„Wir haben eine schlechte Nachricht für euch: Wir haben uns getrennt“

Youtuber*innen verarbeiten ihre Trennungen inzwischen öffentlich in ihren Videos. Warum?
Von Lara Thiede

Screenshot: YouTube/Seelen Striptease mit Kathrin Ismaier Bearbeitung: jetzt

Die junge Frau schaut dem Mann neben sich tief in die Augen, sie schweigen, flüstern sich etwas zu, streicheln und küssen sich. Bis die Frau ihren Kopf langsam wegdreht und direkt in die Kamera spricht: „Wir haben eine sehr schlechte Nachricht für euch.“ Schweigen. „Wir haben uns getrennt.“ Schweigen. Das Trennungsvideo von Kathrin Ismaier und Robert Gladitz ist seit April 2018 im Netz, 150 000 Menschen haben dem intimen Gespräch der beiden schon gelauscht. Eineinhalb Stunden kann man das (Ex-)Paar danach noch über den Bildschirm dabei beobachten, wie sie ihre Trennung bedauern, analysieren und die Zuschauer*innen um Support für die Verlassene bitten. 

Die beiden sind nicht die einzigen, die das Ende ihrer Beziehung öffentlich besprechen. „Ja es ist aus – Trennung“, „Er hat mit mir Schluss gemacht!“, „Wir haben uns getrennt“ – auf Youtube finden sich inzwischen Tausende ähnliche Clips. Aber warum machen Leute das freiwillig? Warum lassen sie Fremde vor den Bildschirmen an so intimen und traurigen Momenten in ihrem Leben teilhaben? 

Das hat sich lange auch die Beauty-Influencerin „Mrs. Bella“, deren echter Name nicht bekannt ist, gefragt. Bis sie selbst ein solches Video hochlud. Darin sitzt die 27-Jährige alleine vor der Kamera, erklärt relativ abgeklärt, was passiert oder was vielmehr nicht passiert ist: „Hier ist niemand irgendwem fremdgegangen. Es gibt manchmal einfach Dinge, die nicht funktionieren.“ Mit dem Video wolle sie lediglich verhindern, dass sich Gerüchte weiter verbreiten. Viele ihrer Zuschauer*innen, aber auch die Medien spekulierten bereits über ihre Trennung.

„Das wäre komisch gewesen, nicht auch die Trennung öffentlich zu thematisieren“ 

Denn Mrs. Bella ist ein moderner Superstar, auf Youtube folgen ihr mehr als eine Million Menschen, auf Instagram sind es fast zwei Millionen. Auch ihr Exfreund war Influencer. Am Telefon sagt sie gegenüber jetzt: „Ich wollte so ein Video eigentlich nie drehen – und war dann doch irgendwie dazu gezwungen. Ich hatte so die Kontrolle darüber, wann wer wie von der Trennung erfährt.“ Wenige Stunden später vermeldete das Klatschmagazin Promiflash die Trennung des Influencer-Paars mit der Überschrift: „Liebe am Ende! Mrs. Bella und Inscope 21 haben sich getrennt.“ 

Für Mrs. Bella war ein öffentliches Statement zu ihrer Trennung also unausweichlich – berufsbedingt in Form eines Videos. Und für Kathrin, die sich eineinhalb Stunden lang mit ihrem Exfreund vor der Kamera austauschte? Auch, wie sie am Telefon sagt. „Ich predige auf meinem Kanal immer, dass man authentisch sein soll. Dass es okay ist, auch mal Phasen zu haben, in denen nicht alles gut läuft.“ Kathrin arbeitet als Coach für Selbstliebe und Sexualität, um diese Themen dreht es sich meist auch auf ihrem Youtube-Kanal. Außerdem hatte sie zuvor einen Podcast mit ihrem Partner gemacht, indem sie über ihre Beziehung sprachen. „Das wäre komisch gewesen, nicht auch die Trennung öffentlich zu thematisieren.“ 

Kurzes Statement ...

