Wie geht es weiter mit „Fridays for Future“?

Weiter friedlich demonstrieren oder radikaler werden? Unsere Autorin war bei den Klima-Protesten im Rheinland dabei.
Von Nadja Schlüter

Verschiedene Methoden, gleiches Ziel: Demonstrant*innen von „Fridays for Future“ am Tagebau Garzweiler und eine Aktivistin von „Ende Gelände“, die die Gleise einer Kohlebahn besetzt.

Foto: Foto: Getty Images/Sascha Schuermann, dpa/Christoph Reichwein Bearbeitung: jetzt

Am späten Samstagnachmittag singen Jugendliche im Aachener Hauptbahnhof einen Protestsong zur Melodie des Karnevalshits „Viva Colonia“: „Da simma dabei, für das Klima, Braunkohlegegner! Wir gehen in die Grube und auf den Bagger drauf, und sehen wir ne Schiene, dann setzen wir uns drauf.“ Sie kommen gerade von der „Fridays for Future“-Demo am Tagebau Garzweiler – demnach ist niemand von ihnen „in die Grube“ gegangen, sonst wären sie jetzt nicht hier. Der Tagebau wird in diesen Momenten vom Klimaschutzbündnis „Ende Gelände“ besetzt und die Sänger*innen hier im Bahnhof haben von der Kante aus beobachten können, wie Hunderte Aktivist*innen in weißen Maleranzügen gegen den Widerstand der Polizei in die Braunkohlegrube eingedrungen sind. Marvin, ein 19-jähriger Schweizer, steht auf dem Bahnhofsvorplatz und hat ein müdes Grinsen im Gesicht. „Ich bin super glücklich. Viele von ,Ende Gelände’ sind in die Grube gekommen, das war ein erfolgreicher Tag!“, sagt er.

Am 20. August 2018 hat Greta Thunberg zum ersten Mal alleine vor dem schwedischen Parlament für mehr Klimaschutz gestreikt. Seitdem ist aus „Fridays for Future“ (FfF) eine globale Bewegung geworden: Jeden Freitag gehen Schüler*innen auf die Straße statt in die Schule und fordern von Politik und Wirtschaft konkrete Maßnahmen, um die Erderwärmung auf unter zwei Grad zu begrenzen. Bei einer global organisierten FfF-Demo am 15. März 2019 haben mehr als 1,5 Millionen Menschen an den Demos teilgenommen. In Deutschland gab es die ersten Streiks im Dezember 2018, spontan und eher klein, mal mit 50 Schüler*innen in Köln, mal mit 150 in Berlin.

Seitdem hat sich einiges getan: Heute gibt es um die 500 Ortsgruppen, die sich über Telefonkonferenzen und Whatsapp-Gruppen vernetzen. Die 23-jährige Studentin Luisa Neubauer ist so etwas wie „die deutsche Greta Thunberg“ geworden, sitzt in Talkshows und spricht auf Konferenzen. Im April veröffentlichte FfF Deutschland einen Forderungskatalog an die Politik. Und für den vergangenen Freitag hatte die Bewegung Gruppen aus ganz Europa zu einem zentralen Streik nach Aachen eingeladen. Nach eigenen Angaben protestierten dort 40 000 Menschen aus 17 Ländern, Beobachter*innen sprachen von 20 000. Teilnehmer*innen reisten mit Sonderzügen an, bei der Abschlusskundgebung spielten Culcha Candela und ein Parkhaus am Aachener Stadion wurde zur Jugendherberge.

FfF ist in den vergangenen Monaten also gewachsen und professioneller geworden. Nun stehen die ersten Sommerferien seit Entstehung der Schülerbewegung an. Wie geht es danach weiter? Manche Expert*innen sehen die Schüler*innen jetzt am Scheideweg: Werden sie weiterhin wöchentlich Streiks organisieren? Oder sind sie nach sechs Monaten, in denen es ausgedehnte Diskussionen um die Schulpflicht, aber kaum Fortschritte beim Klimaschutz gab, frustriert und geben auf? Oder greifen sie im Gegenteil zu härteren Maßnahmen, werden Straßenkreuzungen besetzen wie die radikaleren Klimaschützer von „Extinction Rebellion“, oder Braunkohlegruben wie „Ende Gelände“?

