Studierende protestieren für mehr staatliche Unterstützung

Viele Studierende geraten wegen der Corona-Krise in finanzielle Not. Einige von ihnen gehen deshalb am Montag auf die Straße.
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Foto: Lukas Eichinger

„Wir fühlen uns alleingelassen“ – das sagt Paul Senff, wenn man ihn fragt, wieso er am Montag in Dresden für mehr Corona-Hilfen für Studierende demonstriert hat. Der 23-Jährige studiert Mathematik und ist Sprecher der Konferenz Sächsischer Studierendenschaften (KSS). Er wünscht sich, dass die Regierung Studierende während der Corona-Krise effektiver unterstützt.

Nicht nur in Dresden, auch in Bonn, Hannover, Potsdam, Mainz und Wiesbaden waren an diesem Montag Studierende auf der Straße. Die Hilfsmaßnahmen der Regierung halten sie für „unzureichend“. „Um eine Bildungskatastrophe zu verhindern, muss den vielen in Not geratenen Studierenden endlich geholfen werden“, heißt es in einer Mitteilung des Studierendenrates in Dresden. Nach den dezentralen Kundgebungen am Montag ist am 20. Juni eine große, zentrale Kundgebung in Berlin geplant. 40 Prozent der 2,9 Millionen Studierenden in Deutschland haben während der Corona-Krise ihren Job verloren. Das hat eine repräsentative Umfrage des Personaldienstleisters Zenjob im Mai ermittelt. Das bedeutet der Studie zufolge, dass 22 Prozent der Studierenden in ernste finanzielle Schwierigkeiten geraten sind.

„Wir sind die Krisen-Manager*innen der Zukunft“

Studierende können seit Anfang Mai bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ein Darlehen in einer Höhe von bis zu 650 Euro im Monat beantragen. Dieses Darlehen ist bis Ende März 2021 zinsfrei, die Rückzahlung beginnt spätestens 23 Monate nach der letzten Auszahlung. Dies wurde bereits in den vergangenen Wochen immer wieder scharf kritisiert. Gegenüber jetzt bezeichnete ein Experte der Gewerkschaft ver.di die Hilfen als „neues Verschuldungsprogramm für Studierende“ und fordert stattdessen eine Soforthilfe in Form eines finanziellen Zuschusses.

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Zum Protest in Dresden kamen am Montag etwa 20 Menschen – mehr sollten es wegen der Corona-Pandemie auch nicht sein, sagt Paul.

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Foto: Lukas Eichinger

Der Bund hat als Soforthilfe bisher eine Million Euro für Studierende in finanzieller Notlage zur Verfügung gestellt. Das reiche nicht, kritisieren Betroffene. Sie fordern mehr Geld, außerdem eine Öffnung des Bafögs für alle Studierenden. Eine entsprechende Petition haben bisher mehr als 20 000 Menschen unterschrieben. In den Kommentaren beschreiben Studierende, wie sich die Krise auf ihre finanzielle Situation auswirkt. „Ich selbst finanziere mich über zwei kleine Jobs, bekomme kein Bafög und keine elterliche Unterstützung. Diese Krise ist für mich daher existenzbedrohend“, schreibt einer. Eine andere berichtet: „Mein Arbeitgeber hat alle Angestellten unbezahlt freigestellt, ich bekomme kein Bafög und auch sonst keine Leistungen. Ich weiß nicht, wie ich meine Rechnungen bezahlen soll.“

Auch in den sozialen Medien ist der Protest sichtbar: Unter dem Hashtag #studihilfejetzt teilen die Protestierenden ihre Eindrücke und Forderungen:

„Man studiert ja nicht einfach so, man will der Gesellschaft ja was zurückgeben“, sagt Paul Senff. „Wir sind die Krisen-Manager*innen der Zukunft. Viele haben ihr Studium aus finanziellen Gründen schon abgebrochen. Wenn nicht mehr Hilfen kommen, werden das sicherlich noch mehr werden.“

soas

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