Ich hab keine Lösung.“

soas

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