„Wir werden als Bewegung nicht ernst genommen, obwohl wir so unglaublich viel da rein investieren“, sagt Jana

Auf einer großen Wiese bei Viersen steht am vergangenen Donnerstag ein rot-weißes Zirkuszelt, es gibt eine Rechtsberatung, eine Feldküche und extra „Durchfallklos“ („Nur benutzen, wenn krank“). Hier, im Protestcamp von „Ende Gelände“ werden bis zu 6000 Aktivist*innen aus ganz Europa erwartet. Es ist, wie auch der FfF-Streik in Aachen, Teil der Aktionstage, an denen über das lange Fronleichnams-Wochenende im ganzen rheinischen Braunkohlerevier Proteste von verschiedenen Klimaschutz-Bündnissen stattfinden. Im Camp können sich Aktivist*innen in mehrstündigen Trainings gemeinsam auf den zivilen Ungehorsam vorbereiten, den „Ende Gelände“ für die kommenden Tage plant: Polizeiketten durchbrechen (oder wie sie hier sagen: durchfließen), Gleise besetzen, in einen Braunkohle-Tagebau von RWE eindringen. Ohne Vorbereitung, das betont „Ende Gelände“ immer wieder, solle niemand in die Grube gehen, denn das kann lebensgefährlich sein, der Hang ist oft steil und rutschig. Zudem hat es bei den Aktionen immer wieder Konflikte mit der Polizei gegeben, die auch Pfefferspray und Schlagstöcke gegen die Aktivist*innen einsetzte.

Aktivistin Jana (2. v. l.) beim Aktionstraining im Klimacamp.

Foto: Nadja Schlüter

Im Camp trainierten die Aktivist*innen von „Ende Gelände“, Gleise und Kohlegruben zu besetzen.

Foto: Nadja Schlüter

Respektbekundung für FfF im „Ende Gelände“-Camp

Foto: Nadja Schlüter

Am Pressezelt des Camps lehnt ein Schild, auf dem „Ihr Schüler habt Recht“ und „Danke + Respekt“ steht. Ein junger Mann ergänzt mit schwarzem Filzstift ein „*innen“ hinter „Schüler“ und betrachtet zufrieden sein Werk. Jana Boltersdorf, eine 17-Jährige mit blonden Locken, ist eine dieser Schüler*innen. Sie trainiert im Camp schon für ihre vierte Blockade-Aktion. Seit einem halben Jahr ist sie auch bei FfF Köln aktiv, und etwa zehn weitere Mitglieder ihrer Ortsgruppe haben sich in diesem Jahr ebenfalls „Ende Gelände“ angeschlossen. „Der Schulstreik kann ein Einstieg in die Klimagerechtigkeitsbewegung sein“, sagt Jana, als sie sich auf einer Bierbank neben dem Pressezelt ausruht. Sie glaubt, dass der Protest auf der Straße vielen bald nicht mehr reichen wird, wenn sich politisch nichts ändert. „Wir werden als Bewegung nicht ernst genommen, obwohl wir so unglaublich viel da rein investieren. Da fühlt man sich schlussendlich einfach verarscht und dadurch wächst der Wunsch, dort etwas gegen die Zerstörung zu tun, wo sie beginnt.“ Damit meint sie: in den Kohlegruben des rheinischen Reviers, der größten CO2-Quelle Europas.

Einer von Janas Kritikpunkten an FfF ist der große Zuspruch von allen Seiten, mittlerweile auch von fast allen Politiker*innen. „Ich hab mal irgendwo das Zitat gelesen: FfF ist die erste Bewegung, für die alle sind“, sagt sie. „Das ist total kritisch, weil es dadurch den rebellischen Spirit verliert.“ Heißt: Die Schüler*innen werden von allen gelobt und gepampert, aber dadurch auch verharmlost, und niemand zieht Konsequenzen aus ihrem Protest. Das kann für Frust sorgen.

