Greta Thunberg stellt sich ihren Hatern

Auf Facebook postete sie einen Brief, in dem sie einiges klarstellt.

Greta Thunberg, hier kurz vor ihrem Auftritt beim Weltwirtschaftsforum in Davos, hat allen Grund, grimmig zu schauen.

Foto: AP / Markus Schreiber

Im Kampf gegen den Klimawandel ist im Moment wohl kaum eine Aktivistin so bekannt wie Greta Thunberg. Die 16-jährige Schwedin schwänzt seit August vergangenen Jahres immer wieder die Schule, um vor dem schwedischen Parlament in Stockholm für den Klimaschutz zu demonstrieren. Anfangs verbrachte sie dort drei Wochen lang jeden Tag, mittlerweile protestiert sie jede Woche freitags. Für sie ist klar: Die Welt muss gerettet werden und genau dafür kämpft sie. Zehntausende Schüler ließen sich von der jungen Schwedin inspirieren und taten es ihr nach: In vielen Ländern organisierten sie ihre eigenen Proteste für den Klimaschutz. 

„Ich kenne keinen einzigen Klimaaktivisten, der sich gegen Geld engagiert. Diese Idee ist komplett absurd.“

Die Aufmerksamkeit, die Greta Thunberg aus aller Welt derzeit bekommt, ist größtenteils voller Begeisterung und Bewunderung. Wo Befürworter sind, lassen sich allerdings auch Gegner finden. In den sozialen Netzwerken muss sich Greta immer wieder Anfeindungen und viel Kritik in Bezug auf ihr Asperger-Syndrom, ihr Alter oder ihr Geschlecht stellen. Einschüchtern lässt sich die 16-Jährige davon allerdings nicht – am Wochenende schrieb sie einen Brief an ihre Hater und veröffentlichte ihn auf Facebook. Fast 100.000 User likten Gretas Beitrag, über 40.000 mal wurde er geteilt. Darin bezieht sie Stellung zu den Vorwürfen, die ihr immer wieder entgegengebracht werden.

„Viele Menschen lieben es, Gerüchte zu verbreiten“, schreibt Greta. Sie sagen, die Aktivistin hätte jemanden hinter sich, der sie für ihr Engagement bezahle. Das weist die junge Schwedin allerdings vehement zurück und stellt klar: „Ich kenne keinen einzigen Klimaaktivisten, der sich gegen Geld engagiert. Diese Idee ist komplett absurd.“ Sie sei komplett eigenständig und repräsentiere allein sich selbst und ihre persönlichen Interessen. Um ihren Standpunkt zu bekräftigen, erklärt sie die Entstehung und die Umsetzung ihrer Schulstreik-Idee – und die war gar nicht so einfach. Keine Organisation habe sie unterstützt, noch nicht einmal ihre Eltern waren von Gretas Schulschwänz-Plan begeistert. Bei ihren Demonstrationen während der Unterrichtszeit war sie also zu Beginn auf sich alleine gestellt. 

„Es gibt keine Grauzonen, wenn es ums Überleben geht.“ 

Ein weiterer Kritikpunkt, den Greta immer wieder zu hören bekommt, ist ihre Ausdrucksweise. Manchen finden, sie spreche zu erwachsen für eine 16-Jährige, sie zweifeln an, dass Gretas Reden tatsächlich von ihr selbst geschrieben werden. Doch auch das bestreitet Greta und sagt, sie frage lediglich nach Input und arbeite mit Wissenschaftlern zusammen, um die Fakten richtig darzustellen. 

Ebenso ein Kritikpunkt: Greta würde die Komplexität des Problems nicht ausreichend thematisieren. Aussagen wie „Die Klimakrise ist eine schwarz-weiße Angelegenheit“ seien zu einfach. Doch Greta bleibt bei ihrer Message: „Es gibt keine Grauzonen, wenn es ums Überleben geht.“ 

Bei ihrem Kampf für das Klima steht der jungen Schwedin ihr Alter immer wieder im Weg. Von vielen wird sienicht ernst genommen. Oft muss sich die Klimaaktivistin anhören, sie könne nichts bewirken, sie sei doch nur ein Kind und auf Kinder sollte man nicht hören. Dieses Argument weiß Greta Thunberg aber schnell zu entkräfen. In ihrem Facebook-Post schreibt sie: „Ihr müsst nicht auf mich hören. Wenn ihr auf die felsenfesten Fakten der Wissenschaft hören würdet, müsstet ihr nicht den hunderttausenden streikenden Schülern zuhören. Dann könnten wir alle wieder zur Schule gehen.“

Dass ihr so viel Hass entgegen gebracht wird, kann die 16-Jährige nicht verstehen.

Allerdings stimmt sie ihren Kritikern in diesem Punkt auch zu. Sie sieht ein: Sie und ihre Mitstreiter sind zu jung, um diesen Kampf auszutragen. Doch: „Angesichts dessen, dass fast niemand etwas für die Umwelt tut, müssen wir weitermachen.“ 

Dass ihr so viel Hass entgegen gebracht wird, kann die 16-Jährige selbst nicht verstehen. Sie sieht sich selbst lediglich als „kleine Botin, die nichts Neues erzählt, sondern wiederholt, was Wissenschaftler bereits seit Jahrzehnten sagen.“ Eine Botin, die allerdings von unzähligen Menschen in der ganzen Welt gehört wird – und deswegen einen viel größeren Einfluss hat, als es ihr viele zugestehen. 

fczy