Umstrittenes Steinkohlekraftwerk von Aktivist*innen besetzt

So wollen sie verhindern, dass es bald ans Netz geht.

Foto: Leon Kuegeler/Reuters

„Wir sind die Profis“ und „Noch 20 Jahre eure Profite statt unsere Zukunft“: Plakate wie diese hängen seit Sonntagmorgen von den Anlagen des umstrittenen Steinkohlekraftwerks Datteln 4. Mehr als 100 Aktivist*innen haben sich laut Polizei in den frühen Morgenstunden Zugang zu dem Gelände verschafft. Die Aktivist*innen blockierten teilweise Förderbänder.

Kathrin Henneberger von der Protestbewegung „Ende Gelände“ sprach von über 150 Aktivisten und Aktivistinnen vor Ort. „Wir können es nicht zulassen, dass angesichts der Klimakrise ein neues Kohlekraftwerk ans Netz geht.“ Sie kritisierte die Bundesregierung für die geplante Umsetzung des Kohleausstiegs, weil es zu zusätzlichen CO2-Emissionen kommen werde. „Deswegen ist es jetzt ganz wichtig, dass alle aktiv werden, gemeinsam gegen dieses neue Kohlekraftwerk kämpfen. Denn dieses Kohlekraftwerk, das wird der letzte Sargnagel sein für unsere Zukunft.“

Auf dem Twitter-Account von „Ende Gelände“ werden immer wieder Bilder von der Besetzung veröffentlicht.

Datteln 4 gehört dem Energiekonzern Uniper und soll im Sommer in Betrieb genommen werden. Das Kraftwerk soll dann bis 2038 laufen – dem festgelegten Ausstieg aus der Kohleverstromung in Deutschland. Uniper steht wie der Konkurrent RWE in der Kritik von Umweltschützer*innen. Die ehemalige E.ON-Kraftwerkstochter hatte 2018 rund 59,5 Millionen Tonnen CO2 in die Luft geblasen, RWE etwa doppelt soviel. Kritiker*innen werfen der Bundesregierung vor, beim Kohleausstieg zu unambitioniert vorzugehen.

In den vergangenen Jahren wurden immer wieder Anlagen großer Energiekonzerne besetzt, um auf deren Auswirkungen auf unser Klima hinzuweisen. Im vergangenen Sommer verbrachten Tausende Aktivist*innen von „Fridays for Future“ aus ganz Europa mehrere Tage in einem Protestcamp von „Ende Gelände“, um friedlich für Klimaschutz zu demonstrieren.

Doch die rasant wachsende Klimaschutzbewegung hat auch viele Gegner*innen. Im Dezember erregte ein Bild deutschlandweite Aufmerksamkeit, auf dem neun Polizist*innen aus Brandenburg vor dem Schriftzug „Stoppt Ende Gelände“ posierten. Neben dem Graffito war groß ein Flusskrebs abgebildet ­– unter anderem ein Zeichen der rechtsextremistischen Kampagne „Defend Cottbus“, die in enger Verbindung zur sogenannten „Identitären Bewegung“ steht. Gegen die Beamt*innen läuft ein Disziplinarverfahren.

pwe (mit Material von Reuters)

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