Aber welche Form ist angebracht, um eine so emotionale Angelegenheit in der Öffentlichkeit zu teilen? Mrs. Bellas Video heißt „Kurzes Statement ...“, in der Beschreibung steht nur: „Danke für euer Verständnis.“ Sie will nicht, dass dieses Video auffällt, keine neuen Zuschauer*innen darüber bekommen: „Ich halte mein Privatleben so weit wie möglich aus der Öffentlichkeit und wollte die Trennung wirklich nur denjenigen mitteilen, die sich schon darüber gewundert haben.“ Kathrins Video-Titel ist dagegen optimal für diejenigen verschlagwortet, die anderen beim sich Trennen zusehen wollen: „Wir haben uns getrennt … Schluss machen, Trennung, Fremdverliebt.“ Darunter hat sie einen langen emotionalen Text darüber geschrieben, dass es nun vorbei sei und wie verletzt sie ist. Warum?  

Kathrin stört es nicht, wenn sich Leute davon besoapen lassen

„Naja, weil das für die Suchmaschinen besser ist“, sagt Kathrin. „Wenn ich etwas hochlade, will ich schließlich, dass es auch gefunden wird.“ Sie stört es nicht, „wenn sich Leute das nur anschauen, um sich besoapen zu lassen. Aber ich bin happy, wenn mich einige darüber finden und mir danach auch noch länger folgen“.

Natürlich wollen Youtuber*innen gefunden werden. Aber wie fühlt es sich an, plötzlich vor allem für die eigene Trennung bekannt zu sein? Das Trennungs-Video ist das mit Abstand am meisten gesehene auf Kathrins Kanal. Die Reaktionen fallen sehr unterschiedlich aus.

„Wenn ich einen richtig schlechten Tag haben wollen würde, müsste ich mir nur die Kommentare darunter anschauen“, sagt Kathrin. „Viele schreiben, ich sei doch selbst schuld, weil ich eine offene Beziehung vorgeschlagen habe. Andere schreiben, Rob wäre mit mir eh nie glücklich geworden.“ Trotzdem will Kathrin das Video nicht offline stellen: „Es gibt immer jemanden, der daraus was Positives zieht, ich will mit dem Video zeigen, dass man auch nach solchen Geschichten noch respektvoll miteinander umgehen kann.“ Viele Fans habe ihre Trennung richtig fertig gemacht, sagt Kathrin. „Manche schrieben, wir seien immer ihr Vorbild-Paar gewesen – die waren so traurig, dass wir ihnen einfach eine Erklärung schuldig waren.“

„Für manche ist es eine Art Therapie, manche sehen es als Sprungbrett“

Das Video war aber auch für Kathrin selbst ein Stück Verarbeitung, ein Schlussstrich: „Ich hab mir das Video vor Kurzem nochmal angeschaut und konnte so sehr gut reflektieren, wie ich damals damit umgegangen bin.“ Für ihren Exfreund ist allerdings nicht ganz so gut, dass das Video so erfolgreich ist. „Er arbeitet anders als ich ja nicht mit solchen Themen, sondern ist Business Coach. Wenn man ihn googelt, findet man trotzdem als erstes dieses Video. Er hat mich trotzdem nie gebeten, das Video runterzunehmen – das finde ich sehr stark von ihm.“

Mrs. Bella drehte ihren Clip zwar ohne ihren Ex-Freund, er wusste aber davon und verstand, warum es sein musste. Sie ist auch heute nicht stolz darauf. Trotzdem verurteilt sie Youtuber*innen wie Kathrin nicht dafür, dass sie ihre Trennung gezielt für die eigenen Zwecke nutzen: „Ich denke, das ist jedem selbst überlassen. Für manche ist es eine Art Therapie, manche sehen es als Sprungbrett – Mir ist total egal, warum andere das machen. Sie schaden mir damit ja nicht.“

Für Mrs. Bella ist klar, dass sie eine nächste Beziehung trotzdem nicht verstecken wird – auch wenn das bedeutet, vielleicht irgendwann wieder ein solches Video drehen zu müssen. „Es mag am Anfang ganz lustig sein, eine Beziehung geheimzuhalten. Aber die Leute machen ja auch Fotos – und ich will mich nicht verstecken müssen, wenn ich mit meinem Freund durch die Stadt laufe.“ 

Auch Kathrin will sich nicht einschränken, würde offenbar alles wieder genauso machen. Einen ersten Schritt geht sie schon: In ihrer neuesten Podcast-Folge spricht sie mit ihrem neuen Freund über ihr Beziehungsleben.

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