Vermummte Aktivist*innen dringen in ein Gebäude ein und entrollen ein Transparent: „Besetzt for Future“

Am Freitag, beim europäischen FfF-Streik in Aachen, wirken die Teilnehmer*innen allerdings nicht frustriert, sondern hochmotiviert. Die Demo ist laut, bunt und friedlich, wie bisher immer. Ein Wagen mit einer Brass-Band führt sie vom Bahnhof aus an in Richtung Stadion. Die Teilnehmer*innen sind mehrheitlich jung, aber man sieht auch Senior*innen und Eltern mit Kleinkindern. Eine junge Frau trägt ein Kleid aus Plastikmüll und sagt lachend, dass sie darin leider sehr schwitze. Nur zwei Aktionen gehen an diesem Tag über den Streik hinaus: Kletterer, darunter Kinder, entern eine Brücke und hissen Banner mit Klimaschutz-Slogans. Und einige Stunden lang besetzt eine Gruppe die „Bastei“, einen leerstehenden Club. Vermummte Aktivist*innen halten Rauchfackeln aus den Fenstern und entrollen ein Transparent, auf dem „Besetzt for Future“ steht.

Nach Angaben der Veranstalter demonstrierten am Freitag in Aachen 40 000 Menschen aus ganz Europa für mehr Klimaschutz.

Foto: Nadja Schlüter

Auch mit beim Streik: antikapitalistische Banner.

Foto: Nadja Schlüter

Protest-Plakate am Tivoli-Stadion, dem Endpunkt des Streiks in Aachen.

Foto: Nadja Schlüter

Für Pauline, 17, die gerade ihr Fahrrad abschließt, um sich dann in die Demo einzureihen, wäre eine solche Aktion nichts. „Das Schöne an Fridays for Future ist doch gerade, dass es so friedlich ist und es nicht zu Ausschreitungen oder zu Konflikten mit der Polizei kommt“, sagt sie. Annika, 19, die aus Aschaffenburg angereist ist, betont, dass FfF für alle, die sich über die Streiks hinaus engagieren wollen, bereits andere Angebote mache: „Es gibt zum Beispiel Müllsammelaktionen oder Initiativen, die Positionspapiere an Bürgermeister formulieren.“ Und Ferdinand, 17, findet: „Fridays for Future muss nicht unbedingt radikaler werden, aber inhaltlich stärker.“ Sein Freund Philipp, ebenfalls 17, sieht das anders: „Ich glaube, es ist ein ganz wichtiger Schritt, dass wir jetzt radikaler werden!“

Trotz Schulpflicht freitags zu streiken, kann man zwar als „zivilen Ungehorsam“  definieren, dennoch ist es viel niederschwelliger als die Aktionen von „Ende Gelände“, die Konflikte mit der Polizei in Kauf nehmen und Hausfriedensbruch begehen. Sie setzen sich dem Risiko eines Straf- oder Zivilverfahrens, hoher Geldstrafen und im schlimmsten Fall einer bis zu zweijährigen Haftstrafe aus. Bei der Demo in Aachen sagen verschiedene Teilnehmer*innen, dass sie die Aktionen trotzdem gerechtfertigt finden. Einige sagen auch, dass sie sich vorstellen können, dabei mitzumachen. Dazu hat zum Teil wohl ausgerechnet die Polizei Aachen beigetragen. Deren Einsatzleiter hatte im Vorfeld der Aktionstage ein Schreiben an Schulen verschickt und FfF-Teilnehmer*innen davor gewarnt, sich „gewaltbereiten Gruppierungen von ,Ende Gelände’“ anzuschließen. Sechs Aktivist*innen seien bereits zu insgesamt 2,1 Millionen Euro Schadenersatz verurteilt worden, hieß es darin. Die Empörung war groß. „Ende Gelände“ sagt, dass bei keiner ihrer Aktionen, mit denen sie 2015 begonnen haben, Gewalt von ihnen ausgegangen sei. Zudem wurde bisher niemand aus ihrer Gruppe verurteilt.

