„Soll ich das Team wirklich von einem Mann im zeugungsfähigen Alter leiten lassen?“

Ein Twitter-Account hat ein Paralleluniversum erschaffen, in dem sich Männer mit Sexismus herumschlagen müssen.
buzz das bisschen arbeit

Illustration: jetzt

„Heute vier Vorstellungsgespräche. Stefan (24) brachte alle Qualifizierungen mit. Aber soll ich das Team wirklich von einem Mann im zeugungsfähigen Alter leiten lassen? Mal ganz ehrlich: Da suche ich ja in einem Jahr direkt den Nachfolger.“

Wer gerade gestolpert ist, nochmal von vorne gelesen hat, um zu schauen ob nicht doch über Stefanie und nicht über Stefan gesprochen wurde, ist mit Sicherheit nicht alleine. Denn mit derartigem Sexismus müssen sich Männer normalerweise nicht beschäftigen.

Doch es gibt einen Ort im Internet, bei dem genau das passiert. Der Twitter-Account „Das bisschen Arbeit“ (@dasbisschenarb1) hat ein Parallel-Universum erschaffen. Eine matriarchalische Gesellschaft, in denen Frauen das Sagen haben und sich genauso beschissen aufführen, wie es in unserer Gesellschaft nun mal Männern häufig tun. Vor allen Dingen die Frage, wer sich um die Kindererziehung zu kümmern hat, ist bei diesem Account, der in kurzer Zeit über 10 000 Follower gesammelt hat, genauso schnell geklärt, wie in unserer Realität ― nur eben mit umgekehrten Rollen: „Hier wird gerade die Kitaanmeldung für den Kleinen diskutiert. Ich bin ja eigentlich dagegen, ihn schon mit 1 Jahr in fremde Hände zu geben, aber kann verstehen dass der Mann mal Entlastung will. Ich fände 25 Stunden ausreichend, er will aber 35. Wie regeln eure Männer das?“, fragt der Account und kriegt viele Antworten.

Unter dem Tweet geben Frauen Ratschläge, wie man mit dieser kniffligen Situation umgehen und wie viel Freiheiten der Mann bekommen sollte: 

Und auch einige Männer beteiligen sich an den Diskussionen des Twitter Accounts, wie an der Frage, wie viel Taschengeld sie von ihren Frauen bekommen sollten.

Wie nah der Account an der Realität, oder besser wie weit weg er von ihr ist, zeigt sich allein daran, dass jeder einzelne Tweet funktioniert, einen Nerv trifft, an eine Situation erinnert, die wohl jeder so oder so ähnlich schon einmal bei Frauen mitbekommen hat. Doch nicht nur solche fiktiven Diskussionen werden gespiegelt, der Account nutzt auch immer wieder tatsächlich veröffentlichte Artikel und Posts, um auf diesen alltäglichen Sexismus hinzuweisen:

Die Inspiration für den Account bekam @dasbisschenarb1 laut eigenen Angaben bei @Manwhohasitall, einem englischsprachigen Satire-Account, der nach einer ähnlichen Logik funktioniert, in dem er pseudofeministische Sprüche umdreht und sie auf Männer überträgt.

Der Twitter-Account, dessen Betreiber*innen bislang anonym sind, soll nur so lange existieren, wie es notwendig ist, auf strukturellen Sexismus hinzuweisen, heißt es in einem Tweet. Leider werden wir uns wohl noch eine ganze Weile an @dasbisschenarb1 erfreuen können.

rawe

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