„In ein paar Monaten sind meine Ersparnisse aufgebraucht“

Vier Studierende erzählen, wie Corona ihre finanzielle Situation belastet.
Protokolle von Sophie Aschenbrenner und Niko Kappel

Fotos: Privat / Bearbeitung: jetzt

Wegen der Corona-Krise haben viele Studierende gerade keinen Job mehr. Kellner*innen, Barkeeper*innen und Museumsführer*innen können schlecht im Home-Office arbeiten. Viele Studierende finanzieren mit Nebenjobs ihr Studium, manche von ihnen haben seit Wochen keine Einkünfte mehr. Bis jetzt gibt es von der Bundesregierung kein Hilfspaket für Studierende. Wie finanzieren sie gerade ihr Leben? Was für Alternativen haben sie und wie geht es ihnen in ihrer Situation gerade? Wir haben mit vier Studierenden gesprochen, die durch Corona nicht mehr oder nur noch eingeschränkt arbeiten können.

„Ich bin auf das Geld angewiesen“

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Sophie, 20, aus München, studiert Kunstgeschichte im Bachelor und arbeitet in einem Museum in München:

„Ich arbeite in der Pinakothek der Moderne in einem Programm, in dem Kindern Kunst näher gebracht wird, zum Beispiel durch Führungen und Workshops. Ich mache das freiberuflich. Wenn ich nicht arbeite, kriege ich kein Geld. Insgesamt verdiene ich pro Monat 300 bis 450 Euro. In den Sommerferien haben wir außerdem ein Ferienprogramm, bei dem ich 40 Stunden pro Woche arbeite, von dem Geld lege ich immer etwas zurück. Ob dieses Programm diesen Sommer stattfinden wird, ist natürlich auch unsicher. Vor anderthalb Monaten habe ich das letzte Mal gearbeitet und ich vermisse den Job schon total. Und ich bin in München auf das Geld angewiesen. Ich bekomme kein Bafög und werde zusätzlich von meinen Eltern unterstützt. 

Wann ich wieder anfangen kann zu arbeiten, ist nicht klar. Dafür müssen die Museen wieder geöffnet sein, und auch die Kitas und Schulen. Außerdem wäre es sehr schwierig, mit den Kindern die Abstandsregeln einzuhalten. Und digital kann man den Job auch eher schlecht machen. Langfristig ginge es aber nicht ohne Job, ich müsste mir dann etwas Neues suchen. Ich verstehe natürlich, dass es diese Führungen jetzt nicht geben kann. Es gibt gerade so vieles, das neu geregelt werden muss. Ich fände es schon super, wenn Studierende auch vom Staat mehr unterstützt würden. Vor allem diejenigen, deren Eltern frei arbeiten oder in Kurzarbeit müssen.“

„Das Virus hat mir meine Jahresplanung ziemlich versaut“

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Ivo, 24, aus Stuttgart, studiert Physik und arbeitet auf der Messe:

„Eigentlich würde ich jetzt gerade auf der Messe in Stuttgart stehen. Aber wegen Corona ist die abgesagt worden. Ich arbeite parallel zu meinem Physik-Studium für ein Projekt des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg. Wir haben einen Stand auf Messen rund um das Thema Mobilität. An dem beantworten wir Fragen zur Verkehrswende, dem autonomen Fahren und der Elektromobilität. Man verdient dort ziemlich gut, deswegen konnte ich zum Glück durch die vergangenen Messen etwas sparen. Momentan bin ich also noch nicht in finanzieller Not. Es kommt aber natürlich darauf an, wie lange der Lockdown noch geht. In ein paar Monaten sind meine Ersparnisse aufgebraucht. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass bald wieder Messen veranstaltet werden.

Meinen Bachelor habe ich gerade abgeschlossen und studiere jetzt im Master Physik in Stuttgart. Eigentlich wollte ich im April den Master wechseln und Audiologie in Oldenburg studieren. Wegen der Pandemie hat sich das jetzt erst mal verschoben. Bei der derzeitigen Lage will ich nicht in eine neue Stadt ans andere Ende des Landes ziehen. Wie soll man denn jetzt eine Wohnung oder neue Freunde finden? Deshalb studiere ich jetzt erst mal weiter Physik. Das Virus hat mir also meine Jahresplanung ziemlich versaut. Aber ich bin froh, dass ich gesund bin und momentan noch keine finanziellen Probleme habe. Da ich wegen des Lockdowns weniger Ausgaben habe, komme ich mit meinen Ersparnissen und dem Bafög gut hin.“

