Wie Verhütung für alle gerechter werden könnte

Rita Maglio (links) und Jana Pfennig haben die Initiative zusammen gegründet.
Foto: Thilo Kunz

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Verhütung ist vielleicht nicht das Prickelndste an Sex – und trotzdem einer der wichtigsten und gleichzeitigen kompliziertesten Aspekte. Wie verhütet man wann und mit wem am besten? Welches Verhütungsmittel passt zu einem? Fragen, mit denen man sich gerade am Anfang des eigenen Sexlebens auseinandersetzen muss. 

Und recht schnell stellen viele dabei ein gewisses Ungleichgewicht fest: Abgesehen vom Kondom muss sich vor allem Frau* entscheiden, ob Spirale, Ring, Hormonimplantat, Spritze oder Pille besser geeignet ist. Nicht alle Mittel sind für alle Personen unproblematisch – und dann kostet das natürlich auch Geld. Männer sind dagegen häufig frei von diesen Fragen und Problemen, und müssen sich maximal für Kondome an der Kasse anstellen.

Das ganze Verhütungssystem müsste deswegen erneuert werden, finden die 25-jährige Jana Pfennig und die etwa ein Jahr jüngere Rita Maglio, und starteten eine Petition: Unter dem Motto „Verhütung für alle besser machen!“ kann man seit Montag seine Unterschrift für eine gerechtere Verhütung setzen. Die beiden Gründerinnen der Initiative „Better Birth Control“ fordern in ihrer Petition dabei Verschiedenes: Gleichberechtigung, also, dass auch Verhütungsmittel für Männer massentauglich werden, aber auch, dass die bereits vorhandenen Mittel für Frauen weiterentwickelt und alle Verhütungsmittel kostenfrei sein sollen.

Bei Verhütung sind sich eigentlich alle einig

Jana und Rita haben sich 2020 bei ihrer Arbeit im Europäischen Parlament kennengelernt, Jana arbeitete als Referentin für  die Vizepräsidentin Katarina Barley (SPD), Rita machte dort ein Praktikum. Bei einem gemeinsamen (prä-Corona-) Abend mit anderen Praktikant*innen sei man auf das Thema Verhütung gekommen – und überraschenderweise habe es einen parteiübergreifenden Konsens gegeben, selbst mit den konservativen Gleichaltrigen: So wie Verhütung gerade abläuft, ist es nicht gerecht. „Das ist das Schöne“, sagt Jana am Telefon gegenüber jetzt, „eigentlich spricht sich parteiübergreifend niemand gegen eine bessere Verhütungssituation aus.“ Sie habe sich dann aber auch gewundert, warum denn bei diesem Thema politisch gerade nichts vorangeht. 

Zwei Erklärungen habe sie dafür gefunden: Zum einen sei es ein junges Thema: „Ich würde sagen, dass Verhütung etwas ist, worüber sich vor allem Menschen unter 35 Jahren Gedanken machen.“ In Parlamenten würden aber eher ältere Personen sitzen. Tatsächlich liegt der Altersdurchschnitt im Bundestag bei knapp 50 Jahren. „Die muss man vielleicht daran erinnern: Verhütung ist ein wichtiges Thema.“ Zum anderen läge es aber wohl auch daran, dass es für die Problematik keine Interessenverbände gäbe, zumindest keine, die das Thema priorisieren würden. „Da dachten wir, dass wir die Lücke auffüllen können.“

Nicht nur Politiker*innen unterstützen das Projekt

Die Petition wird von den Menschen gut angenommen, zumindest wurde sie innerhalb weniger Stunden von mehr als 7000 Menschen unterzeichnet (Stand Montagnachmittag). Das liegt vermutlich auch an dem starken Unterstützer*innen-Team, das Jana und Rita im Vorhinein schon aufgebaut haben. Unter anderem gehört Katarina Barley dazu, aber auch Erik Marquardt (Grüne), Kerstin Kassner (Linke), Terry Reintke (Grüne), so wie einige prominentere Internetpersönlichkeiten, wie Twitter-Star Sebastian Hotz (El Hotzo), Journalistin Yasmine M'Barek, Influencerin Louisa Dellert und noch viele mehr. Jana zufolge hat sich zwar noch kein*e konservative Politiker*in öffentlich hinter das Projekt gestellt, sie seien ihnen aber willkommen. 

Es gehe nicht nur darum, dass die Petition irgendwann auf dem Schreibtisch von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) lande, sagt Jana, stattdessen brauche man politische Verbündete, die sich für die Verbesserung der Verhütungssituation stark machen: „Wir müssen es schaffen, dass Politik und Pharmaindustrie aufmerksam auf das Thema werden.“

„Jeder Mensch hat das Recht, über den eigenen Körper, seine Sexualität und damit einhergehende Verhütung zu bestimmen“, so steht es auf der Webseite von Better Birth Control“. „Das darf nicht von Finanzen oder Geschlecht abhängen“, sagt Jana. Es sei eben nicht nur ein medizinisches Randthema. Sicherer Sex gehe alle etwas an.

mpu

*Nicht jeder Mensch, der menstruiert, ist eine Frau und nicht alle Menschen, die Spermien produzieren, sind Männer. „BetterBirthControl“ schreibt auf der eigenen Webseite dazu: „Wir wissen, dass das Thema, unsere Website und die Inhalte tendenziell binär dargestellt werden. Wir arbeiten an einer Lösung, allen Menschen sprachlich gleichermaßen gerecht zu werden. Wir fordern eine bessere Verhütung für alle und dazu zählen alle Menschen, egal ob Cis, Trans oder Nichtbinär.“

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