Fiete wurde von seinem Rektor angezeigt, weil er ihn in seiner Abiball-Rede kritisiert hatte

Viele solidarisieren sich mit ihm, auch Jan Böhmermann. Hier erzählt er, wie es nun weitergehen soll.
Interview von Magdalena Pulz
fiete korn cover

Foto: Stefan Sauer / dpa

Der 18-jährige Fiete Korn hat für seine Abiball-Rede bundesweit Aufmerksamkeit bekommen – und das obwohl seine Ganztagsschule mit nur etwa 450 Schüler*innen in der mecklenburgischen Gemeinde Prerow alles andere als berühmt ist. In der Rede hatte Fiete durch ironische Dankbarkeit mit dem Schulleiter abgerechnet: „Ich möchte ihnen danken für Kommunikation, die oft nicht vorhanden war“, heißt es darin etwa. Fietes Liste der Anschuldigungen ist lang, der Rektor habe ein Klima der Angst und Einschüchterung erzeugt. Laut dem Abiturienten habe der Rektor ihn nun sogar wegen „übler Nachrede“ angezeigt. Der Schulleiter sagte der „Ostsee-Zeitung“ später, dass nichts dran sei an Fietes Vorwürfen. Im Internet schreiben jedoch viele, Fiete habe „Rückgrat bewiesen“. Auch Jan Böhmermann sprach seine Unterstützung für den 18-Jährigen aus, indem er ihm öffentlich ein Praktikum anbot. Die Bild berichtet nun, dass der Schulleiter die Schule verlasse. Als Grund wurde demzufolge jedoch das Alter des Rektors genannt.

Wie es im Streit weitergeht, ob er ein Praktikum bei Böhmermann machen wird, und weshalb er kein Mitleid mit seinem Rektor hat, erzählt Fiete im Interview.

jetzt: Fiete, als du deine Rede gehalten hast – dachtest du da, dass sie solche Konsequenzen haben würde?

Fiete Korn: Eigentlich dachte ich vor allem: Der kann mir ohnehin nichts mehr. Aber ich habe schon auch erwogen, dass er mich vielleicht anzeigen könnte. Und tatsächlich war die Anzeige ja dann auch etwa eine Woche später in meinem Briefkasten.

Machst du dir jetzt Sorgen, dass du bestraft werden könntest?

Kaum. Denn ich nehme an, dass das Verfahren von der Staatsanwaltschaft wegen Nichtigkeit eingestellt wird. Ich bin also vor allem sehr verwundert. Man merkt ja: Er schießt sich damit mehr ins eigene Bein als alles andere. 

Hätte dein Rektor nach der Rede denn überhaupt richtig reagieren können?

Er hätte direkt nach vorne kommen müssen, und sagen, dass er an den Problemen arbeitet. Mindestens das. Aber es kam nichts, er hat nicht einmal mit mir geredet.

Die Stelle deines ehemaligen Rektors ist wohl für das nächste Schuljahr ausgeschrieben worden. Ob das etwas mit dir zu tun hat, ist unklar, dein Schulleiter hat auf Anfrage von jetzt nicht geantwortet. Was sagst du dazu?

Richtig gut, wenn ich so schnell etwas bewirkt haben sollte. 

Du hast ihn ja inzwischen nicht nur  vor der Schule konfrontiert sondern vor der gesamten Bundesrepublik. 

Er ist quasi geächtet, ja. Was ich gut finde: Je größer die Aufmerksamkeit, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass sich etwas ändert. 

Hast du darüber in den vergangenen Tagen nachgedacht? Dass er wegen dieser Rede nun „geächtet“ ist?

Ja. Und es tut mir nicht leid. In unserer Schulzeit ist so viel schiefgelaufen. Wäre er ein besserer Schulleiter gewesen, hätte ich nicht diese Rede halten müssen.

Hast du dich denn selbst von deinem Rektor ungerecht behandelt gefühlt?

Ich war sicher kein Engel in der Schule, ich bin schon ein paar Mal auffällig geworden. Einmal habe ich etwa eine Lehrerin „lächerlich“ genannt. Insgesamt saß ich aber etwa zehnmal beim Rektor im Büro. Bei diesen Gelegenheiten hat er sich mir gegenüber oft unangebracht verhalten. Etwa gefragt, was ich ihm über andere Schüler erzählen kann. Und er hat mir auch einmal in einem Vier-Augen-Gespräch klar gemacht, dass er mir jegliche Jobchancen bei staatlichen Einrichtungen verwehren kann und würde, wenn ich mich nicht bessere. Da habe ich gesagt: Mensch, gut, dass ich nicht zum Bund will. 

Kann es sein, dass einfach nur du ein persönliches Problem mit ihm hast?

Nein, da bin ich mir sehr sicher. Ich war aus meiner Klasse auch nicht die Person, die am häufigsten beim Rektor war. Auch nach der Rede habe ich eigentlich nur positive Rückmeldung bekommen. Meine Klasse stärkt mir da gut den Rücken, mich fragen etwa auch Leute, mit denen ich bisher nicht so viel zu tun hatte, wie es mir mit der Situation geht. Auch meine Eltern stehen hinter mir.

Deine Rede wirft jetzt auch ein merkwürdiges Licht auf die gesamte Schule. War das beabsichtigt?

Nein, es geht mir nicht darum, die Schule zu kritisieren. Es geht nur um den Schulleiter, nicht um das Konzept meiner Ganztagsschule. Auf Focus online habe ich einen Leser-Kommentar gelesen, dass die Schule esoterisch-religiös sei. Das ist völliger Unsinn. Es ist eine freie Privatschule, in der ansonsten ganz normal unterrichtet wird.

Wie gehst du mit der ganzen Aufmerksamkeit um?

Es ist aufregend, mit der Presse zu reden, das macht auch Spaß. Ich versuche mich dann so gut es geht, klar auszudrücken. Aber ich wünschte, ich hätte der Bild kein Interview gegeben, weil das ist einfach nicht das Blatt meines Vertrauens.  

Einen unerwarteten Nebeneffekt hatte die ganze Sache ja für dich: Böhmermann hat dir einen Praktikumsplatz angeboten. Trittst du den an?

Ja, auf jeden Fall. Das ist eine Chance, die man nur einmal bekommt. Da überlege ich nicht lange. Ich habe ihm auf Twitter geantwortet, dann hat er mir nochmal eine Direkt-Nachricht geschickt, und heute telefoniere ich mit der Personalabteilung.

Ist das Praktikum ein langersehnter Traum von dir?

Ich kann es mir schon gut vorstellen! Eigentlich wollte ich nach dem Abitur Richtung Handwerk gehen, aber das lasse ich mir nicht entgehen.

Und Politiker, wäre das eine Perspektive für dich?

Später sicher, ja. Ich bin politisch interessiert, aber ich habe mich noch für keine Partei entschieden.

Edit: In einer früheren Version des Interviews stand noch nicht, dass besagter Schulleiter die Schule verlassen soll. Dies haben wir ergänzt, nachdem die Bild darüber berichtet hatte.

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