„Ich habe meiner Chefin gesagt, dass ich mehr arbeiten muss, sonst kann ich meine Miete nicht zahlen“

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Alena, 22, aus Stuttgart, studiert Kommunikationsdesign und arbeitet als Kellnerin in einer Pizzeria:

„Parallel zu meinem Studium arbeite ich in einer Pizzeria. Als die Gastronomiebetriebe landesweit geschlossen wurden, schrieb mir meine Chefin, dass wir auch zu machen, wir haben keinen Lieferservice. Ich hatte Angst, weil ich von diesem Nebenjob mein Studium finanziere. Zum Glück machen wir jetzt doch weiter Pizza auf Bestellung. Ich kann also wieder arbeiten, bekomme aber viel weniger Schichten als sonst. Im Service arbeiten wir  immer zu zweit oder zu dritt und geben die bestellten Pizzen an die Kunden raus, die sie im Laden abholen. Wir achten sehr auf Hygiene, die Kunden sind aber trotzdem sehr verunsichert. Die Menschen wollen mit Karte zahlen und wir halten Abstand.

In der Pizzeria arbeiten 50 Leute, wir haben über 150 Sitzplätze. Meine Chefin hat uns nach dem Lockdown gebeten, dass jeder ihr kurz seine finanzielle Situation darlegt, sodass sie entscheiden kann, wer die Schichten am nötigsten hat. Sonst arbeiten bei uns teilweise zehn Leute im Service, jetzt sind es maximal noch drei. Unsere Chefin lässt den Laden eigentlich nur wegen der Mitarbeiter und der laufenden Kosten offen. Wir machen keinen Gewinn mehr. 

Eigentlich wollte ich vor den Semesterferien mehr Schichten machen, damit ich ein bisschen Geld sparen kann. Ich habe meiner Chefin gesagt, dass ich mehr arbeiten muss, sonst kann ich meine Miete nicht zahlen. Ich bekam dann für den April zum Glück mehr Schichten. So kann ich meine Miete bezahlen, aber finanziell ist es gerade schon sehr knapp. Ich finde, dass in Deutschland sehr viel für die Menschen in der Corona-Krise getan wird. Dafür bin ich dankbar. Aber für Studierende ist es trotzdem schwierig, weil die Hilfen nicht für 450-Euro-Kräfte gelten. Ich hoffe, dass da noch eine Regelung gefunden wird. Unterstützung könnte ich auf jeden Fall gebrauchen.“

„Es wäre gut, wenn das Bafög erhöht werden würde“

Foto: Privat

Lena, 22, aus Tübingen, studiert  Kultur- und Medienwissenschaften und arbeitet als Aufsicht in der Institutsbibliothek:

„Ich arbeite einmal pro Woche als Aufsicht bei uns in der Institutsbibliothek. Die ist aber jetzt erst mal auf unbestimmte Zeit geschlossen. Ich arbeite dort nur vier Stunden pro Woche, verdiene also etwa 180 Euro pro Monat. Ich bin zum Glück nicht abhängig von dem Geld, aber es ist natürlich schön, es zu haben. Ich verwende es, um einen Teil meiner Miete zu bezahlen. Bafög bekomme ich nicht, ich habe viel Erspartes von früheren Jobs und werde von meinen Eltern unterstützt. Trotzdem finde ich es sehr schade, dass der Job jetzt erst mal weg ist. In den Semesterferien hätte ich ohnehin nicht gearbeitet, weil ich ein Praktikum gemacht habe. Das letzte Mal war ich also vor den Ferien dort. Gerade ist noch unsicher, wann das Institut wieder öffnet und ob wir dann alle wieder dort arbeiten können. Insgesamt arbeiten dort sieben Studierende. Wenn ich im kommenden Semester gar nicht dort arbeiten kann, muss ich mir was anderes suchen, auch wenn das schwierig werden könnte. Aber ich denke, zum Beispiel im Supermarkt werden ja gerade Arbeitskräfte gesucht.

Ich wünsche mir, dass die Politik sich mehr mit den Problemen beschäftigt, die Studierende jetzt haben. Es wäre gut, wenn das Bafög erhöht werden würde, vor allem während der Corona-Krise. Denn die Eltern vieler Studierender haben jetzt durch Kurzarbeit und andere Maßnahmen auch weniger Geld und können ihre Kinder schlechter unterstützen als vor der Krise.“

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