Ehepaar zielt mit Waffen auf Demonstrierende – und Twitter macht daraus Memes

Was einige lustig finden, kritisieren andere scharf.

Screenshot: Twitter @CorvusCoraxPC

Ein Ehepaar steht in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri vor seinem Haus und richtet geladene Waffen auf demonstrierende Menschen, die den Rücktritt der Bürgermeisterin von St. Louis fordern. Ein Bild davon, entstanden Sonntagabend, geht gerade um die Welt. Das Bild ist ein Screenshot aus einem Video, das unter anderem  auf Twitter geteilt wurde. Andere Bilder stammen von einem Pressefotografen.

Das US-amerikanische Paar – der 63-jährige Anwalt Mark McCloskey und seine Frau  Patricia McCloskey – erklären ihr Verhalten gegenüber dem TV-Sender KSDK-News damit, dass sie sich von den Demonstrierenden bedroht gefühlt hätten. Zudem hätten sich die Demo-Teilnehmer*innen, die Mark McCloskey als „wütenden Mob“ bezeichnet, unerlaubterweise auf ihrem Privatweg befunden. 

Die Szene mutet so absurd an, dass sie die Twitter-Community zu zahlreichen Memes inspiriert, die viele Nutzer*innen sehr lustig finden – auch, wenn die Begebenheit dahinter alles andere als lustig ist. Viele stellen anhand des Bildes Bezüge zu Filmen her:

Andere kritisieren auf diesem Weg unter anderem den Trump-nahen US-Sender Fox News. Der Sender wird von Beobachter*innen dem konservativen und republikanischen Spektrum zugeordnet. Ein User wirft Fox News beispielsweise durch seinen Tweet vor, die Gesellschaft gespalten zu haben und manche Menschen aggressiver und dünnhäutiger zu machen – so, wie manche Eltern auch befürchten, dass Ganster Rap negative Einflüsse auf ihre Kinder haben könnte. Er fragt sich offensichtlich, welche Auswirkungen eine solche Berichterstattung auf die Gesellschaft haben könnte:

Andere basteln Memes, die weit weg sind von US-Politik und ganz nah am Alltag mancher Menschen:

Der Komiker Shahak Shapira hat dagegen eine ganz andere Idee, um die Szene zu verändern. Das macht sie nicht weniger absurd, zumindest aber weniger gefährlich.

Und dieser User vergleicht die Situation mit einem sehr realen, weit zurückliegenden und sehr ernsten Moment:

Die etwa 500 Teilnehmenden der Demonstration waren auf die Straße gegangen, um den Rücktritt der demokratischen Bürgermeisterin Lyda Krewson zu fordern. Diese hatte während einer Fragestunde via Facebook live Namen und Adressen von Menschen genannt, die gefordert hatten, der Polizei in St. Louis die Finanzierung zu entziehen. Das Video ist mittlerweile gelöscht, Lyda Krewson entschuldigte sich öffentlich.

Mark McCloskey sagte gegenüber KSDK-News, er habe vermehrt wiederholt, dass es sich bei dem Weg um ein privates Gelände handle. Als die Demonstrierenden den Weg dennoch betraten, habe er sich wehren wollen: „Wir wurden bedroht, ich dachte wirklich, dass wir sterben würden, unser Haus und mein Büro niedergebrannt würden, dass sogar das Leben unseres Hundes in Gefahr sei.“ Er bereue es nicht, die Waffen auf die Demonstrierenden gerichtet zu haben, sagt McCloskey. Was er dagegen schade finde: „Dass das Tor zu unserer Straße zerstört wurde“.

An den vielen Memes und dem Umgang mit dem Video gibt es auch Kritik. Die Autorin und Journalistin Margarete Stokowski zum Beispiel twitterte Dienstagmorgen, sie finde es nicht besonders angemessen, aus dieser für die Demonstrierenden sehr bedrohlichen Situation Witze zu generieren:

Auch dieser User betont, dass das Bild vor allem eine gefährliche Szene zeigt, die leicht hätte zu Toten führen können:

Viele Menschen stimmen der Kritik zu. Andere sind der Meinung, dieser humoristische Umgang sei der einzige, der noch helfe.

soas

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