Das ist: Keedron Bryant, dessen Song zur „Black Lives Matter“-Hymne geworden ist

Der Gospel-Sänger ist zwar erst zwölf Jahre alt, inspirierte aber Tausende Protestierende.
Von Magdalena Pulz

Foto: Johnnetta Bryant/Warner Records via AP

Das ist …

... der zwölfjährige Keedron Bryant. Einen Tag nach George Floyds Tod veröffentlichte er auf seinem Instagram-Profil ein Video, in dem man ihn für etwa 50 Sekunden mit voller Stimme und ohne Begleitmusik direkt in die Kamera singen hört: „I am a young black man doing all that I can to stand“, und: „I just wanna live“ – „Ich will doch nur leben.“ Es ist ein Lied über die Angst junger Schwarzer Menschen in den USA, das viral ging und zur inoffiziellen Hymne der Black-Lives-Matter-Bewegung geworden ist. Geschrieben wurde der Song von Bryants Mutter Johnnetta Bryant. In einem Interview mit Today erzählte sie, dass sie, als sie das Floyd-Video sah und hörte, wie er nach seiner Mutter rief, zu Gott gebetet habe, und der ihr die Worte zu dem Songs gegeben habe.

Der kann …

... singen. Aber wie. Das merkt man, wenn man durch Keedron Bryants Instagram-Feed scrollt. Seit mehr als zwei Jahren veröffentlicht er Aufnahmen seiner Gospel-Interpretationen, und dieses Video ist nicht das erste, das viral ging. Deswegen war es vielleicht auch keine ganz so große Überraschung, als bekannt wurde, dass der Zwölfjährige kürzlich einen Vertrag mit der Plattenfirma Warner Bros unterschrieben hat, eines der wichtigsten US-Labels. Am Freitag den 19. Juni, besser bekannt als Juneteenth, ein Gedenktag zur Befreiung der Sklav*innen in den USA, wird der Song „I just wanna live“ daher auch offiziell released; diesmal mit ruhigen, groovy Gitarrensounds im Hintergrund, die dazu beitragen, die  traurige Stimmung des Tracks zu transportieren. Der Song ist unter anderem auch auf Youtube, Spotify und Apple zu hören. Warner plant die Einnahmen, die durch den Song erzielt werden, an die „National Association for the Advancement of Colored People“ zu spenden – eine der wichtigsten und ältesten Schwarzen Bürgerrechtsorganisationen der USA.

Der kommt …

... Medienberichten zufolge ursprünglich aus Italien, genauer gesagt Sizilien. Sein Vater ist Pfarrer, seine Mutter Pfarrerin – mit gerade mal fünf Jahren soll er angefangen haben, in der Kirche zu singen. Seine Gospel-Interpretationen sind inzwischen so professionell und eindrucksvoll, dass er 2019 bei den „Gospel Choice Music Awards“ den Preis für „Youth Male Artist“ gewann. 

Der will …

... die Menschen berühren, wie er erzählt. Und das ist ihm schon jetzt gelungen – nicht nur wurde das Video von „I just wanna live“ inzwischen auf Instagram mehr als drei Millionen Mal angesehen. Auf Youtube kursieren zahlreiche Cover und Videos, in denen Leute Instrumente zu dem Gesang von Bryant spielen. Auch eine Reihe von bekannten Personen drückte ihre Ergriffenheit durch den Song aus: Der ehemalige US-Präsident Barack Obama sprach in seinem offiziellen Statement zum Tod Floyds auch über den Song von dem Sohn-Mutter-Duo Bryant, aber auch Janet Jackson, LeBron James, Will Smith oder Lupita Nyong’o teilten sein Video auf ihren Instagram-Seiten. 

Daraus lernen wir …

... dass man nicht vorausplanen kann, was die Menschen bewegt. Vermutlich hätte niemand gedacht, dass die Stimme der BLM-Proteste ein Junge sein wird, der ohne viel Klimbim einen kurzen Text seiner Mutter singt. Und doch scheint das so passend und würdevoll in diesem Moment. 

Nur Google weiß …

... dass Bryant es wohl auch ohne den Protest-Song zu Erfolg gebracht hätte. Im vergangenen Jahr wirkte er in der NBC-Talentshow „Little Big Shots“ mit. In einem Interview sagte er in diesem Rahmen, dass er sich seit er sechs Jahre alt ist, wünscht, ein bekannter Gospel-Sänger zu werden. Dieser Traum scheint nun endgültig in Erfüllung gegangen zu sein.

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