In Mexiko wird mit roten Schuhen gegen die Ermordung von Frauen demonstriert

Jedes Paar steht dabei für eine Frau, die nicht mehr am Leben ist.

Foto: Christian Palma / AP / Copyright 2020 The Associated Press. All rights reserved.

In Mexiko werden jeden Tag im Schnitt zehn Frauen und Mädchen ermordet. Weniger als zehn Prozent der Fälle werden jemals gelöst, die meisten Täter kommen also ungestraft davon. Auf diese Verbrechen und die gesellschaftlichen und politischen Missstände, die dazu führen, haben Aktivist*innen nun mit einer Kunstaktion aufmerksam gemacht.

Hunderte rot angemalte Schuhe lagen am vergangenen Sonntag auf dem sogenannten Zócalo, dem größten Platz in Mexiko-Stadt. Jedes Paar steht laut den Initiator*innen für eine Frau, die nicht mehr am Leben ist. Das Rot stehe für das vergossene Blut, so die mexikanische Künstlerin Elina Chauvet. Sie hat das Projekt „Zapatos Rojos“ („Rote Schuhe“) schon 2009 ins Leben gerufen und seitdem auf verschiedenen Plätzen in Mexiko, Texas und Italien rote Schuhe aufgereiht, um an vermisste, misshandelte, vergewaltigte und ermordete Frauen zu erinnern. 

Bei der Aktion in Mexiko-Stadt tanzten die Frauen* außerdem den aus Chile bekannten Flashmob-Tanz „Un violador en tu camino“ („Ein Vergewaltiger auf deinem Weg“), der mittlerweile weltweit zur feministischen Hymne geworden ist.

In Mexiko gelten Femizide, die Ermordung von Frauen, weil sie Frauen sind, seit 2012 als eigener Straftatbestand. Denn Mexiko ist eines der Länder, in denen es am gefährlichsten ist, eine Frau zu sein. 56 Prozent des mexikanischen Staatsgebiets gelten als gefährlich für Frauen; Frauen werden entführt, vergewaltigt, getötet, verstümmelt und ihre Leichen öffentlich zur Schau gestellt. Die Staatsoberhäupter sind in den Augen der Aktivist*innen unfähig, dieses Problem zu bekämpfen. „Regierungen kommen und gehen, aber unsere Situation bleibt unverändert“, so die Anführerin der Gruppe „Voices of Absence“,  Sacrisanta Mosso Rendón.

Dass Gewalt gegen Frauen* in Mexiko ein strukturelles Problem ist, zeigt auch das Verbrechen, das den Ausschlag für die aktuelle Protestbewegung gegeben hat: Im Sommer 2019 wurde eine Jugendliche von vier Polizisten vergewaltigt. Diese sollten daraufhin nicht einmal vom Dienst suspendiert werden. Im November vergangenen Jahres rief die Bürgermeisterin von Mexiko-Stadt einen Notstand bezüglich geschlechterspezifischer Gewalt aus. Davon erhofft sie sich, dass die Problematik mehr Aufmerksamkeit bekommt.

In Deutschland sind laut einer BKA-Studie im vergangenen Jahr 122 Frauen von ihrem Partner oder Expartner getötet worden. Insgesamt wurden mehr als 114 000 Frauen Opfer von häuslicher Gewalt, Bedrohungen oder Nötigungen durch ihre Ehemänner, Partner oder Expartner. Etwa 26 000 Männer wurden von ihren Partnerinnen oder Ex-Partnerinnen bedroht, genötigt oder angegriffen.

cku (mit Material von AP News)

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