Das Zuhause ist einer der gefährlichsten Orte für Frauen

Eine Studie der UN belegt: Jede dritte Frau wird im Laufe ihres Lebens vom eigenen Partner misshandelt.

Bild: Volkan Olmez / Unsplash

Die Familie sollte ein sogenannter „Safe Space“ sein, ein Ort voll Liebe, Geborgenheit und Zuneigung. Trotzdem ist es für viele Frauen genau der Ort, an dem sie Gewalt und Diskriminierung erfahren. Die neue Studie der UN „Progress of the World’s Women 2019-20“ kam zu dem Ergebnis: Das Zuhause ist statistisch gesehen immer noch einer der gefährlichsten Orte für eine Frau.

Laut der Studie wird eine von drei Frauen im Laufe ihres Lebens vom eigenen Partner körperlich oder sexuell misshandelt. Der feministische Aktivismus der letzten Jahre habe bisher zwar bereits verstärkte Schutzprogramme für Frauen bewirken können. UN-Women-Geschäftsführerin Phumzile Mlambo-Ngcuka sieht Fortschritte im Kampf gegen Diskriminierung von Frauen vor allem im öffentlichen Raum. Im privaten Raum sieht es allerdings anders aus. Die Zahl der Gewalttaten innerhalb der Familie bleibt beständig hoch: Täglich werden 137 Frauen weltweit von einem Familienmitglied umgebracht. Vor allem in intimen Partnerschaften kommt es zu Gewalt. Das wird in der Studie vor allem auf die kulturelle Entwertung von Frauen zurückgeführt, die Straffreiheit von Gewalt innerhalb der Ehe und dass dem Mann immer noch eine ‚natürliche’ Autorität gegenüber der Frau zugesprochen wird.

Frauen werden weltweit zu wenig vor häuslicher Gewalt geschützt. In manchen Ländern ist es ihnen verboten, Grundstücke zu erben. In 19 Ländern ist es gesetzlich verankert, dass sie dem eigenen Mann zu Gehorsam verpflichtet sind. Vergewaltigung in der Ehe steht in 111 von 189 untersuchten Ländern nicht unter Strafe. Das betrifft drei Milliarden Frauen. Schuld an den beständig hohen Zahlen sei auch die weitverbreitete Verhaltensweise, Gewalt innerhalb der Familie zu verharmlosen und zu entschuldigen.

Frauen, die Opfer von physischer oder sexueller Gewalt des eigenen Partners werden, erkranken doppelt so häufig an Depressionen als andere. Außerdem steigt das Risiko dafür, dass die Gewalt in zukünftige Generationen weitergetragen wird.

Das Ziel der Studie war es, die Rolle der Frau innerhalb der Familie zu untersuchen und den Umfang der Veränderungen im Familienleben zu beurteilen. Die Studie trug dabei Daten aus aller Welt zusammen und formuliert die Notwendigkeit, der Diskriminierung von Frauen in Zukunft entgegenzuwirken. Im Kapitel „When Home is where the harm is“ geht es gezielt um häusliche Gewalt an Frauen.

Vor allem seien grundlegende staatliche Maßnahmen erforderlich. In Verbindung mit der Gewalt gegen Frauen stehe nämlich vor allem die ökonomisch, soziale und politische Ungleichheit der Geschlechter in vielen Ländern: „Die ungleiche Verteilung von Macht wird verstärkt durch diskriminierende Gesetze, soziale Normen und Praktiken, die das Verhalten vorgeben, das von Männern und Frauen erwartet wird“, heißt es.

fsk

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