Wo Frauen immer noch diskriminiert werden

Ob in der Politik oder in der Bildung: Ein Blick auf die Zahlen sagt alles.
Von Maximilian Senff

Illustration: Federico Delfrati

Erst kürzlich bei der Oscarverleihung war es wieder ein großes Thema: Nur vier Prozent aller Hollywoodstreifen werden von Kamerafrauen gefilmt. Manche sagen, das läge an der Evolution des Berufs, Kameras waren früher doch deutlich schwerer als heute. Andere sagen, Frauen würden in der Filmbranche, wie auch in sonst sehr vielen Bereichen des Lebens, strukturell diskriminiert. Bei den diesjährigen Oscars holten am Ende auf jeden Fall 31 Männer und 16 Frauen einen Academy Award – obwohl nur jede fünfte Nominierung an eine Frau ging. 

Allerdings zeigen die Zahlen aus der Filmbranche nur einen kleinen Ausschnitt eines großen Problems: Der weltweiten Diskriminierung und Benachteiligung von Frauen. Denn auf der Welt gibt es noch deutlich schlimmere Orte als die Hollywood Hills. Es folgen Zahlen, die eine traurige Sprache sprechen.

Frauen und Bildung

130 Millionen Mädchen auf der Welt gehen nicht zur Schule.

Illustration: Federico Delfrati

Laut der Entwicklungsorganisation ONE und des Kinderhilfswerks UNICEF gehen weltweit über 130 Millionen Mädchen nicht zur Schule, 34 Millionen davon im Grundschulalter. Zum Vergleich: In der gleichen Altersgruppe trifft es 29 Millionen Jungen. Das Verhältnis verändert sich zwar mit den Jahren etwas zugunsten der Frauen, die Zahlen bleiben jedoch erschreckend. Bei den weiterführenden Schulen haben 31 Millionen Jungen und 30 Millionen Mädchen keinen Zugang zu Bildung.

Für junge Frauen sieht es dabei in den Ländern von Subsahara-Afrika, des Mittleren Ostens und Südasiens besonders schlecht aus. Mädchen haben vor allem in Krisengebieten und –situationen geringere Chancen auf Schulbildung. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie in Notlagen, seien es Kriege oder Naturkatastrophen, nicht mehr zur Schule gehen können, ist mehr als doppelt so hoch wie bei Jungen.

Rechte für Frauen

In nur sechs Staaten weltweit haben Frauen und Männer die gleichen Rechte.

Illustration: Federico Delfrati

Belgien, Dänemark, Frankreich, Lettland, Luxemburg und Schweden. Das sind, laut Weltbank-Institut IBRD, weltweit die einzigen Länder, in denen Frauen und Männer uneingeschränkt die gleichen Rechte haben. Das Institut hat ein Punktesystem bis 100 eingeführt, in dem nur diese sechs Staaten die volle Punktzahl erreichen. Deutschland liegt mit 91,88 Zählern auf Platz 31. In der Bundesrepublik werden Ungleichheiten beim Einkommen und der Kinderbetreuung bemängelt.

Die Letztplatzierten der 187 Staaten umfassenden Studie sind der Sudan (29,38), die Vereinigten Arabischen Emirate (29,38) und Saudi-Arabien (25,63). In die Bewertung flossen 35 Kriterien ein. Unter anderem wurde geprüft, ob Frauen und Männer in dem Land in gleichem Maße entscheiden können, wo sie leben wollen, ob Frauen Bankkonten eröffnen können und ob Frauen eine Scheidung selbst einreichen können und danach wieder heiraten dürfen.

Mädchen in Kinderehen

650 Millionen Frauen auf der Welt wurden bereits als Kinder verheiratet.

Illustration: Federico Delfrati

Heiraten, auch ein schwieriges Thema, wenn es um Gleichberechtigung geht. 650 Millionen Frauen auf der Welt wurden bereits als Kinder verheiratet. Jährlich werden zwölf Millionen Mädchen zwangsvermählt. Auch das ergeben die Recherchen von ONE und UNICEF. Mit Zwangsehen einher gehe auch, dass die Mädchen anschließend meist nicht mehr zur Schule gehen könnten, früh Mutter würden und sich um den Haushalt kümmern müssten. Auch Jungen werden zu Ehen gezwungen, jedoch erleiden Mädchen dieses Schicksal fünf Mal häufiger.

Frauen in der Politik

61,3 Prozent: Der Frauenanteil im Parlament von Ruanda. Weltweit der höchste Wert.

Illustration: Federico Delfrati

Im derzeitigen deutschen Bundestag sitzen 219 Frauen, sie machen damit knapp ein Drittel der Abgeordneten aus. In absoluten Zahlen ist das der zweithöchste Wert in der Geschichte. Lediglich von 2013 bis 2017 waren mehr Frauen im Kabinett, 230 Politikerinnen waren damals Teil des deutschen Bundestags.

Weltweit hat das Parlament von Ruanda den höchsten Frauenanteil. 61,3 Prozent der Sitze gingen bei der letzten Wahl an Frauen. Mit auf den Podiumsplätzen sind Kuba (53,2 Prozent) und Bolivien (53,1 Prozent). Außer den drei genannten Staaten hat kein Land mehr weibliche als männliche Abgeordnete.

Am Ende ein Lichtblick: Frauen an der Börse

Frauen erwirtschaften an der Börse 0,4 Prozent mehr als Männer.

Illustration: Federico Delfrati

Es herrscht also immer noch in vielen gesellschaftlichen Bereichen Nachholbedarf, was die Gleichberechtigung angeht. Und das auf der ganzen Welt. Wer nicht allein aus feministischen Gründen für mehr Fairness auf der Welt kämpfen möchte, dem sei gesagt: Die strukturelle Benachteiligung von Frauen hat auch wirtschaftliche Konsequenzen.

Ein Beispiel: Die US-Fondsgesellschaft Fidelity kam zu dem Ergebnis, dass Frauen 2017 um 0,4 Prozent mehr Geld an der Börse erwirtschafteten als ihre männlichen Kollegen. Mit einem Aktien-Handelsvolumen von 3 327 Milliarden US-Dollar ist die New Yorker Börse die größte der Welt. Alleine dort machen 0,4 Prozent also mehr als 13,3 Milliarden Dollar pro Jahr aus.

  • teilen
  • schließen