Beginnt Trumps Wahlkampf mit einer einsamen Veranstaltung?

Gegner*innen des US-Präsidenten wollen das erreichen, indem sie Tickets für dessen erste Wahlkampfveranstaltung reservieren, aber verfallen lassen.
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Donald Trump in 2018 bei einer Wahlkampfveranstaltung in Las Vegas

Foto: John Locher / dpa

Während die USA von einer Pandemie, einer Wirtschaftskrise und den wohl heftigsten Protesten seit den Sechziger Jahren erschüttert wird, macht der Präsident der Nation Wahlkampf. Am 20. Juni will Donald Trump die erste Wahlkampf-Veranstaltung nach den einstweiligen Lockerungen der Corona-Maßnahmen abhalten. Dafür wurde extra ein Stadion in Tulsa, einer Stadt in Oklahoma, gemietet: Darin gibt es 19 000 Plätze für Menschen, die Fläggchen wehen lassen und „Keep America great“ rufen sollen. Theoretisch kann jede*r, der*die möchte, zwei Tickets für umme auf Donald Trumps Kampagnen-Webseite bestellen, solange er oder sie eine Telefonnummer angibt.

Und was machen die Trump-Gegner*innen mit dieser Information? Sie nutzen sie für sich. Auf Titktok schlug die 51-jährige Mary Jo Laupp vor fünf Tagen folgenden teuflischen Plan vor: Trump-Gegner*innen sollten doch versuchen, möglichst viele dieser Tickets für sich zu reservieren, dann aber nicht zur Veranstaltung hingehen – und so Trump allein in diesem riesigen Stadion stehen lassen. Auf der Videoplattform gefiel die Idee von Laupp, die der CNN zufolge als Lehrerin in Iowa arbeitet, mehr als 630 000 Menschen. Noch dazu verbreiteten weitere User*innen die Botschaft in eigenen Tiktoks.

@maryjolaupp

Did you know you can make sure there are empty seats at Trump’s rally? ##BLM.

♬ original sound - maryjolaupp

Laupp zufolge waren einige Menschen besonders wegen des ursprünglich angedachten Timings der Wahlkampfveranstaltung wütend: Eigentlich wäre Trump nämlich gerne mit seinem Wahlkampfteam schon einen Tag früher, am 19. Juni, in Tulsa aufgelaufen. Dieser Tag ist bekannt als „Juneteenth“, ein in einigen Bundesstaaten als Gedenktag anerkanntes Datum, denn in 1865 erfuhren die Sklaven und Sklavinnen in Galveston an diesem Tag vom Ende des Bürgerkriegs und der Niederlage der Konföderierten. Der Aufschrei über diese terminliche Überschneidung war so groß, dass Trump nachgab und die Veranstaltung um einen Tag verschob. 

Wie viele Menschen nun tatsächlich dem Aufruf nachgekommen sind, ist vor der Veranstaltung schwer zu sagen. Allerdings wäre der eine oder andere von uns vielleicht etwas vorsichtiger als Donald Trump, wenn es darum geht, mit dem Hype um diese Veranstaltung zu werben. Am Montag twitterte der US-Präsident aber selbstbewusst, das nahezu eine Million Menschen schon versucht hätten, Tickets für den Abend zu bekommen.

Obwohl: Selbst wenn eine Mehrzahl der Tickets von Trump-Gegner*innen bestellt worden wäre, ist es dadurch, dass es offenbar keine Obergrenze an Reservierungen gab, bei einer solchen Anfrage-Größe nicht wahrscheinlich, dass Trump alleine in dem Stadion stehen wird. Das bestätigte auch Erin Perrine, stellvertretender Kommunikationschef der Trump-Kampagne der CNN: „Die Linken machen das immer wieder. Sie bestellen Tickets und denken, dass so Sitze leer bleiben. Das stimmt aber auf keinen Fall. Es gibt immer mehr Tickets als Sitze auf einer Wahlkampfveranstaltung.“

mpu

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