Wir sind auch Amerikaner!

Sagen die „Dreamer“ – junge, illegale Einwanderer wie Eduardo und Belen, die in den USA aufgewachsen sind und um eine faire Ausbildungschance kämpfen.
Von Nadja Schlüter, Phoenix

Der Grenzzaun zwischen Mexiko und den USA

Foto: afp / David McNew

Die USA sind Eduardos Heimat. Im Sommer hat er ein Praktikum an der Police Academy in Missouri gemacht. Auf seiner Facebook-Seite hat er ein „Happy 4th of July“- und ein „Remember 9/11“-Bild geteilt, kürzlich einen „Saturday Night Live“-Sketch und Fotos von einer Kürbis-Farm. Heute trägt er ein weinrotes Poloshirt mit dem Logo der „Sun Devils“, des Football-Teams der Arizona State University in Tempe. Eduardo sagt: „Ich bin stolz darauf, Amerikaner zu sein.“ Bloß: Auf dem Papier ist er gar keiner. Und immer, wenn er das erwähnt, wenn er sagt, dass er keinen US-Pass hat, spricht er leiser. „Du weißt nie, ob das hinter dir vielleicht jemand hört, der es nicht gut findet.“ 

Eduardo Lujan-Olivas ist 23 Jahre alt und stammt aus Mexiko. Damit ist er einer von 57 Millionen Hispanics oder Latinos in den USA, die größte ethnische Minderheit im Land  – und die jüngste: Ihr Durchschnittsalter liegt mit 28 Jahren zehn Jahre unter dem US-Durchschnitt (und fast 20 Jahre unter dem der Deutschen). Da Eduardo aber nicht hier geboren wurde, ist er auch einer von mehr als elf Millionen „undocumented“ oder „illegal immigrants“, ein „illegaler Einwanderer“. Eine Eigenbezeichnung, die weniger hart klingt, ist „Dreamer“, benannt nach dem „Dream Act“: ein Gesetzentwurf, der es den Illegalen, die schon als Kinder in Land gekommen sind, ermöglichen sollte, eine permanente Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen, es aber nie durch den Kongress geschafft hat.

Die meisten Dreamer stammen wie Eduardo aus Mexiko. Und während man die Einreise ihrer Eltern diskutieren kann – weil sie offensichtlich illegal war, aber oft aus wirtschaftlicher oder sogar physischer Not heraus geschah –, ist ihr Status als „Illegale“ komplett unverschuldet. Sie sind hier aufgewachsen und fühlen sich als Amerikaner. Aber sie werden oft nicht wie Amerikaner behandelt. Eduardo zum Beispiel hätte sein Status beinahe seine Ausbildung gekostet.

Er sitzt an diesem Samstagmorgen Mitte Oktober in einem Café in Tempe, der Unistadt nahe Phoenix, um seine Geschichte zu erzählen. Amerikanischen Medien erzählt er sie mittlerweile nicht mehr – zu viele böse Kommentare unter den Artikeln. „Ich will meine Familie nicht gefährden“, sagt er. Eduardo ist sehr höflich, fast schüchtern, und knetet beim Sprechen seine Finger.

An der Highschool wurde Eduardo gesagt: "Such dir einen Job, du kannst sowieso nicht studieren"

Vor 15 Jahren wurde sein Vater in Mexiko wegen Drogenhandels verhaftet. Seine Mutter wollte ihren damals achtjährigen Sohn aus dem Ärger heraushalten und ihm eine gute Schulbildung ermöglichen. Darum schickte sie ihn über die Grenze nach Tucson, Arizona. Bis sie mit seiner kleinen Schwester nachkam, lebte er bei seiner Tante. Er konnte die Schule besuchen, weil jedes Kind in den USA das Recht darauf hat, unabhängig von seinem Immigrationsstatus. Anfangs war es schwierig für Eduardo, er musste Englisch lernen und viel Lernstoff nachholen. Aber er schaffte es, einer von den anderen zu werden. Ein US-Amerikaner. 

