Im Privatjet zum Klimagipfel auf Sizilien

Wie Promis wie Prinz Harry, Leonardo DiCaprio und Obama die Welt retten wollen – und bei der Anreise schon scheitern.

Im exklusiven Verdura Ressort treffen sich die Reichen und Schönen.

Foto: Marcus Brandt/dpa

Mit dem Klimaschutz ist das so eine Sache. Viele fordern ihn und halten sich dann für sehr progressiv und integer. Müssen sie aber dann mehr tun, als ihn bloß zu fordern, dann sieht es schnell recht düster aus mit der Moral. Genau so stellt sich das gerade für ziemlich viele Promis wie Leonardo DiCaprio, Barack Obama, Katy Perry oder den englischen Prinzen Harry dar. Diese und noch viele andere Reiche, sehr sehr Reiche und Schöne treffen sich bis 4. August zum exklusiven „Google Camp“ in einer riesigen Luxus-Hotel-Anlage auf Sizilien.

Man will dort auf Einladung des Internetkonzerns unter der Sonne Süditaliens, weit weg von gewöhnlichen Tourist*innen, über die wirklich wichtigen Dinge des Lebens diskutieren. Laut Medienberichten vor allem über Menschenrechte und Klimawandel – und wie man letzteren stoppen kann. Blöd nur, wenn die Promis bei ihrer Anreise bereits die Klimakrise ignorieren. Über 100 Privatjets werden Berichten der italienischen Zeitungen La Repubblica und Giornale di Sicilia bis Sonntag erwartet – zusätzlich zu den Privatyachten und Hubschraubern. Klimabilanz? Ach, hört schon auf, ihr kleingeistigen CO2-Erbsenzähler!

Zugegeben: Die Teilnehmer*innen, zu denen laut Forbes auch Mark Zuckerberg und Tom Cruise gehören sollen, haben teilweise sehr weite Anreisewege, von unterschiedlichen Orten der Welt aus. Da kann man sich sicherlich nicht immer einen Bus teilen. Aber der Symbolik, die das entfaltet, kann man sich schon bewusst sein. Das gilt vor allem für Menschen wie den Royal Harry und Leonardo DiCaprio, die seit Jahren öffentlichkeitswirksam gegen die Klimakrise trommeln.

Jedenfalls: Sollten die Promis im Luxusressort es schaffen, die Welt nachhaltig zum Besseren zu verändern, dann sei ihnen der Flug mit dem Privatjet gegönnt. Blöd nur, dass wir das wahrscheinlich nie erfahren werden. Denn laut Forbes sind Social-Media-Posts während des mittlerweile zum siebten Mal stattfindenden „Camps“ verboten – und Reporter*innen nicht zugelassen. Bleibt dann nur noch zu hoffen, dass es bei dem Treffen um für die Menschheit Relevanteres geht, als sich selbst als reiche Player*innen mit tollen Jets zu feiern.

pwe

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