In Australien regnet es Karotten für hungernde Kängurus

Nur ein Beispiel für die vielen Hilfsmaßnahmen vor Ort. Doch es werden auch gezielt Tiere abgeschossen.
karotten wallaby

Foto: NSW DPIE / Reuters

Kängurus, die nicht schnell genug vor dem Feuer davonhüpfen können. Verkohlte Koalas, die von Passant*innen gerettet werden. Spätestens diese Bilder der australischen Buschfeuer haben in den vergangenen Wochen gezeigt, wie wichtig ein solidarisches Miteinander in Zeiten der Katastrophe ist.

Das Umweltministerium von New South Wales hat nun eine neue Maßnahme eingeleitet: Karottenbomber für Kängurus. In den vergangenen Tagen flogen Hubschrauber über den Südosten Australiens, um Kängurus aus der Luft mit tonnenweise Karotten und Süßkartoffeln zu versorgen. Die Tiere sind Pflanzenfresser. Viele, die das Feuer überstanden haben, drohen nun zu verhungern. Umweltminister Matt Kean zeigt sich in einem Tweet erfreut über die „Operation Felskänguru“ des National Parks and Wildlife Service (NPWS): 

Es gibt aber auch Tiere, die nun wegen der extremen Dürre systematisch getötet werden: Kamele. Sie verunreinigen das Trinkwasser des Gebiets Anangu Pitjantjatjara Yankunytjatjara (APY), in dem vor allem indigene Gruppen leben, und plündern deren ohnehin knappen Lebensmittelvorräte. „Sie ziehen durch die Straßen, auf der Suche nach Wasser. Wir sorgen uns um die Sicherheit unserer kleinen Kinder“, sagte eine Anwohnerin gegenüber der BBC. Vom Hubschrauber aus sollen im Bundesstaat South Australia daher mehrere Tausend Kamele erschossen werden. Kamele sind in Australien eigentlich nicht heimisch, sondern kamen während des 19. Jahrhunderts mit den Brit*innen auf den Kontinent. Angesichts der anhaltenden Dürre und der großen Kamelherden, die die Bevölkerung und die Infrastruktur des APY-Gebiets bedrohten, sei eine unmittelbare Kamel-Kontrolle nötig, sagte Richard King, der das Gebiet leitet. Auch einige Wildpferde sollen aus diesem Grund abgeschossen werden.

Hilfsbereitschaft von allen Seiten

Viele Australier*innen zeigen jetzt ihre Hilfsbereitschaft und bringen beispielsweise verletzte Tiere zu Auffangstationen. Zwei Teenager zogen etwa auf der südaustralischen Insel „Kangaroo Island“ los und sammelten verletzte Koalas ein. Eine Gruppe Radfahrer*innen gab einem verdurstenden Koala Wasser. Er kletterte zu einer Fahrerin aufs Fahrrad.  Der Besitzer des Wildtierreservats auf „Kangaroo Island” bleibt in seiner eigentlich schon evakuierten Stadt, um weiterhin Tiere zu retten und zu behandeln. Helfen will auch die Münchnerin Julia Sesto. Sie strickt zusammen mit anderen Menschen aus der Facebook-Gruppe „Deutschland hilft Australiens Wildtieren!“ Hilfsgüter zum Transport von verletzten Tieren: Wickeltücher für verwaiste Flughunde, Umhängetaschen für Kängurus und Handschuhe für verbrannte Koalapfoten. Ende Januar sollen die Handarbeiten nach Australien verschickt werden.

Der Süden Australiens brennt weiter, die Feuer haben sich zu einem „Mega-Feuer“ vereint. Der größte Buschbrand ist nun aber unter Kontrolle. Mehr als 10 Millionen Hektar – eine Fläche vergleichbar mit Bayern und Baden-Württemberg zusammen – sind seit Beginn der Brände im Oktober 2019 verbrannt. Es ist das wärmste und trockenste Jahr Australiens seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Der Zusammenhang zwischen den geringen Niederschlägen, der Trockenheit und den Bränden sei deutlich, sagt das Amt für Wetterkunde.

cku

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