Erst an der Highschool wurde ihm bewusst, dass er eigentlich keiner ist. Als alle seine Mitschüler darüber sprachen, dass sie bald den Führerschein machen würden, fragte Eduardo seine Mutter: „Kann ich auch einen machen?“ Und sie sagte: „Nein. Weil du illegal hier bist.“ Der nächste Rückschlag kam, als ihm die Laufbahnberaterin seiner Schule sagte, er solle sich nach dem Abschluss am besten direkt einen Job suchen – wegen seines Status’ könne er sowieso nicht studieren. „Das hat mich total demotiviert“, sagt er heute. Er hatte das Gefühl, dass sein Leben nicht in seiner Hand lag. Dass es von Umständen kontrolliert wurde, die er nicht ändern konnte.

Eduardo

Foto: Nadja Schlüter

Nach seinem Schulabschluss im Sommer 2012 arbeitete er in einem Hotel. Und während er Möbel herumschob und Pflanzen in Beete setzte, geschah ein kleines politisches Wunder, zumindest für ihn und viele Dreamer: Barack Obama setzte per Präsidialdekret, also am Kongress vorbei, die „Deferred Action for Childhood Arrivals“ (DACA) durch, eine Art Mini-Dream-Act. DACA ermöglicht es illegalen Einwanderern, die vor ihrem 16. Geburtstag oder vor dem Jahr 2007 in die USA gekommen sind, eine zweijährige Arbeitserlaubnis und die Aussetzung ihrer Abschiebung zu beantragen.

Obama wurde für das Dekret stark kritisiert, die Republikaner warfen ihm vor, seine Macht zu missbrauchen, um sich wenige Monate vor der Wahl die wichtigen Stimmen der Latinos zu sichern. Aber für Eduardo war es ein Segen. Er stellte den Antrag, der eine Menge Papierkram erfordert, 465 Dollar kostet und alle zwei Jahre erneuert (und erneut bezahlt) werden muss. Er bekam die Karte, die an einen Personalausweis erinnert, mit Foto, Namen und Gültigkeitsdatum darauf. Zum Zeitpunkt des Beschlusses waren mehr als eine Million Dreamer DACA-berechtigt, mehr als 720.000 haben es bis heute erhalten.

DACA gab Eduardo Sicherheit. Er hatte endlich das Gefühl, seinen Weg selbst bestimmen zu können. Seine allein erziehende Mutter, die als Putzfrau arbeitete, konnte ihn finanziell nicht unterstützen, aber mithilfe eines privaten Stipendiums fing er ein Teilzeit-Studium am Community College an. Nebenher arbeitete er 30 bis 35 Stunden an einer Tankstelle. Er war so motiviert, dass er sich zusätzlich sogar noch freiwillig engagierte, zum Beispiel im Studentenparlament. Seinen Abschluss machte er im Frühsommer 2016 mit Auszeichnung und bewarb sich an Unis. Viele sagten zu, er wählte die Arizona State University (ASU) in Tempe aus.

Am ersten Tag des Semesters bekam Eduardo die Nachricht, das Stipendium sei "ein Privileg für US-Bürger"

Um das Studium finanzieren zu können, bewarb er sich für das „All-Arizona Academic Team Scholarship“, ein prestigeträchtiges Stipendium über etwa 5000 Dollar pro Semester. Er bekam es. Weil er gute Noten hatte, sich außerhalb des Unterrichts engagiert hatte – und mit seinem DACA die Voraussetzungen unter dem Punkt „acceptable forms of citizenship“ erfüllte. Er wurde als einer der besten Bewerber geehrt, mit Pokal und Medaille. Sogar der republikanische Gouverneur von Arizona hat ihm gratuliert. Das Stipendium wurde in seinem neuen Uni-Online-Account verzeichnet. Eduardo freute sich wie verrückt auf sein Studium: zwei Jahre bis zum Bachelor. Und danach vielleicht auf die Law School? Und dann Anwalt werden, für Einwanderungsrecht?

