Hunderte protestieren gegen Zensur auf Instagram – nackt

Mitten in New York.

Foto: AFP/Stephanie Keith

Mitten auf einem Platz in New York liegen hunderte nackte Menschen. Allein das ist schon ein komischer Anblick. Aber sie verdecken sich teilweise mit Fotografien von Nippeln. Und das macht es noch etwas komischer. Das ist Kunst, aber irgendwie auch Protest. Die Menschen liegen dort vergangenen Sonntag für eine Performance-Art-Aktion des Künstlers Spencer Tunick, der für seine Installationen aus nackten Menschen bekannt ist. Und sie demonstrieren gegen die Zensur von Nacktheit auf Facebook und Instagram – direkt vor deren Büro.

Für viele Künstler*innen ist Instagram inzwischen ein wichtiger Ort, um ihre Kunst bekannt zu machen. Der Umgang des Netzwerks mit Nacktheit ist allerdings schizophren: Auf Gemälden und bei Skulpturen ist sie okay, bei echten Menschen nicht. Und auch bei Fotos von Statuen und Gemälden kommt es immer wieder zu technischen Problemen und der Sperrung der Bilder. Tunick erklärt in der Pressemitteilung zu der Aktion: „Den Körper als etwas Beschämendes zu sehen, schadet jeder Person, die einen Körper hat.“

Die Aktivist*innen kritisieren vor allem, dass weibliche Nippel zensiert werden, männliche aber nicht. Die Teilnehmer*innen der Aktion bedecken sich deshalb mit Bildern von männlichen Nippeln. So soll eine Sperrung der Bilder von der Aktion verhindert und die Absurdität der Regelung deutlich werden. Außerdem bemängeln die Aktivist*innen, dass vor allem Künstler*innen benachteiligt werden, deren Arbeit sich auf ihre Körper fokussiert. Viele von ihnen würden Queerness sichtbar machen und Gender-Stereotypen aufbrechen. Unter dem zu der Aktion gehörigen Hashtag #wethenipple auf Instagram findet man nur eine Meldung, dass die Seite nicht verfügbar sei. Möglicherweise wurde der Hashtag gesperrt.

Unterstützung kommt von Fotografie-Museen

Die Organisation hinter der Aktion ist die „National Coalition Against Censorship“, die sich für die Kunst- und Meinungsfreiheit in den USA einsetzen. Außerdem wird #wethenipple von Museen wie dem Fotografiska in Stockholm oder dem Contemporary Art Museum in St. Louis und verschiedenen Künstler*innen unterstützt.

Es ist nicht die erste Aktion, mit der Facebooks und Instagrams Zensur von Nacktheit kritisiert wird. Die amerikanische Comedian Chelsea Handler meinte schon 2015, dass sie das Recht haben sollte, zu zeigen, dass ihr Körper schöner sei als der von Putin:

Und auch der Instagram-Account „Genderless Nipple“ kämpft dafür, dass sowohl weibliche als auch männliche Nippel gezeigt werden dürfen. Dafür werden Bilder von Nippeln gepostet, bei denen man nicht erkennt, ob sie zu einem Mann oder einer Frau gehören:

nsp

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