Umweltaktivist*innen protestieren bei der Hauptversammlung von Siemens

„Australien brennt“ und „Siemens zündelt“ steht auf ihren Plakaten.
Von Katharina Steinhäuser

Foto: Katharina Steinhäuser

Um 8 Uhr morgens hat sich bereits eine kleine Gruppe vor der Olympiahalle versammelt, in der ein paar Stunden später die Aktionärs-Hauptversammlung von Siemens stattfindet. Auf ihren Schildern steht „Stop Adani“ oder „Siemens Klimakiller“.  Die Aktion richtet sich gegen den Deal von Siemens mit dem indischen Energiekonzern Adani. Siemens wird die Zugsignalanlage für dessen umstrittene Kohlemine in Australien liefern. Unter den Aktivist*innen ist auch die Australierin Joan Opdebeeck. Sie lebt in Frankreich und ist extra für den Protest nach München gereist. Ihrer Meinung nach ist es einfach unglaublich, was mit ihrem Heimatland passiert. Die extremen Buschbrände in Australien werden im Zusammenhang mit dem Klimawandel gesehen. Trotzdem unterstützt die australische Regierung das geplante Kohleprojekt von Adani.

Aktivist*innen halten flammenförmige Schilder hoch, auf denen steht „Australien brennt“, manche sind als Känguru verkleidet.

Foto: Katharina Steinhäuser

Der offizielle Protest von Fridays for Future ist vom Eingang aus nicht zu sehen. Seitlich hinter der Halle, am Coubertinplatz, wurden ein Pavillon und eine kleine Bühne aufgebaut. Man habe nur für diesen Ort die Genehmigung erhalten, heißt es in einer Ansprache. Mit dabei sind neben Schüler*innen auch die „Parents for Future“ oder „Greenpeace“. Gemeinsam stimmen sich die Aktivist*innen mit Sprachchören, wie „No no no no coal mining“, ein.  Anschließend bilden sie eine Menschenkette entlang der Seite der Olympiahalle. Die Klimaschützer*innen springen, singen und machen eine La-Ola-Welle. Sie fordern den Kohleausstieg und mehr Klimaschutz. Trotz Kälte schließen sich immer mehr Menschen der Kette an. Dutzende Kamerateams und Fotografen sind vor Ort, um die Aktion einzufangen.

Foto: Katharina Steinhäuser

Nicht alle Demonstrant*innen begnügen sich mit dem Platz am Rand. Einige Vertreter*innen verschiedener Gruppen stehen direkt vor dem Eingang. Die Siemens-Aktionär*innen gehen direkt an ihnen vorbei in die Halle, manche blicken zu Boden, andere tun so, als ob sie den Protest nicht sehen. Ein Aktivist von „Extinction Rebellion“ steht im Känguru-Kostüm direkt an der Absperrung. Er glaubt nicht, dass der Adani-Deal aufgrund des Protests rückgängig gemacht wird. Dennoch hofft er, dass der öffentliche Druck eine Kursänderung bewirken kann. Andere aus der Gruppe haben sich auf der Brücke zur Olympiahalle platziert. Einige sitzen oder liegen am Boden, sodass die ankommenden Aktionär*innen über sie steigen oder sich vorbeidrängen müssen. Nicht alle Gruppen protestieren nur für Klimaschutz, manche auch gegen den Kapitalismus. Die Sicherheitskräfte haben sich großräumig um das Gebiet verteilt und beobachten die Proteste. Bei der Demonstration am Nachmittag schätzt die Polizei die Teilnehmendenzahlen bisher auf 100 bis 150 Menschen.

Foto: Katharina Steinhäuser

Siemens hat durch die öffentliche Kritik an der Lieferung für die Kohlemine einen Image-Schaden erlitten. Der Vorstandsvorsitzende, Joe Kaeser, hält am Vertrag mit Adani fest. Bei der Aktionärs-Versammlung muss er sich dafür rechtfertigen. Joe Kaeser, hatte im Vorfeld zunächst Verständnis für die Klimaaktivist*innen gezeigt und betont, dass er die Entscheidung nicht noch einmal so treffen würde. Auf der Aktionärs-Versammlung sah das anders aus. Laut Medienberichten sagte er, es mute „schon fast grotesk an, dass wir durch ein Signaltechnik-Projekt in Australien zur Zielscheibe zahlreicher Umweltaktivisten geworden sind.“

Aktuell ist noch nicht klar,  inwieweit die Proteste der Klimaaktivist*innen einen Einfluss auf die Gespräche bei der Hauptversammlung oder zukünftige Entwicklungen haben. Ihr Ziel, die Öffentlichkeit auf die Situation aufmerksam zu machen, haben die Aktivist*innen jedoch bereits erreicht.

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