Am 18. August 2016, dem ersten Tag des neuen Semester, stand Eduardo früh auf, frühstückte, packte seine Sachen. Als er gerade aus der Tür wollte, klingelte das Telefon. Eine Mitarbeiterin des Financial Aid Office der Uni war dran – und sagte ihm, dass sein Stipendium zurückgezogen wurde. Zuerst dachte Eduardo, das müsse ein Fehler sein. Aber als er in seinem Online-Account nachschaute, war der Vermerk über das Geld schon verschwunden. „Es war schrecklich, ich habe mich total hilflos gefühlt“, sagt er. Die einzige Erklärung, die die Uni ihm gab, war: „Dieses Stipendium ist ein Privileg für US-Bürger. Darum bist du nicht dafür qualifiziert.“

Dabei war Eduardo zu diesem Zeitpunkt schon weiter gekommen als die meisten andere Dreamer. Vielen passiert, was anfangs auch ihm passiert ist: Die Laufbahnberater an der Highschool, die Lehrer oder die Eltern sagen ihnen, dass sie keine Chance auf ein Studium haben. Dass sie sich lieber einen Job suchen sollen. Obwohl es kein Gesetz gibt, das ihnen verbietet, sich an einer Hochschule einzuschreiben. Aber selbst wenn sie das wissen, erfahren sie als nächstes, wie teuer das Studium ist. Viele können sich das nicht leisten, weil sie aus armen Familien stammen und weil sie für staatliche Hilfe, also ein Äquivalent zum deutschen BAföG, nicht berechtigt sind. Welche Stipendien es sonst noch gibt, auf die sie sich bewerben könnten, erfahren sie oft gar nicht. Das System ist komplex und die Informationen sind nicht grade breit gestreut – schon gar nicht für Dreamer. Wie viele von ihnen überhaupt studieren, ist nicht erfasst. An der ASU sind schätzungsweise um die 100 eingeschrieben, aber genau weiß das keiner.

„Über Dreamer zu sprechen, und dann auch noch über Dreamer an der Uni, ist immer noch oft ein Tabu“, sagt Carolina Luque. „Uni-Mitarbeiter werden darüber nicht aufgeklärt.“ Carolina, 29, und ihre Kollegin Elizabeth Cantú, 35, sind Mitarbeiterinnen an der ASU und betreuen die Studenten-Initiative „Dreamzone“, die über die Bedürfnisse und Probleme der Dreamer aufklären will. Beiden liegt das persönlich am Herzen – weil sie selbst viel Glück hatten, aber finden, dass es auf Glück eben nicht ankommen sollte. Carolina ist als Kind von Mexiko in die USA eingewandert und wurde mit 17 zur Staatsbürgerin, weil ihre Mutter einen Amerikaner geheiratet hat. „Das hat für mich alles geändert. Nur durch ein Stück Papier war ich auf einmal ‚ein guter Mensch‘ und hatte viel mehr Möglichkeiten. Das finde ich nicht fair!“, sagt sie. Elizabeths Eltern kommen ebenfalls aus Mexiko, aber sie wurde in Texas geboren und ist darum Amerikanerin. „Viele meiner liebsten Menschen sind Einwanderer und haben es viel schwerer als ich“, sagt sie. „Da will ich meine Privilegien wenigstens dafür nutzen, das Leben für sie hier besser zu machen.“

 

Das Motto von Dreamzone lautet: „Information is power“. Die Initiative bietet regelmäßig Workshops für Dozenten und andere Uni-Mitarbeiter an. Darin wird zunächst besprochen, was sie über Dreamer und das Einwanderungsgesetz wissen. Welche Vorurteile über „Illegale“ herrschen, und dass viele Angst haben, Studenten auf ihren Status anzusprechen – weil sie niemandem zu nahe treten wollen, oder weil sie denken, dass es verboten ist. Im zweiten Teil gibt es ein Podiumsgespräch: Dreamer und andere Immigranten, Studenten und Nicht-Studenten, erzählen ihren Geschichten und beantworten Fragen aus dem Publikum. Anschließend wird geklärt, wie die Teilnehmer des Workshops die Dreamer unterstützen können und welche Informationen, zum Bespiel über Stipendien, sie bereitstellen sollten.

 

Dreamzone will so ein Klima schaffen, in dem die jungen Einwanderer nicht als Bedrohung oder Tabu wahrgenommen werden. Damit sie Zugang zu den Informationen bekommen, die sie für ein Studium brauchen, und dann als Studenten und Absolventen die Botschaft weitertragen können: „Wir sind genauso viel wert wie alle anderen.“ Und zwar über die Uni hinaus. „Wir wollen erreichen, dass jeder, der hier mit einem informellen Immigrationsstatus lebt, keine Angst haben muss“, sagt Carolina.