Ziviler Ungehorsam war für die Umweltbewegung immer schon bedeutsam, etwa bei den Anti-Atom-Protesten

Letztlich trat das Gegenteil dessen ein, was die Polizei beabsichtigt hatte: Statt sich von „Ende Gelände“ zu distanzieren, veröffentlichte FfF am Dienstag vor Fronleichnam eine bundesweite Solidarisierungserklärung – und „Ende Gelände“ bekam viel Aufmerksamkeit und eine Menge Nachwuchs. „Die reißen uns hier die Flyer aus der Hand“, sagt Linda, die bei der Freitagsdemo in Aachen einen „Ende Gelände“-Infostand betreut. Nike Mahlhaus, Pressesprecherin der Gruppe, bestätigt: „Im Vorfeld der Aktion haben sich zum ersten Mal auch viele Menschen unter 18 bei uns gemeldet und gefragt, wie sie mitmachen können.“ Kathrin Henneberger, ebenfalls Sprecherin des Bündnisses, betont, dass es in ihrer Rechtshilfebroschüre ein ausführliches Kapitel für Minderjährige gebe: „Ich war selbst 15, als ich das erste Mal bei einer Blockade verhaftet wurde. Deshalb ist es mir sehr wichtig, dass sie sehr gut informiert sind.“

Radikalisieren sich die Schüler*innen jetzt also? Moritz Sommer vom Berliner Institut für Protest- und Bewegungsforschung, der FfF insgesamt als „große Erfolgsgeschichte“ bezeichnet, sieht das nicht so. Aktuell bestehe durch den engen Kontakt zu „Ende Gelände“ eher „eine Möglichkeit für Weiterentwicklung“: „Viele haben sich mit Fridays for Future zum ersten Mal der Klimabewegung angeschlossen. Für sie ist es wichtig, sich neue Protestformen anschauen und sie ausprobieren zu können.“ Für Ende Juli ist ein FfF-Sommerkongress in Dortmund geplant, da werde sicher diskutiert, welche Aktionsformen noch in Frage kämen.

Ziviler Ungehorsam, so Sommer, sei für die Umweltbewegung immer schon sehr bedeutsam gewesen, etwa bei den Anti-Atom-Protesten. Wenn sich die FfF-Aktivist*innen in Zukunft auch in diese Richtung engagierten, bedeute das aber nicht zwingend, dass die Proteste nicht mehr anhielten. „Das kann nebeneinander bestehen und ist eine Chance, neue Bündnisse zu bilden“, sagt Sommer. Luisa Neubauer von FfF antwortet auf die Frage, ob den Schüler*innen der Protest auf der Straße bald nicht mehr genug sein könnte, ähnlich: „Wir haben durch die Solidarisierung mit ,Ende Gelände’ gezeigt, dass es verschiedene Akteure braucht. Fridays for Future ist weiterhin überparteilich und unabhängig. Wir tragen die Klimakrise in die Mitte der Gesellschaft, appelieren an das ganze demokratische politische Spektrum und zeigen, dass Klimaschutz anschlussfähig ist.“ Vor allem bei der geplanten Aktionswoche ab dem 20. September, die parallel zum UNO-Klimagipfel in New York stattfindet, wolle FfF noch weitere Bevölkerungsgruppen mobilisieren und die Bewegung so über das Schüler-Engagement hinaus entwickeln.

DIe Besetzung des Braunkohletagebaus Garzweiler war von Anfang an das Ziel von „Ende Gelände“.

Foto: Nadja Schlüter

Die Polizei flankierte die Demo von FfF und „Ende Gelände“ am Tagebau mit einem Wasserwerfer.

Foto: Nadja Schlüter

Aktivist*innen besetzten am Samstag den Tagebau.

