Erste Preview von 20er-Jahre-Serie "Babylon Berlin"

Kann die "deutsche Antwort auf Netflix" die hohen Erwartungen erfüllen?
Von Charlotte Haunhorst
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Die "Babylon Berlin" Hauptdarsteller Liv Lisa Fries und Volker Bruch

Foto: dpa

Wer in Berlin einen Ort sucht, an dem die 20er Jahre noch lebendig sind, ist in Clärchens Ballhaus sehr richtig. Im Spiegelsaal des Tanzlokals blättert der Putz von den Wänden, Kronleuchter und Stuck an der Decke erinnern an die Zeiten, in denen hier noch Frauen mit Zigarettenspitzen zwischen den abgespreizten Fingern und Federn in den Haaren tanzten – wobei dieser Look heutzutage wieder genau so funktionieren würde.

Umso passender also, dass im Spiegelsaal von Clärchens Ballhaus am Mittwochabend erste Ausschnitte aus der im Oktober 2017 anlaufenden Serie „Babylon Berlin“ gezeigt werden. Die Serie mit den Darstellern Liv Lisa Fries und Volker Bruch in den Hauptrollen basiert auf dem Krimi „Der nasse Fisch“ von Volker Kutscher, der im Berlin der 20er Jahre spielt. Eine Zeit voller Lebensfreude und guter Partys, gleichzeitig aber auch bereits überschattet von dem Unheil, das die Nazis bereits in wenigen Jahren über Deutschland bringen werden. Inwiefern man da auch Parallelen zur heutigen Zeit finden kann, ist einer der Gründe, weshalb "Babylon Berlin" mit Spannung erwartet wird.

Aber auch, weil viele in der Serie eine Art „deutsche Antwort auf Netflix“ sehen, wurde "Babylon Berlin" bereits viel diskutiert. Das liegt nicht nur an der Hochkarätigkeit der Besetzung – Regie bei dem Projekt führt Tom Tykwer – sondern auch, weil für das Projekt zum ersten Mal die öffentliche-rechtliche ARD mit dem Bezahlsender Sky kooperiert. Hintergrund sind unter anderem die hohen Kosten der Serie – von „40 Millionen Euro für zwei Staffeln“ war die Rede. Eine Zahl, die die Macher am Mittwochabend in Clärchens Ballhaus allerdings schnell dementieren. „Es werden auch nicht 38 Millionen sein“, erklärt Henk Handloegten, einer der drei Regisseure, eine genaue Zahl will er aber auch nicht nennen. Und sowieso: Dieser ganze Vergleich mit Netflix und anderen Anbietern sei natürlich Quatsch: „Wir haben hier etwas Einzigartiges geschaffen“, sagt Tom Tykwer. Zur Einordnung: Eine Staffel „House of Cards“ kostet Netflix angeblich 100 Millionen Dollar.

Trotzdem, das ist klar an diesem Abend: Babylon Berlin muss liefern. Gut, dass die in Clärchens Ballhaus gezeigten fünfeinhalb Minuten Trailer sehr vielversprechend aussehen: Sehr berlinmäßig (für die Serie wurden in den Studios Babelsberg extra vier neue Straßenzüge gebaut), sehr prominent besetzt (Matthias Brandt, Lars Eidinger, Hannah Herzsprung, Burkhart Klaußner, Fritzi Haberlandt und Jördis Triebel sind nur einige Gesichter, die einen beim ersten Anschauen auffallen) und vor allem: sehr düster – aber dabei eben auch wahnsinnig cool. Wann der Trailer online für alle zugänglich wird, ist leider noch nicht bekannt.

Dass die Serie mit der Stadt Berlin als Zugpferd auch international funktioniert, ist nun die Hoffnung der Produzenten. Nach Skandinavien, Italien, Spanien und England wurde sie bereits weiterverkauft, mit anderen Ländern ist man in Verhandlungen – auch mit den USA. Sollte die auf Deutsch gedrehte Serie tatsächlich auch dort gezeigt werden, wäre das schon ein großer Erfolg – und der Vergleich mit internationalen Seriengiganten wie Netflix wäre den Machern sicher gar nicht mehr so unrecht.

"Babylon Berlin" startet am 13. Oktober 2017 mit einer Doppelfolge auf Sky. Im Free-TV wird die Serie erst Ende 2018 zu sehen sein. Über eine dritte Staffel wird bereits verhandelt.

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