 

Belen hatte als Kind oft Angst, dass ihre Eltern abgeschoben werden

 

Denn Arizona ist bekannt dafür, dass dort besonders hart mit Einwanderern umgegangen wird. Ein berühmtes Beispiel dafür ist die „Arizona Senate Bill 1070“, die 2010 verabschiedet wurde und es der Polizei erlaubte, jeden nach seinen Ausweispapieren zu fragen, der „verdächtig aussieht“. Joe Arpaio, der seit 1993 Polizeichef der Region um Phoenix ist und als „härtester Sheriff des Landes“ gilt, nutzte das für gezieltes Racial Profiling. Viele Einwanderer ohne Papiere wurden abgeschoben und unzählige Familien dadurch auseinandergerissen. Das Bundesgericht hat die SB 1070 schließlich ausgesetzt. Aber Gesetze wie dieses haben die Ressentiments gegen Latinos in der Bevölkerung verfestigt.

 

Die Dreamer mussten früh lernen, damit umzugehen. Eduardo wurde zu Misstrauen und Verschwiegenheit erzogen, weil man nie wissen konnte, wer einen morgen beim Sheriff meldet. Seine Mutter hatte beim Autofahren immer Angst, kontrolliert zu werden. In Tucson hielt er sich fast nur im Norden der Stadt auf, weil in den anderen Teilen der Stadt mehr Polizisten oder Grenzbeamte unterwegs waren.

 

Auch Belen kennt diese Kindheitsängste. „Ich habe oft gedacht, dass meine Eltern eines Tages nicht von der Arbeit nach Hause kommen, weil sie abgeschoben wurden“, sagt sie. Belen Sisa ist 22 Jahre alt, kommt aus Argentinien und lebt seit 16 Jahren in Arizona. Wie Eduardo wurde auch ihr in der Highschool gesagt, sie könne nicht an die Uni. Heute studiert sie Politikwissenschaft an der ASU und setzt sich als Aktivistin für die Rechte von Dreamern ein. 

Belen

Foto: Nadja Schlüter

Als Belen am Sonntagmorgen zum Frühstück in das „Cartel Coffee Lab“ in Tempe kommt, merkt man sofort, dass sie unendlich viel Energie hat. Sie legt gleich los: dass sie gerade in Las Vegas war, bei der letzen Präsidentschaftsdebatte, um gegen Donald Trump zu protestieren. Dass sie bis zum Sommer ein halbes Jahr lang für die Bernie Sanders’ Kampagne gearbeitet hat. Dass sie sich gerade in der Lokalpolitik engagiert. Dass sie im Juli als eine der ersten Dreamerinnen mit der Delegation aus Arizona zum Parteitag der Demokraten nach Philadelphia gereist ist. Warum sie das alles macht? „Wir Dreamer wollen einfach nur die gleichen Rechte wie alle anderen“, sagt sie. „Und die Gesetze ändern sich nur, wenn wir es fordern!“

 

Belen hat unter anderem dafür gekämpft, dass junge Einwanderer mit DACA eine bessere Chance auf ein Studium haben. In den USA müssen Studenten an öffentlichen Universitäten geringere Gebühren zahlen, wenn sie in dem Staat studieren, aus dem sie kommen. Aber in Arizona wurde 2006 per Referendum der „Proposition 300“ zugestimmt, die besagt, dass das nicht für Studenten gilt, die zwar in Arizona aufgewachsen sind, aber keine US-Bürger sind oder keine Aufenthaltserlaubnis haben. Als 2012 viele junge Immigranten durch DACA eine Aufenthaltserlaubnis erhielten, verfügte die damalige republikanische Gouverneurin, dass sie trotzdem weiterhin die höheren Gebühr zahlen müssen. Mehrere Community Colleges haben sich dem widersetzt und Dreamern die geringeren Gebühren berechnet. Dafür wurden sie von Arizonas Regierung verklagt. „Die Unis hatten Angst, auch verklagt zu werden, darum haben sie nicht mitgemacht“, sagt Belen. „Aber die Studenten der drei Unis in Arizona haben eine Koalition gegründet und protestiert.“ 

 