Foto: dpa/David Young

Am Samstag, bei der Demo von Hochneukirch zum Tagebau Garzweiler, wird das Bündnis zwischen FfF und „Ende Gelände“, aber auch die Trennung der Aktionsformen, noch mal sehr deutlich. Als der Protestzug mit etwa 7000 Teilnehmer*innen loszieht, läuft vorne FfF, diesmal unterstützt von vielen Anwohner*innen, deren Dörfer durch den Braunkohleabbau von RWE gefährdet sind und die zum Teil auch schon bei den Protesten im Hambacher Forst aktiv waren. Zwei kleine Mädchen tragen Grubenhelme mit Blumenkränzen darum, auf dem T-Shirt der einen steht „I stand with Greta Thunberg“. Durch einen Lautsprecherwagen vom vorderen Teil getrennt läuft der „goldene Finger“, eine Gruppen von „Ende Gelände“, die am Samstagmorgen aus dem Camp in Viersen aufgebrochen ist. Hier sind keine Kinder und auch kaum ältere Menschen dabei, die meisten sind junge Erwachsene, einige Jugendliche. Was sie wollen, ist von Anfang an klar: Sie bereiten sich darauf vor, den Tagebau zu stürmen.

Die Stimmung ist auch hier wieder extrem gut, wenn auch durch die größere Polizeipräsenz inklusive Wasserwerfer etwas angespannter. Als die Menschen die Autobahn unterqueren und dem Tagebau näher kommen, jubeln, singen und skandieren sie besonders laut. Danach wird es kurz unübersichtlich: Viele verlassen den asphaltierten Weg und laufen zur Kante des Tagebaus, der sich wie eine riesige Wüstenlandschaft vor ihnen auftut. Wer von ihnen nur Fotos machen und wer gleich den steilen Hang hinunter rutschen will, das ist auf den ersten Blick nicht erkennbar. Eine paar junge Frauen, die die für „Ende Gelände“ charakteristischen weißen Maleranzüge nur bis zu den Hüften hochgezogen haben, setzen sich auf den Hosenboden und verschwinden nach unten, während sich von links die Polizei nähert. Ein gestresster Ordner läuft an der Kante entlang. „Die Leute von Fridays for Future, schließt euch wieder dem Demozug an, wir gehen weiter“, ruft er, und: „Die müssen hier jetzt weg, die sind nicht dafür ausgebildet, runter in den Tagebau zu gehen.“

Ein junger Pole sagt: „Ich hoffe, dass es nächstes Jahr gar kein ,Ende Gelände’ mehr geben muss“

Das wissen sie auch. Niemand, der nicht dafür trainiert hat, geht an diesem Samstag in die Grube. Dafür aber Hunderte Aktivist*innen von „Ende Gelände“, deren ziviler Ungehorsam von einer großen zivilen Gruppe, den Demonstrant*innen von FfF, beobachtet und bejubelt wird. Bei der Abschlusskundgebung im bedrohten Dorf Keyenberg skandieren sie „Auf geht’s, ab geht’s, Ende Gelände!“ und auch von der Bühne gibt es Solidaritätsbekundungen. Ganz klar: Da ist etwas zusammengewachsen.

Egal, wen man an diesem Wochenende fragt, ob Vertreter*innen von FfF oder von „Ende Gelände“, alle betonen, dass sie trotz verschiedener Ansätze am Ende das gleiche Ziel haben: eine lebenswerte Zukunft auf diesem Planeten. Am Samstagmorgen sitzt Hanja, 18, aus Polen, vor der Anreise zu Garzweiler-Demo auf dem Aachener Bahnhofsplatz in der Sonne. Zwei Tage Zugfahrt hat ihre FfF-Gruppe bis hierher gebraucht, während gleichzeitig die Regierung ihres Heimatlandes in Brüssel verhinderte, dass sich die EU verpflichtet, bis 2050 klimaneutral zu sein. „Ich finde die Blockaden von ,Ende Gelände’ sehr wichtig“, sagt sie. „Nächstes Jahr würde ich gerne mitmachen!“ Und einer ihrer Freunde ergänzt: „Ich hoffe, dass es nächstes Jahr gar kein ,Ende Gelände’ mehr geben muss.“ Vielleicht ist das die eigentliche Antwort darauf, wie es mit FfF weitergeht: Wie jede ernsthafte Protestbewegung arbeitet auch die Klimabewegung letztlich an ihrer eigenen Abschaffung. Egal, ob mit Plakaten auf der Straße oder in Maleranzügen in der Kohlegrube.