Belen hat den Solidaritätsmarsch in Tempe mit organisiert, der an allen drei Unis gleichzeitig stattfand, und bei dem Dreamer, andere Studenten und Unimitarbeiter mitliefen, um zu zeigen: Wir halten zusammen. Sie hat bei verschiedenen Aktionen an der Uni mitgewirkt, bei denen sie zum Beispiel „Preisschilder“ für das Studium verteilt hat. Sie war mit einer Gruppe beim „Board of Regents", der Univerwaltung Arizonas, wo man ihr sagte, sie solle aufhören zu kämpfen, es habe keinen Sinn. Sie hat einen Kommentar in der Lokalzeitung geschrieben. Sie hat vor dem Gericht demonstriert. Und dort wurde im Mai 2015 endlich entschieden: DACA-Inhaber aus Arizona dürfen die normalen Studiengebühren zahlen. Das war ein großer Erfolg. Aber Belen ist das noch nicht genug. „Wir werden weiterkämpfen!“, sagt sie. „Denn wir müssen immer noch doppelt so viel arbeiten wie alle anderen, um das gleiche zu erreichen.“ Zum Beispiel sind DACA-Studenten immer noch nicht berechtigt, staatliche Finanzhilfe fürs Studium zu beantragen.

 

Bei dieser Wahl steht für die Dreamer besonders viel auf dem Spiel – Trump ist Einwanderungs-Gegner

 

Diese fehlende finanzielle Hilfe für Dreamer wurde auch Eduardo zum Verhängnis. Denn obwohl in der Bewerbung für sein Stipendium stand, er sei dafür berechtigt, wurde nachträglich entschieden, er sei es nicht. Am Morgen des 18. August, nach dem Anruf vom Financial Aid Office, ging er erstmal einfach in die Vorlesung. Saß da. Dachte nach. Und nachdem der erste Schock sich gelegt hatte, wurde er aktiv. Er wollte das nicht auf sich sitzen lassen, sein Leben und seine Ausbildung nicht wieder aus der Hand geben. 

 

Eduardo hat jeden kontaktiert, der ihm in den Sinn kam: den Präsidenten der ASU, natürlich. Sein altes Community College. Die Studienberatung für Einwanderer in Tucson. Niemand konnte ihm weiterhelfen. Schließlich entschied er sich, an die Öffentlichkeit zu gehen. „Ein Reporter vom Arizona Daily Star hat eine Geschichte über mich geschrieben, die ziemlich viral ging“, sagt er. „Viral“ heißt zum einen, dass unter dem Text und unter weiteren, die daraufhin erschienen, unzählige Kommentare wie „Geh zurück nach Mexiko!“ geschrieben wurden. Zum anderen aber auch, dass Eduardo eine Menge Unterstützung bekam: Er hat ein Crowdfunding gestartet, mit dem Ziel, 18.000 Dollar zu sammeln – bis heute hat er rund 24.000 Dollar bekommen, genug, um die Studiengebühren für zwei Jahre, Bücher und weitere Ausgaben zu stemmen. „Ich hätte nie gedacht, dass so viele fremde Menschen spenden!“, sagt er. „Und ich habe so viele tolle Nachrichten bekommen, die mir Mut gemacht haben.“

 

Eduardo ist seinen Spendern extrem dankbar. Er weiß, dass er Glück hatte. Aber auf Glück soll es eigentlich nicht ankommen müssen – das sieht er genauso wie Carolina und Elizabeth von Dreamzone. Das Crowdfunding war für ihn zwar eine Lösung, aber es kann nicht die Lösung für alle Dreamer sein, die studieren wollen. Wie Belen glaubt er, dass sich noch viel ändern muss und ändern lässt.

 

Zur Zeit steht für die Dreamer besonders viel auf dem Spiel, denn sehr bald wird gewählt – und Donald Trump ist ein Einwanderungs- und DACA-Gegner und ein enger Verbündeter von Sheriff Arpaio. Eduardo und Belen dürfen ihre Stimme zwar nicht abgeben, aber sie wollen sie trotzdem hörbar machen. „Wenn ich zehn Menschen davon überzeugen kann, zu wählen“, sagt Eduardo, „dann hat das sogar noch mehr Wirkung, als wenn ich selbst wählen könnte.“ Belen, die Aktivistin, ist da noch sehr viel ambitionierter: „Mit meiner Arbeit kann ich vielleicht 500 Leute dazu bewegen, zur Wahl zu gehen. Das sind die ‚Dream voters‘ – denn sie wählen für uns!“

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